NewsPolitikLinke fordert Ende der UPD-Privatisierung
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Politik

Linke fordert Ende der UPD-Privatisierung

Montag, 29. Oktober 2018

/dpa

Berlin – Die Bundesregierung hat viele Antworten der Linken im Bundestag auf eine Kleine Anfrage unbeantwortet gelassen. Sylvia Gabelmann, Sprecherin der Linksfraktion für Arzneimittelpolitik und Patientenrechte, fordert nun ein Ende der Privatisierung der Unabhängigen Patientenberatung Deutschland (UPD).

Gewinnorientierte Unternehmen, die vorwiegend für die Pharmaindustrie tätig seien, sollten nicht mit der Wahrnehmung einer Unabhängigen Patientenberatung beauftragt werden, sagte Gabelmann. Sie sprach sich „dringend“ für eine gesetzliche Regelung aus, die die UPD wieder an nicht-gewinnorientierte Patientenorganisationen und Sozialverbände vergibt.

Anzeige

Unzufrieden äußerte sie sich über die ausweichenden Antworten der Bundesregierung. „Ich finde es unerhört, dass die Bundesregierung viele meiner Fragen zur Sicher­stellung einer wirklichen Unabhängigkeit gar nicht beantwortet hat“, sagte sie. Die Bundesregierung spule zwar „gebetsmühlenhaft“ herunter, Unabhängigkeit und Neutralität würden doch durch eine externe Auditorin geprüft und vom Beirat begleitet. Dabei unterschlage sie aber, dass aus dem Beirat massive Kritik an der Arbeit der UPD komme und Teile des Beirats aus Protest gegen die Privatisierung zurückgetreten seien.

„Überhaupt nicht geht die Bundesregierung auf meine Vorhaltungen ein, dass namhafte Wissenschaftler eine Unabhängigkeit schon dort als nicht gegeben sehen, wo auch nur ein Risiko von Interessenskonflikten besteht – und nicht erst dann, wenn tatsächlich Einfluss auf das Handeln genommen wird“, so Gabelmann.

Der Linken-Politikerin zufolge braucht es im Fall der UPD keine Prüfung durch eine Auditorin, das sei für jeden Menschen „ganz klar“ zu sehen. „Mit Sanvartis und Careforce wird die Tochterfirma UPD von Mutterfirmen beherrscht, die für Kranken­kassen und Pharmakonzerne unterwegs sind und für die die Patientenberatung nur ein kleiner Nebenverdienst ist. Mit Unabhängigkeit und Neutralität hat das auch nichts zu tun. Das gehört so schnell es geht beendet“, fordert Gabelmann.

Sie betonte, dass es den „gewinnorientierten Mutterfirmen“ vorwiegend ums Geldverdienen und nicht um gute Beratung gehe, sehe man auch daran, dass sie von der – aus Versichertengeldern bezahlten – UPD „anscheinend Jahr für Jahr 1,8 Millionen Euro für Software und Datenbanken einstreichen“. Das sei „mehr als das Dreißigfache, was die alte UPD (getragen durch Sozialverbände und Patienten­organisationen) dafür gezahlt hat, und stellt etwa ein Fünftel des gesamten Etats dar“.

Dieses Geld fehle beim Umfang und der Qualität der Beratung, moniert Gabelmann. „Für die Bundesregierung stellt das aber kein Problem dar: Alles geprüft, im handelsüblichen Rahmen und darum nicht zu beanstanden.“ Sie betonte, der Vertrag mit den jetzigen UPD-Besitzern könne übrigens bei neuer Rechtslage auch vor Vertragsende 2023 auslaufen. Dann könne man „schneller eine wirklich Unabhängige Patientenberatung erhalten“. © may/aerzteblatt.de

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

LNS

Nachrichten zum Thema

16. November 2018
Berlin – Das Ärztlichen Zentrum für Qualität in der Medizin (ÄZQ) hat die Patienteninformationen zu den Themen Asthma, Herzschwäche, Melanom und Endometriose aktualisiert. Das haben ÄZQ und
Patienteninformationen zu Asthma, Herzschwäche, Melanom, Endometriose aktualisiert
15. November 2018
Berlin – Die Gesundheitskompetenz in Deutschland ist verbesserungsbedürftig. Das gilt vor allem für Versicherte und Patienten, aber auch für Ärzte, wie ein Symposium der Gesellschaft für
Digitalisierung: Wie lässt sich die Gesundheitskompetenz fördern?
15. November 2018
Düsseldorf – Falschnachrichten, Pseudowissen und unseriöse Forschung breiten sich immer mehr aus und gefährden die Patientensicherheit und die Versorgung. Davor hat die Arbeitsgemeinschaft der
Medizinische Fachgesellschaften warnen vor Patientengefährdung durch wissenschaftliche Fake News
5. November 2018
Osnabrück – In der Auseinandersetzung über die Neutralität der Unabhängigen Patientenberatung (UPD) hat der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) eine Neuordnung des Vergabeverfahrens gefordert. Im
Verbraucherzentrale bezweifelt Neutralität von Patientenberatung
22. Oktober 2018
Berlin – Die Transparenzdefizite bei den Finanzen der Unabhängigen Patientenberatung Deutschland (UPD) und die Vorwürfe, dass bei der Auftragsvergabe an die Sanvartis GmbH 2015 nicht alles
Unabhängige Patientenberatung: Bundesrechnungshof fordert Fördervereinbarung an
17. Oktober 2018
Berlin – Die Unabhängige Patientenberatung Deutschland (UPD) soll eigentlich Versicherten in Fragen rund um die gesetzliche Kran­ken­ver­siche­rung (GKV) und bei Problemen mit den Krankenkassen
Beratungs- und Transparenzdefizit bei Unabhängiger Patientenberatung
14. September 2018
Hamburg – Wenn sich Patienten vor ihrem Arztbesuch etwa im Internet über ihre Krankheitsbilder informieren, dann reagiert eine Mehrheit der Mediziner positiv darauf. Das ergab eine forsa-Umfrage für
LNS

Fachgebiet

Anzeige

Weitere...

Anzeige

Aktuelle Kommentare

Archiv

NEWSLETTER