NewsAuslandFrankreich untersucht Fälle von Neugeborenen mit Fehlbildungen
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Ausland

Frankreich untersucht Fälle von Neugeborenen mit Fehlbildungen

Mittwoch, 31. Oktober 2018

Paris – Frankreichs Gesundheitsbehörden untersuchen nach eigenen Angaben, warum in einigen Regionen des Landes ungewöhnlich viele Babys ohne Hände, Unterarme oder Arme geboren werden. Das Ergebnis der landesweiten Untersuchung werde in rund drei Monaten veröffentlicht, sagte der Chef des Öffentlichen Gesundheitsdienstes, François Bourdillon, heute im Radiosender RTL.

Die Zahl der bisher bekannt gewordenen Fälle von Babys mit derartigen Geburts­defekten ist niedrig. In den vergangenen 15 Jahren wurden 25 Fälle in der Bretagne sowie in den Départements Loire-Atlantique und Ain bekannt, wie aus einem Anfang Oktober von der Gesundheitsbehörde veröffentlichten Bericht hervorging. Dennoch lösten sie eine öffentliche Diskussion aus, da sie stets in begrenzten Gebieten vorkamen.

Als Bourdillons Behörde heute von elf weiteren Fällen in Ain berichtete, wuchs das Misstrauen. Medien und Experten stellten Fragen zum wahren Ausmaß des Phänomens. Ge­sund­heits­mi­nis­terin Agnès Buzyn versprach nun eine umfassende Untersuchung. „Wir werden keine Spur auslassen“, sagte sie dem Fernsehsender BFMTV. „Vielleicht hängt es mit der Umwelt zusammen, vielleicht mit etwas, das die Mütter während ihrer Schwangerschaft gegessen oder eingeatmet haben“.

Anzeige

Alle entsprechenden Tests verliefen bisher allerdings ergebnislos. Einige Umweltschützer vermuten Pestizide als mögliche Ursache, da die Fälle stets in ländlichen Gebieten auftauchen. Andere sprechen von möglichen Gendefekten. Bisher gibt es aber auch dafür keine Belege. „Wir können es nicht einfach damit belassen zu sagen, dass wir keine Ursachen gefunden haben“, sagte nun Ministerin Buzyn.

In den 1950er- und 1960er-Jahren waren bis zu 12.000 Babys weltweit mit schweren Fehlbildungen zur Welt gekommen, deren Mütter während der Schwangerschaft ein Schlafmittel mit dem Wirkstoff Thalimodid – bekannt unter den Markennamen Contergan und Softenon – eingenommen hatten.

Als Konsequenz aus dem Skandal wurde in Frankreich ein Register für die Erfassung von Geburtsdefekten (Remera) gegründet. Es war eine der Mitarbeiterinnen des Registers, Emmanuelle Amar, die nun auf die auffällige Häufung der Fehlbildungen in bestimmten Regionen aufmerksam gemacht hatte. Von Umweltaktivisten wird sie dafür gefeiert, andere aber, darunter Wissenschaftskollegen, werfen ihr Panikmache vor. © afp/aerzteblatt.de

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Avatar #106067
dr.med.thomas.g.schaetzler
am Donnerstag, 1. November 2018, 23:51

Vive la Différence!

Agnès Buzyn (* 1. November 1962 in Paris) ist eine französische Ärztin, Hämatologin, Politikerin und seit dem 15. Mai 2017 Ge­sund­heits­mi­nis­terin im Kabinett Édouard Philippe, Premierminister von Frankreich unter Emmanuel Macron, "Président de la République française".
Zuvor war sie seit 2011 Präsidentin des nationalen französischen Krebsforschungszentrums "Institut national du cancer" und seit 2016 Leiterin der obersten Gesundheitsbehörde "Haute Autorité de santé". Sie entstammt einer jüdischen Familie.
Bearbeitet nach WIKIPEDIA https://de.m.wikipedia.org/wiki/Agnès_Buzyn

Bewundernswert ist ihre Entschlossenheit, mit der sie neben vielen anderen Aufgaben ein aktuelles Problem medizinisch sachlich und fachlich fundiert aufgreift und untersuchen lässt.

Frankreich steht damit in krassem Gegensatz zu Deutschland, wo seit Generationen immer gesichts- und farblosere Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter/-innen amtieren, welche meinen, ihre Medizin-Bildungsferne zunehmend öffentlich zur Schau stellen müssen.

Das macht den Unterschied und musste einmal gesagt werden!

Mf + kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund
LNS

Nachrichten zum Thema

18. März 2019
Berlin – An vermeidbaren Ursachen wie Mangelernährung und fehlender Gesundheitsversorgung könnten einem Medienbericht zufolge bis zum Jahr 2030 etwa 56 Millionen Kinder sterben. Das berichtete die
Millionen Kinder könnten bis 2030 an vermeidbaren Ursachen sterben
12. März 2019
Göteborg – Infektionen der Mutter während der Schwangerschaft erhöhen möglicherweise das Risiko des Kindes, im späteren Leben an einer Autismus-Spektrum-Störung oder an Major-Depressionen mit erhöhter
Infektionen in der Schwangerschaft fördern Autismus und Depressionen
12. März 2019
Darmstadt – In Hessen ist laut einer Untersuchung der DAK-Gesundheit zufolge mehr als jedes vierte Kind chronisch krank. Am stärksten verbreitet seien demnach Asthma und Neurodermitis gefolgt von
Jedes vierte Kind in Hessen ist chronisch krank
7. März 2019
Düsseldorf/Hannover – Mehr als jedes vierte untersuchte Kind in Niedersachsen leidet an einer Erkrankung, die chronisch verlaufen kann. Rund 29 Prozent leiden etwa an Asthma, Neurodermitis und
Mehr als jedes vierte Kind in Niedersachsen ist chronisch krank
4. März 2019
Boston – Jedes Jahr könnten weltweit rund 400.000 Kinder neu an Krebs erkranken und nicht wie bislang angenommen rund 200.000. Das berichten Wissenschaftler des Centers for Health Decision Science der
Weltweit wahrscheinlich fast doppelt so viele Krebsneuerkrankungen bei Kindern pro Jahr wie angenommen
26. Februar 2019
Kiel – Die Kinder in Schleswig-Holstein sind einer Studie zufolge gesünder als im Bundesdurchschnitt. So gebe es 20 Prozent weniger Kinder mit einem Aufmerksamkeits-Defizit-Syndrom (ADHS), 16 Prozent
Kinder in Schleswig-Holstein sind gesünder als im Bundesdurchschnitt
19. Februar 2019
Sacramento/Kalifornien – Die wenigsten Säuglinge, die in den ersten Lebenswochen mit hohem Fieber in einer Notfallambulanz vorgestellt werden, haben eine schwere bakterielle Infektion, es könnte aber
LNS

Fachgebiet

Anzeige

Weitere...

Aktuelle Kommentare

Archiv

Anzeige
NEWSLETTER