NewsMedizinSpezifische Immuntherapie in Studie bei Weizenallergie (vorübergehend) wirksam
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Medizin

Spezifische Immuntherapie in Studie bei Weizenallergie (vorübergehend) wirksam

Mittwoch, 31. Oktober 2018

/psdesign1, stockadobecom

New York – Die spezifische Immuntherapie, die durch eine allmählich gesteigerte Dosis eines Allergens eine Toleranz des Immunsystems anstrebt, ist auch bei einer Weizenallergie sicher und effektiv. Die Desensibilisierung ging jedoch bei vielen Patienten nach dem Ende der Behandlung innerhalb kurzer Zeit wieder verloren, wie die im Journal of Allergy & Clinical Immunology (2018; doi: 10.1016/j.jaci.2018.08.041) publizierten Ergebnisse zeigen.

Weizenmehl ist ein zunehmend häufiger beobachteter Auslöser von Lebensmittel­allergien. Die Patienten, bei denen der Verzehr von Weizenmehl im schlimmsten Fall eine anaphylaktische Reaktion auslöst, müssen bisher auf das Grundnahrungsmittel verzichten. Ein Team um Anna Nowak-Węgrzyn von Mount Sinai Health System in New York hat in einer randomisierten Studie die Wirksamkeit einer spezifischen Immuntherapie untersucht, die sich bei anderen allergischen Erkrankungen – vom Heuschnupfen bis zur Bienengiftallergie – als wirksam erwiesen hat.

Anzeige

An der Studie nahmen 46 Patienten im Alter von median 8,7 Jahren teil, bei denen die Weizenallergie durch eine doppelblinde placebokontrollierte orale Nahrungsmittel­provokation (DBPCFC) bestätigt wurde. Alle Teilnehmer hatten zusätzlich einen positiven Pricktest oder den Nachweis von gliadinspezifischen IgE-Antikörpern im Blut.

Die Hälfte der Teilnehmer erhielt für ein Jahr eine spezifische Immuntherapie, bei der sie bis zu 1.445 mg Weizenprotein oral aufnahmen. Die andere Hälfte der Teilnehmer erhielt ein weizenmehlfreies Placebo.

Wie Nowak-Węgrzyn berichtet, konnten nach dem ersten Jahr 12 von 23 Teilnehmern (52,2 %) 4.443 mg Weizenmehl aufnehmen, ohne dass es zu Symptomen kam. In der Placebogruppe war dies bei keinem einzigen von 23 Patienten der Fall.

Nach dem ersten Jahr wurde allen Teilnehmern der Placebogruppe eine hochdosierte spezifische Immuntherapie angeboten, bei der die Dosis innerhalb des 2. Studienjahres auf bis zu 2.748 mg Weizenprotein gesteigert wurde. Die andere Gruppe setzte die im ersten Jahr begonnene spezifische Immuntherapie fort.

Nach dem zweiten Jahr tolerierten 7 von 23 Patienten (30,4 %), die die spezifische Immuntherapie bereits im ersten Jahr begonnen hatten, 7.443 mg Weizenprotein. In der zweiten Gruppe, die die hochdosierte spezifische Immuntherapie begonnen hatte, erreichten 12 von 21 Patienten (57,1 %) dieses Ziel. Die hochdosierte spezifische Immuntherapie könnte deshalb effektiver sein als die niedrigdosierte Immuntherapie, meint Nowak-Węgrzyn. Die Unterschiede waren jedoch nicht signifikant.

Unklar ist, wie lang die Wirksamkeit der spezifischen Immuntherapie anhält. Die 23 Teilnehmer der niedrigdosierten spezifischen Immuntherapie beendeten nach dem zweiten Jahr die Therapie. 2 Monate später waren nur noch 3 von 23 Teilnehmern in der Lage, 7.443 mg Weizenprotein zu sich zu nehmen. Der Anteil der Teilnehmer mit einer anhaltenden Desensibilisierung betrug damit nur 13 %. Ob sie lebenslang von ihrer Weizenallergie befreit sind, lässt sich noch nicht abschätzen.

Die Behandlung selbst wurde von den meisten Patienten gut vertragen. Nach der Gabe von 21.044 Dosierungen kam es bei 11,2 % zu Nebenwirkungen. Diese beschränkten sich in den meisten Fällen auf Juckreiz am Hals, Magenschmerzen oder Übelkeit. Die Häufigkeit von schwerwiegenden Komplikationen gibt Nowak-Węgrzyn mit 0,02 % an. Nach 0,05 % der Expositionen injizierten sich die Patienten Adrenalin. © rme/aerzteblatt.de

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

LNS

Nachrichten zum Thema

14. Januar 2019
New York – Patienten mit metastasierenden Tumorleiden profitieren nicht alle gleichermaßen von einer Krebstherapie mit Checkpoint-Inhibitoren (ICI). Ausschlaggebend für das klinische Ansprechen auf
Immuntherapie: Mutationslast sagt Therapieerfolg voraus
7. Januar 2019
München – Das elektronische Polleninformationsnetzwerk (ePIN) in Bayern steht kurz vor dem Start. Es soll aktuelle und genaue Echtzeitdaten zum Pollenflug in Bayern bereitstellen. „Ab dem Frühjahr
Elektronisches Polleninformationsnetzwerk in Bayern kurz vor dem Start
3. Dezember 2018
Philadelphia und Portland/Oregon – Die CAR-T-Zell-Therapie, die körpereigene Abwehrzellen des Patienten mit gentechnischen Methoden für die Krebsabwehr mobilisiert, kann bei Patienten mit
CAR-T-Zell-Therapie: Langfristige Remissionen bei Leukämien und Non-Hodgkin-Lymphom
30. November 2018
Freiburg – Ein neues Clinician-Scientist-Programm am Universitätsklinikum Freiburg soll anspruchsvolle Projekte der Immunforschung mit der klinischen Ausbildung kombinieren. „IMM-PACT: Aufdecken
Clinician-Scientist-Programm verbindet Versorgung und immunologische Forschung
20. November 2018
Brisbane/Kalifornien – Eine orale Immuntherapie kann Kinder und Jugendliche mit Erdnussallergie vor schweren Reaktionen nach einer versehentlichen Exposition schützen. Dies zeigen die Ergebnisse einer
Erdnuss-Allergie: Orale Immuntherapie schützt bei versehentlicher Exposition
16. November 2018
Seattle – Babys, deren Eltern den Schnuller zum Saubermachen selbst in den Mund nahmen, könnten einen gesundheitlichen Vorteil haben. In der Henry-Ford-Health-System-Studie zeigten diese Kinder einen
Allergien: Art der Schnullerreinigung beeinflusst IgE-Werte
14. November 2018
München – Moderne, aber auch ursprüngliche Weizenarten wie Einkorn, Emmer und Dinkel enthalten natürlicherweise eine Gruppe von Proteinen: Alpha-Amylase-Trypsin-Inhibitoren (ATI). Sie stehen unter im
LNS LNS

Fachgebiet

Anzeige

Weitere...

Aktuelle Kommentare

Archiv

Anzeige
NEWSLETTER