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Medizin

Viele Medikamente können eine interstitielle Lungenerkrankung auslösen

Montag, 29. Oktober 2018

/Nonwarit, stockadobecom

Manchester – Medikamenteninduzierte interstitielle Lungenerkrankungen (DILD) sind häufiger als vielfach angenommen. Eine systematische Übersicht im Journal of Clinical Medicine (2018; 7: 356) nennt die häufigsten Auslöser, zu denen neben Krebs- und Rheumamedikamenten auch Amiodaron und einige Antibiotika gehören.

Obwohl DILD (für Drug-induced interstitial lung disease) Atembeschwerden, Entzündungen und Vernarbungen in der Lunge verursachen, wird die Nebenwirkung häufig erst entdeckt, wenn die Zulassungsstudien abgeschlossen sind und die Medikamente bereits seit einigen Jahren zugelassen sind. Entsprechend schwierig ist es, die Häufigkeit der schweren Arzneimittelkomplikation einzuschätzen, die, wenn sie zu spät entdeckt wird, häufig zum Tod führt.

Ein Team um Nazia Chaudhuri vom North West Lung Centre der Universität Manchester schätzt, dass auf eine Million Einwohner jährlich 0,41 bis 12,4 Fälle von DILD kommen. Das erscheint selten zu sein. Der Anteil an allen interstitiellen Lungenerkrankungen könnte zwischen 3 und 5 % liegen. Die Mortalität der DILD ist hoch. Etwa die Hälfte aller Patienten mit DILD sterben, davon wiederum die Hälfte an respiratorischen Symptomen.

Obwohl die Forscher insgesamt 156 wissenschaftliche Publikationen mit mehr 6.000 DILD-Fällen auswerten konnten, verzichteten sie auf eine Metaanalyse, da die Qualität der zur Verfügung stehenden Daten in der Regel gering war. Die EU finanziert zusammen mit der Innovative Medicine Initiative der Industrie derzeit mit 24 Millionen Euro das TRISTAN-Consortium, das die DILD näher erforschen soll. Die Forschung konzentriert sich dabei auf die Entwicklung bildgebender Verfahren, um die Früherkennung zu verbessern.

Denn wenn es erst einmal zu einer symptomatischen Erkrankung gekommen ist, sind die Behandlungsmöglichkeiten begrenzt. Auch mit hochdosierten Glukokortikoiden kann die zunehmende Fibrosierung der Lungen oft nicht mehr gestoppt werden. Insgesamt fehlt es allerdings an Studien, die den Einsatz von Steroiden und anderen Mitteln systematisch untersucht hat.

Die Forscher nennen eine Reihe von häufig eingesetzten Wirkstoffen, die nachweislich eine DILD auslösen. Gut untersucht ist der Zusammenhang mit Zytostatika wie Bleomycin, das zu 6,8 bis 15 % zu einer DILD führt, oder auch Gemcitabin, wo die Inzidenz mit 1,1 bis 3,9 % angegeben wird. Aber auch neuere zielgerichtete Krebsmedikamente wie Erlotinib, Gefitinib, Panitumumab und Cetuximab sind betroffen. Ebenso die MTOR-Inhibitoren Everolimus, Temsirolimus und Sirolimus, die auch zur Vermeidung von Abstoßungsreaktionen nach Organtransplantationen eingesetzt werden.

DILD sind auch eine häufige Komplikation der Checkpointinhibitoren, wobei Nivolumab mit einer Inzidenz von 11,7 % häufiger betroffen zu sein scheint als Ipilimumab (Inzidenz: 5,44 %). Weitere betroffene Krebsmedikamente sind Irinotecan, Rituximab, Imatinib, Pemetrexed und Granulozyten-Kolonie-stimulierende Faktoren.

Unter den Rheumamedikamenten treten DILD bei dem häufig eingesetzten Methotrexat (Inzidenz: 0,06 bis 15 %), aber auch unter TNF-Inhibitoren und Leflunomid auf.

Bei den Kardiologika ist in erster Linie Amiodaron (Inzidenz: 1,2 bis 8,8 %) betroffen, aber auch Bepridil (Inzidenz: 6,3 %) kann offenbar eine DILD auslösen und selbst die Einnahme von Statinen wurde mit DILD in Verbindung gebracht (107 Fallmeldungen an die FDA bis Juni 2007).

Unter den Antiinfektiva muss nach der Gabe von Nitrofurantoin, Daptomycin und Interferonen mit einer DILD gerechnet werden. © rme/aerzteblatt.de

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