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Medizin

Checkpoint-Inhibitor macht Makrophagen Appetit auf Non-Hodgkin-Lymphom

Freitag, 2. November 2018

/Sebastian Kaulitzki, stockadobecom

Palo Alto/Kalifornien – US-Forscher haben einen Checkpoint-Inhibitor für Makro­phagen entwickelt, der sich für die Behandlung des Non-Hodgkin-Lymphoms eignen könnte. Die Ergebnisse einer ersten klinischen Studie im New England Journal of Medicine (2018; 379: 1711-1721) sind vielversprechend.

Krebszellen müssen sich nicht nur gegen T-Zellen wehren, wenn sie überleben wollen. Viel riskanter könnte für sie ein Angriff von Makrophagen sein, die als Fresszellen zu einer Vorhut des Immunsystems gehören. Gesunde Körperzellen tragen auf ihrer Oberfläche das Merkmal CD47, um den Makrophagen zu signalisieren, dass sie nicht „gefressen“ werden wollen. CD47 wird deshalb auch als „Don’t eat me“ bezeichnet. Ein Verlust von CD47 auf der Oberfläche führt beispielsweise dazu, dass alte Erythrozyten in der Milz von Makrophagen eliminiert werden.

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Es überrascht deshalb nicht, dass auch Krebszellen das Merkmal CD47 auf ihrer Oberfläche tragen, um einer Vernichtung zu entgehen. Ein Team um Irving Weissman von der Stanford Universität in Palo Alto hat einen Antikörper entwickelt, der an CD47 bindet und als Checkpoint-Inhibitor die Vernichtung der Krebszelle einleiten soll.

Nach dem erfolgreichen Abschluss der tierexperimentellen Studien wurde der Antikörper Hu5F9-G4 oder kurz 5F9 an 22 Patienten mit Non-Hodgkin-Lymphom getestet. Darunter waren 15 Patienten mit diffusem großzelligem B-Zell-Lymphom (DLBCL) und 7 Patienten mit follikulärem Lymphom.

Alle 22 Patienten waren nach durchschnittlich 4 vorherigen Behandlungen „austhera­piert“. Auch der CD20 Antikörper Rituximab, der zu den stärksten Wirkstoffen beim Non-Hodgkin-Lymphom zählt, konnte eine Vermehrung der Krebszellen nicht mehr aufhalten. Die durchschnittliche Lebenserwartung beträgt in diesem Stadium nur wenige Monate.

Die Patienten wurden an 10 Zentren in den USA mit einer Kombination aus Rituximab und 5F9 behandelt. Schwerpunkt der Phase-1b-Studie war die Sicherheit der Therapie. 

Die Verträglichkeit von 5F9 war erstaunlich gut. Anders als bei den Checkpoint-Inhibitoren wie Ipilimumab oder Nivolumab ist es bisher nicht zu schweren immunvermittelten Nebenwirkungen gekommen. 

Unerwünschte Ereignisse waren vorwiegend vom Grad 1 oder 2 und damit relativ milde. Am häufigsten waren eine Anämie (wegen des beschleunigten Abbaus der Erythrozyten) und infusionsbedingte Reaktionen. 

Ein erster Blick auf die Wirksamkeit zeigt, dass 5F9 ähnlich wie andere Checkpoint-Inhibitoren langfristige Remissionen ermöglicht (ohne dass sich bisher vorhersagen ließe, welche Patienten von der Behandlung profitieren). 6 der 15 Patienten mit DLBCL erzielten eine Remission, die bei 5 Patienten komplett war. Von den 7 Patienten mit einem follikulären Lymphom erreichten 5 eine Remission, die bei 3 Patienten komplett war. 10 der 11 Patienten waren noch bei Erstellung des Manuskripts nach 6,2 Monaten (beim DLBCL) beziehungsweise nach 8,1 Monaten (follikuläres Lymphom) in Remission. 

Obwohl die Studie keine Vergleichsgruppe hatte, sind dies für ein „austherapiertes“ Non-Hodgkin-Lymphom gute Ergebnisse. Die Aussichten auf einen günstigen Ausgang der laufenden Studien sind gut. 5F9 wird derzeit in 6 klinischen Studien bei Patienten mit soliden Tumoren, akuter myeloischer Leukämie, Non-Hodgkin-Lymphom, Ovarialkarzinom und kolorektalem Karzinom untersucht. © rme/aerzteblatt.de

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