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Medizin

Zoster: Neuer Impfstoff effektiver, aber mit mehr Nebenwirkungen

Freitag, 26. Oktober 2018

/dpa

Toronto – Der in diesem Jahr eingeführte rekombinante Zoster-Impfstoff schützt ältere Menschen deutlich besser vor einem Herpes zoster (Gürtelrose), es kommt jedoch häufiger zu Nebenwirkungen, die allerdings meist auf Lokalreaktionen an der Injektionsstelle beschränkt sind. Zu diesem Ergebnis kommt eine unabhängige Metaanalyse im Britischen Ärzteblatt (BMJ 2018; 363: k4029).

Der im Jahr 2013 in Deutschland eingeführte erste Zoster-Impfstoff Zostavax besteht aus abgeschwächten Lebendviren. Seine Schutzwirkung ist begrenzt. Andrea Tricco vom St. Michael's Hospital in Toronto, die die Daten für das staatliche Canadian Institutes of Health Research ausgewertet hat, gibt die Schutzwirkung mit 57 % an (die bei einem 95-%-Konfidenzintervall von minus 61 bis 84 % statistisch nicht signifikant ist). 

Wesentlich effektiver ist der in diesem Jahr auch in Europa eingeführte erste rekombinante „Totimpfstoff“ Shingrix, der den Glykoprotein E des Erregers enthält. Die Schutzwirkung beträgt 94 % (79 bis 98 %) auf einen vom Arzt diagnostizierten Herpes zoster. Im direkten Vergleich ist der neue Impfstoff zu 85 % (31 bis 98 %) effektiver, wobei diese Zahl das Ergebnis einer Netzwerk-Metaanalyse ist, denn ein direkter Vergleich der beiden Impfstoffe wurde bisher durchgeführt (und er ist auch für die Zukunft nicht zu erwarten). 

Auch hinsichtlich der nicht bestätigten Verdachtsfälle (um 63 %; 43 bis 80 %) und des gefürchteten Zoster ophthalmicus (um 88 %; 16 bis 100 %) hat sich der neue Impfstoff als effektiver erwiesen. Lediglich beim Schutz gegen eine posthermetische Neuralgie, der wesentlichen Stärke des Lebendimpfstoffes, ist der Vorsprung in der Effektivität gering (87 versus 66 %).

Der Nachteil des neuen Impfstoffes besteht darin, dass 2 Impftermine im Abstand von 2 Monaten erforderlich sind, während der Lebendimpfstoff nur einmal verabreicht werden muss. Der rekombinante Impfstoff ist zudem mit einem Adjuvans versehen, was möglicherweise die etwas schlechtere Verträglichkeit erklärt. Sie betrifft in erster Linie die Lokalreaktion am Injektionsort, die den Berechnungen von Tricco zufolge zu 79 % häufiger auftreten (Risk Ratio 1,79; 1,05-2,34). Auch systemische Nebenwirkungen traten zu 87 % tendenziell häufiger auf. Die Risk Ratio von 1,87 war mit einem 95-%-Konfidenzintervall von 0,88 bis 2,96 jedoch nicht signifikant, sodass dieser Punkt offen bleiben muss.

In Deutschland wird die Impfung gegen Zoster derzeit nicht von der Ständigen Impfkommission empfohlen. Sie wird deshalb in der Regel nicht von den Kranken­kassen bezahlt. Ein Bedarf nach einer effektiven und sicheren Impfung gegen die Gürtelrose wird jedoch von Experten wie Tricco nicht bezweifelt, zumal jeder 4. Mensch über 50 Jahre im weiteren Verlauf seines Lebens an einer Gürtelrose erkrankt. © rme/aerzteblatt.de

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