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Politik

Schlechte Qualität in Krankenhäusern mit wenigen Fällen

Mittwoch, 31. Oktober 2018

/babsi_w, stockadobecom

Berlin – Der unparteiische Vorsitzende des Gemeinsamen Bundes­aus­schusses (G-BA), Josef Hecken, hat diejenigen Bundesländer kritisiert, die die vom G-BA festgelegten planungsrelevanten Qualitätsindikatoren nicht für ihre Krankenhausplanung verwen­den wollen.

Das Ziel der Strukturbereinigung im stationären Bereich anhand von Qualitäts­merkmalen sei nicht zu erreichen, wenn die Bundesländer entscheiden könnten, auch Krankenhäuser, in denen schlechte Qualität erbracht werde, im Krankenhausplan zu belassen, sagte Hecken gestern auf dem 8. Öffentlichen Anwendertreffen der Initiative Qualitätsmedizin in Berlin. Solange die Schließung von Krankenhäusern Sache der Länder sei, werde beim Abbau der Überkapazitäten nichts passieren.

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Im Krankenhaus-Strukturgesetz wurde 2016 der G-BA damit beauftragt, planungs­relevante Qualitätsindikatoren festzulegen. Ziel war es, die Planungsbehörden der Bundesländer in die Lage zu versetzen, bei der Krankenhaus­planung die Qualität der medizinischen Versorgung zu berücksichtigen. Diese Regelung ging auf einen Wunsch der Bundesländer zurück. Ausgewählt wurden elf Indikatoren aus den Bereichen Geburtshilfe, gynäkologische Operationen und Mammachirurgie. So soll zum Beispiel in der Geburtshilfe in 90 Prozent der Fälle oder mehr ein Pädiater bei Frühgeburten anwesend sein.

73 Krankenhäuser erbringen unzureichende Qualität

Heute hat der G-BA die Ergebnisse einer Auswertung veröffentlicht, die das Institut für Qualitätssicherung und Transparenz im Gesundheitswesen (IQTIG) anhand der Daten von 1.084 Krankenhausstandorten erhoben hat. Demnach wurde an 73 Standorten eine unzureichende Qualität, gemessen an den elf Indikatoren, erbracht. Auffällig sei, dass die Qualität in vielen Krankenhäusern unzureichend war, in denen überhaupt nur wenige der bewerteten Leistungen erbracht wurden, erklärte Hecken.

Die Vorgaben in dem Indikator „Anwesenheit eines Pädiaters bei Frühgeburten“ konnte beispielsweise von neun Krankenhäusern nicht eingehalten halten. In vier dieser Krankenhäuser fand im Erfassungsjahr 2017 nur eine einzige Frühgeburt statt. Ein Pädiater war jeweils nicht anwesend. In zwei weiteren der Häuser fanden zwei Frühgeburten im Jahr 2017 statt. In keinem der beiden Fälle war ein Pädiater anwesend. In einem Krankenhaus war ein Pädiater bei einer von drei Frühgeburten, in einem weiteren bei einer von vier Frühgeburten anwesend. In dem neunten Krankenhaus gab es 18 Frühgeburten. Bei zwölf von ihnen war ein Pädiater anwesend. 

Hecken kritisiert die Bundesländer

Die ausgesuchten Qualitätsindikatoren seien keine Vorgaben mit Maximalversorgungs­charakter gewesen, betonte Hecken. Es handle sich dabei um Vorgaben, die in jeder Leitlinie abgebildet seien. „Der Gedanke des Gesetzgebers war richtig, anhand von Qualitätsindikatoren die Krankenhausplanung zu steuern“, sagte Hecken. „Aber was machen die Bundesländer?“ Viele hätten durch Landesrecht die Geltung der Qualitäts­indikatoren ausgeschlossen.

„Die Länder, die diese Indikatoren nicht verwenden, müssen sich fragen: Können wir die Verantwortung übernehmen, diese Daten zur Kenntnis zu nehmen, ohne Konsequenzen in der Krankenhausplanung daraus zu ziehen?“, betonte Hecken. Der G-BA werde die Daten in jedem Fall einmal pro Jahr veröffentlichen, damit jeder einsehen könne, in welchen Krankenhäusern eine unzureichende Qualität erbracht worden sei.

Bislang haben sich die Länder Bayern, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen, Hessen und Baden-Württemberg dafür entschieden, von den Qualitätsindikatoren des G-BA abweichen zu können. In Thüringen ist ein entsprechendes Opt-out geplant. © fos/aerzteblatt.de

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Avatar #651910
thyriris
am Montag, 5. November 2018, 21:09

Gerade in der Geburtshilfe...

... ist es bei einer unerwarteten Frühgeburt aber vielleicht wichtiger, dass ÜBERHAUPT eine schnelle, wohnortnahe Versorgung gegeben ist. Was nützt es den Eltern, wenn zwar ein Pädiater vorhanden, die Geburtsstation aber 2 Fahrstunden entfernt ist und nicht rechtzeitig erreicht werden kann? Besser unter Hebammenbetreuung und Anwesenheit von erstversorgenden Ärzten gebären als am Straßenrand. Oder im Rettungswagen. Die Bayern machen das schon ganz richtig!
LNS

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