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Kinderlähmung: Betroffene in Thüringen kämpfen mit Spätfolgen

Montag, 29. Oktober 2018

/dpa

Erfurt – Mehr als 65 Jahre nach dem letzten Auftreten von Kinderlähmung in Thüringen kämpfen die Überlebenden mit den Spätfolgen der Infektionskrankheit. Sie sind nach Angaben des Ge­sund­heits­mi­nis­teriums in drei Selbsthilfegruppen in Jena, Weimar und Erfurt organisiert.

Die Zahl der im Freistaat lebenden Betroffenen ist unklar. Anders als meldepflichtige Neuinfektionen werde die Zahl der vom Post-Polio-Syndrom betroffenen Menschen nicht erfasst, hieß es vom Ministerium. Die letzten drei Neuerkrankungen von Kinderlähmung (Poliomyelitis, kurz: Polio) wurden in Thüringen 1962 registriert.

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Die meist Überlebenden benötigten regelmäßige ärztliche Behandlung, Therapien wie Krankengymnastik und eine gute Versorgung mit Hilfsmitteln wie Gehhilfen und Rollstühlen, sagte Ursula Schäfer, Leiterin der der Polio-Selbsthilfegruppe in Jena mit bis zu 50 Betroffenen.

„In Thüringen sind wir in der glücklichen Lage, dass sich ausreichend Ärzte mit dem doch ziemlich in Vergessenheit geratenen Krankheitsbild auskennen“, erklärte sie. Teilweise müssten die Erkrankten aber lange Wartezeiten auf einen Termin bei spezialisierten Fachärzten in Kauf nehmen.

Ein weitaus größeres Problem sei es, in kürzeren Abständen an eine stationäre Rehabilitation in einer Kurklinik zu kommen. Der gesetzlich vorgeschriebene Vier-Jahres-Abstand und eine dreiwöchige Rehadauer reichten nicht aus, um die Verschlimmerung der Spätsymptome aufzuhalten.

Die Krankenkassen seien „sehr rigide“, kritisierte Schäfer. Viele Betroffene hätten nicht die Kraft, sich zu wehren, wenn ihr Rehaantrag abgelehnt werde. Dabei gehe es darum, die körperliche Selbstständigkeit möglichst lange zu erhalten und so die für die Kassen wesentlich kostspieligere Pflegebedürftigkeit hinauszuzögern oder zu vermeiden.

Nach Zahlen des Robert-Koch-Instituts (RKI) war Kinderlähmung in Deutschland bis zur Einführung einer Schutzimpfung vor allem in den 1950er-Jahren ein großes Problem. In Westdeutschland wurde 1952 der Höchstwert von 9.750 Erkrankungen und 778 Todesfällen registriert.

In der DDR war 1953 mit 2.662 Infektionen und 141 Toten der gravierendste Polio-Jahrgang. Hier wurde bereits 1960 eine Schluckimpfung gegen Polio eingeführt, Westdeutschland zog 1962 schrittweise nach. In beiden Teilen Deutschlands gingen mit Einführung der Impfung die Neuinfektionen deutlich zurück.

Die letzten vereinzelten Polio-Erkrankungen wurden in der DDR 1983 und in Westdeutschland 1989 registriert, die letzten Todesfälle 1960 (DDR) und 1983 (BRD). Der alljährlich am 28. Oktober begangene Welt-Polio-Tag erinnert an den Entdecker des Polio-Impfstoffes, den amerikanischen Wissenschaftler Jonas Salk. © dpa/aerzteblatt.de

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