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Intensiv- und Notfallmediziner kritisieren geplante Personaluntergrenzen

Freitag, 26. Oktober 2018

/dpa

Berlin – Die Deutsche Interdisziplinäre Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI) lehnt die von Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter Jens Spahn (CDU) vorgeschlagenen Richtwerte für die personelle Besetzung von Intensivstationen weiterhin kategorisch ab und fordert eine praxisorientierte Anpassung der Pflegepersonaluntergrenzen-Verordnung. Diese regelt ab Januar 2019 die Personaluntergrenzen in der Intensiv­medizin, Geriatrie, Kardiologie und Unfallchirurgie.

Prinzipiell begrüßt die DIVI zwar die Initiative der Bundesregierung, die Situation der Pflege in den deutschen Krankenhäusern verbessern zu wollen, kritisiert allerdings die Festlegung der jetzigen Werte über den Quartilansatz als „unerwünschtes Minimum“. Der Quartilansatz definiert den Grenzwert der 25 Prozent der Häuser mit der schlechtesten Personalausstattung.

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„75 Prozent der Häuser liegen momentan über diesem Wert“, kritisierte DIVI-Präsi­diumsmitglied Thomas van den Hooven. So könne der neue Entwurf dazu führen, dass eine einzelne Pflegekraft sogar noch mehr Patienten betreuen müsse. Die Debatte über eine „Überbesetzung“ habe in vielen Häusern bereits begonnen, mahnte er.

Die Pflegepersonaluntergrenzen-Verordnung (PpUGV) sieht unter anderem vor, dass in der Nachtschicht eine Intensivpflegekraft 3,5 Patienten, in der Tagschicht 2,5 Patienten betreuen soll. Die DIVI fordert dagegen schichtunabhängig einen Personalschlüssel von einer Intensivpflegekraft für maximal zwei Patienten. Alles andere sei „auf Intensivstationen mit schwerstkranken Patienten qualitativ nicht vertretbar“.

Auch dem laut Pflegepersonalstärkungsgesetz geplanten „Ganzhausansatz“ steht die DIVI kritisch gegenüber. Der Personalquotient soll künftig das Verhältnis des eingesetzten Pflegepersonals zum Pflegeaufwand des Krankenhauses ermitteln und aufzeigen, ob ein Krankenhaus ausreichend Personal einsetzt.

„Die neuen Vorgaben werden in der Praxis mit hoher Wahrscheinlichkeit zu Personal- und Patientenverschiebungen führen“, warnte van den Hooven. Dies verschlechtere die Versorgungsqualität und führe zu einer weiter steigenden Berufsunzufriedenheit der Pflegenden im Intensivbereich.

Insgesamt fehle es den Entwürfen an realistischen und rasch umsetzbaren Konzepten gegen den gravierenden Fachkräftemangel. „Ohne diese kann man so viel Grenzen festlegen, wie man will. Wenn kein Personal da ist, um diese zu erfüllen, greifen alle Maßnahmen buchstäblich ins Leere“, so die DIVI. © hil/sb/aerzteblatt.de

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