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Rehabilitation: Nachsorge per App

Mittwoch, 31. Oktober 2018

/imagecore, stockadobecom

Berlin – Digitalisierung ist als „Megatrend“ auch in der Rehabilitation angekommen. Davon zeugen viele digitale Angebote und Aktivitäten, die derzeit für die Phasen vor, während und nach einer medizinischen Rehabilitation entwickelt werden oder die bereits marktreif sind. Das wurde beim 17. Rehaforum der Deutschen Rentenversicherung (DRV) Bund gestern in Berlin deutlich. Susanne Weinbrenner, Leitende Ärztin und Geschäftsbereichsleiterin beim DRV Bund, präsentierte dafür zahlreiche Beispiele (siehe Kasten).

„Die Rentenversicherung unterstützt auf jeden Fall die Entwicklung von digitalen Angeboten, aber auch die Etablierung von Zugangs- und Zulassungskriterien“, erklärte Weinbrenner. So müssten die digitalen Angebote ein positives Nutzen-Schaden-Verhältnis aufweisen. Ein angemessener und sorgfältiger Umgang mit den Daten müsse sichergestellt werden. Auch sei es wichtig, die Menschen mitzunehmen und darauf zu achten, dass die Teilhabe gewährleistet sei.

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Beispiele für digitale Angebote in der Rehabilitation

  • Projekt OREST: webbasierter, interaktiver Selbsttest zur Überprüfung eines Präventions- oder Rehabedarfs.
  • Patientengerechte multimediale Informationsangebote der Uniklinik Mainz zur Vorbereitung auf eine stationäre psychosomatische Rehabilitation.
  • Projekt „ReMove-It“: telemedizinisch gestützte Bewegungstherapie für Orthopädiepatienten, entwickelt von Rehakliniken, unter anderem mit Fraunhofer FOKUS. Dabei setzen die Patienten nach der stationären Rehabilitation ihr Trainingsprogramm zu Hause fort. Eine Kamera zeichnet die Übungen auf, das System analysiert, ob sie korrekt durchgeführt werden. Die Patienten erhalten Feedback per Computerbildschirm und durch ihren Therapeuten. Das Programm soll ab 2019 als Medizinprodukt verfügbar sein.
  • GSA-Online plus: internetbasiertes Nachsorgeprogramm zum Umgang mit Stress am Arbeitsplatz. Zentrale Komponenten sind das regelmäßige Verfassen von Tagebucheinträgen durch die Teilnehmer und eine zeitnahe Rückmeldung des Onlinetherapeuten.

Die Interventionen müssten sich auf die digitalen Medien einstellen, so die Expertin. Allerdings hänge auch ein Teil der Belastung in der Arbeitswelt mit den Medien zusammen, wie das Beispiel der Internetsucht als eigenständiges Krank­heitsbild sichtbar mache.

„Wir wollen die Digitalisierung als Therapieoption verantwortlich nutzen. Um das bestmöglich zu machen, müssen wir sowohl die Rehabilitanden in der Nutzung der Technologien schulen als auch die Rehateams weiterbilden“, erklärte Weinbrenner.

Angebote in der Nachsorge

„Digitale Angebote haben vor allem auch in der Nachsorge ein großes Potenzial“, betonte sie. Dadurch, dass die Nutzer zu einem selbst gewählten Zeitpunkt und in seiner selbst gewäh­l­ten Umgebung die Angebote nutzen können, werde eine höhere Nutzer­freundlichkeit erreicht.

So lasse sich zudem sicherstellen, dass die Leistungen in einem größeren Ausmaß individualisiert genutzt werden könnten. Vor diesem Hintergrund fördert die DRV den Ausbau einer internet­gestützten Nachsorgedatenbank, die Reha­absolventen bei der Suche nach wohnortnahen Nachsorgeangeboten unterstützen soll.

Menschen, die wegen einer Depression eine Rehabilitation abgeschlossen haben, bietet die DRV zudem ein telemedizinisches Nachsorgeangebot mittels Smartphone-App und persönlichem Telefoncoaching. Seit Juli 2017 wird die App DE-RENA im Rehazentrum Bad Salzuflen, einem von 22 Rehazentren der DRV Bund, eingesetzt.

Die ersten Erfahrungen sind vielversprechend. „Die zum Ende der Rehabilitation bereits reduzierte Depressivität war im Nachsorgezeitraum weiter rückläufig, die Fähigkeit zur Selbststeuerung nahm signifikant zu“, berichtete Dieter Olbrich, Ärztlicher Direktor des Reha-Zentrums. „DE-RENA hilft den Patienten, ihre persönlichen Lebensbereiche in ein ausgeglichenes Verhältnis zu bringen“, erläuterte er.

Die Fähigkeit zur Selbstregulation werde gestärkt. Mit der App können die Patienten ihre in der Rehabilitation erarbeiteten Grundsätze im Alltag umsetzen. Ein Psycho­therapeut der Klinik begleitet sie ein halbes Jahr telefonisch als persönlicher Nachsorgecoach.

Verfügbarkeit als Herausforderung

Neben den Chancen, die digitale Angebote in der Rehabilitation bieten, gibt es auch einige Herausforderungen So sei es problematisch, dass solche Angebote in strukturschwachen Regionen häufig nicht gut zur Verfügung gestellt werden könnten, weil die technischen Voraussetzungen dafür fehlten, meinte Weinbrenner mit Blick auf den schleppenden Breitbandausbau. Eine weitere Herausforderung stellen ihr zufolge auch die langen und aufwendigen Produktentwicklungszyklen dar, denen – mit Blick auf das umfangreiche App-Angebot – häufig nur ein kurzer Lebenszyklus gegenübersteht.

Darüber hinaus dürfe das Gefahrenpotenzial digitaler Angebote nicht vernachlässigt werden, hob Weinbrenner hervor. Vor diesem Hintergrund hat eine Projektgruppe der Deutschen Rentenversicherung ein Rahmenpapier „Anforderungen an Tele-Reha-Nachsorge“ erarbeitet. Zu den Kriterien, die danach für digitale Rehaangebote eingefordert werden, zählen beispielsweise ein Wirksamkeitsnachweis, die Begleitung durch Therapeuten, eine ausreichende Marktreife, Barrierefreiheit sowie die Gewährleistung von Datenschutz und Datensicherheit.  

Infoportal zur Anschlussheilbehandlung

Ein weiteres Projekt der DRV ist das webbasierte Infoportal zur Anschlussheil­behandlung, das im ersten Quartal 2019 freigeschaltet werden soll. Es informiert über die Anschlussheilbehandlung als spezielle Art der medizinischen Rehabilitation in unmittelbarem Anschluss an die stationäre Behandlung und enthält als Herzstück eine interaktive Einrichtungssuche sowie Erläuterungen zu Indikationen und Antrags­verfahren. Geplant ist unter anderem eine wöchentliche Aktualisierungsfrequenz der Einrichtungsbeschreibungen. Der Nutzer wird das Angebot sowohl online auf verschiedenen Endgeräten als auch offline als E-Book abrufen können.

Förderung der Partizipation

Wie weit einige Rehaeinrichtungen bereits in der digitalen Kommunikation mit ihren Patienten fortgeschritten sind, verdeutlichte Petra Becker, geschäftsführende Gesellschafterin der Dr.-Becker-Klinikgruppe. Ihr zufolge kann die Digitalisierung nicht nur die interdisziplinäre Kommunikation im Behandlerteam unterstützen, sondern auch die Partizipation der Rehabilitanden. Um die Einbindung des Rehabilitanden am Rehaprozess zu verbessern, hat die Klinikgruppe eine Kommunikationsplattform entwickelt, mit der verschiedene Phasen der Reha – vor, während und nach – abgebildet werden können.

Schon mit dem Einladungsschreiben erhalten die Patienten einen Code für einen geschützten Onlinebereich, in dem viele Fragen individuell beantwortet werden können. Dort können die Nutzer Schulungen durchlaufen, Videos zur Klinik und Umgebung abrufen und auch ihren Anamnesebogen bereits vor dem stationären Aufenthalt online ausfüllen. Davon machen 70 bis 80 Prozent der Patienten Gebrauch, berichtete Becker. Auch nach der Reha sind dort Handouts, Schulungsunterlagen und Informationen für den Patienten verfügbar, sodass sich der Patient das Gelernte nochmals vergegenwärtigen kann. © KBr/aerzteblatt.de

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