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Medizin

Natürliches Protein kann übergewichtige Mäuse abspecken

Montag, 29. Oktober 2018

/dpa

Washington – US-Krebsforscher könnten zufällig auf ein äußerst wirksames Diätmittel gestoßen sein. Das Protein FGF-BP3 (Fibroblast Growth Factor Binding Protein 3) hemmt laut ihrem Bericht in Scientific Reports (2018; 8: 15973) sowohl den Kohlenhydrat- als auch den Fettstoffwechsel, was bei adipösen Mäusen zu einem Gewichtsverlust von einem Drittel geführt hat.

Mehr als 650 Millionen Menschen weltweit sind adipös und mit der Ausnahme einer bariatrischen Operation, die den Magen verkleinert und/oder den Darm verkürzt, gibt es derzeit kein Mittel, um das Normalgewicht wieder herzustellen. Zu Sport und einer radikalen Änderung ihrer Ernährung sind die wenigsten Betroffenen bereit, und Medikamente wie Orlistat oder Lorcaserin erzielen derzeit nur eine Gewichtsabnahme von 5 bis 10 %, was bei einem Ausgangsgewicht von weit mehr als 100 kg gering ist.

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Ein Team um Anton Wellstein vom Lombardi Comprehensive Cancer Center der Georgetown University in Washington ist jetzt auf einen Wirkstoff gestoßen, der das Körpergewicht von adipösen Mäusen innerhalb von 18 Tagen um ein Drittel senkte.

Die Forscher beschäftigten sich mit Fibroblasten-Wachstumsfaktoren (FGF), die als Signalproteine in verschiedene Körperfunktionen eingreifen, darunter auch das Wachstum und die Differenzierung von Zellen. FGF sind deshalb für die Krebsforschung interessant. FGF sind häufig an Proteine gebunden, sogenannte „binding proteins, BP“, die die Faltung der FGF und damit ihre Funktion beeinflussen. Eines dieser auch als „Chaperone“ bezeichneten Proteine, BP3, zeigte dann in tierexperimentellen Versuchen einen überraschenden Einfluss auf den Stoffwechsel.

Eine vermehrte Expression von BP3 unterdrückte in der Leber die Bildung von Glukose (Gluconeogenese) und von Fetten (Lipogenese). Die Fettleber (Steatose) der Mäuse bildete sich zurück und das Körpergewicht sank rasant. Die Wirkung kam durch FGF-B3 zustande, das in der Leber in die genetische Regulierung des Energiestoffwechsels eingreift. FGF-B3 bremst über Zwischenschritte das Gen Ppargc1a, das die Gluconeo­genese steuert. Über eine vermindert Expression von Srebf1 kann FGF-B3 auch die Bildung von Lipiden und Triglyzeriden vermindern. 

Die vermehrte Expression von BP3 löste bei den Mäusen die Stoffwechselprobleme, die bei adipösen Menschen zum metabolischen Syndrom und zum Typ-2-Diabetes führen. Ob sich diese Effekte durch eine Behandlung mit BP3 auch beim Menschen auslösen lassen und zum Preis welcher Nebenwirkungen sie erkauft werden, lässt sich nicht vorhersagen. Wellstein hofft, schon bald mit klinischen Studien beginnen zu können, da es sich bei BP3 ja um einen natürlichen Bestandteil des Körpers handelt. Das muss allerdings nicht bedeuten, dass eine Behandlung auch sicher ist. Vermutlich werden die Arzneimittelbehörden zunächst weitere präklinische Studien verlangen. © rme/aerzteblatt.de

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K.Müller
am Mittwoch, 14. November 2018, 12:48

Wertschätzende Sprache statt Stigmatisierung

In Ihrem Artikel schreiben sie: " Zu Sport und einer radikalen Änderung ihrer Ernährung sind die wenigsten Betroffenen bereit..."

Mit einer solchen Formulierung stigamatisieren sie Menschen mit Adipositas in einer in unserer Gesellschaft üblichen Weise. Überspitzt gesagt sind adipöse Menschen einfach faul und haben nur nicht genügend Willen, um gesünder zu leben.

Diese Formulierung vernachlässigt den oftmals hohen Leidensdruck der Betroffenen, ihr häufig großes Wissen um gesunde Ernährung und ihre vielfach unzähligen Versuche, ihr Gewicht zu normalisieren.

Psychische und somatisch/genetische Faktoren sabotieren oft den Willen Abnehmen.

Wünschenswert wäre aus meiner Sicht (Heilpädagogin) folgende Formulierung:
"Den wenigsten Betroffenen gelingt eine dauerhafte radikale Umstellung ihrer Ernährung und ausreichend Sport..." nicht viel anders, wie Sie bemerken werden, und dennoch ein großer Unterschied.
LNS

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