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Schwangerschafts- und Geburtsrisiken bei älteren Vätern erhöht?

Freitag, 2. November 2018

/thodonal, stockadobecom

Palo Alto – Kann sich ein hohes Alter des Vaters ungünstig auf Schwangerschaft und Geburt auszuwirken? Laut einer Kohortenstudie im Britischen Ärzteblatt (BMJ 2018; 363: k4372) kommt es häufiger zu Frühgeburt, Mangelgeburt oder einem niedrigen Apgar-Score, wenn der Vater älter als 45 Jahre ist – und die Mütter leiden häufiger unter einem Gestationsdiabetes.

In den meisten reicheren Ländern steigt das Alter der Väter bei der Geburt ihrer Kinder. In den USA sind bereits 10 % aller neuen Väter über 40 Jahre alt, vor 4 Jahrzehnten waren es nur 4 %. Lange Zeit wurde ein hohes Alter des Vaters nicht als ein biolo­gisches Problem betrachtet, schließlich bleiben Männer anders als Frauen bis ins hohe Alter zeugungsfähig.

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Inzwischen steht fest, dass die Qualität der Spermien abnimmt. Die Zahl der Muta­tionen in den Keimzellen steigt und es kommt zu epigenetischen Veränderungen, was Auswirkungen auf die Kinder haben könnte. Diskutiert werden unter anderem ein Anstieg von Autismus, genetische Anomalien, psychiatrische Erkrankungen und sogar ein erhöhtes Krebsrisiko. Eine Beweisführung ist jedoch schwierig, da die Daten unterschiedlicher Register miteinander abgeglichen werden müssten.

Anders ist dies bei Schwangerschaftskomplikationen und Geburtsrisiken. Diese werden in vielen Ländern in die Geburtsbescheinigungen eingetragen, wie auch das Alter der Eltern. Ein Team um Michael Eisenberg von der Stanford Universität in Palo Alto hat die Daten sämtlicher 40,5 Millionen Geburtsbescheinigungen ausgewertet, die zwischen 2007 und 2016 in den USA nach der Geburt eines lebenden Kindes ausgestellt wurden.

Tatsächlich ließen sich einzelne Assoziationen nachweisen, der Einfluss war allerdings gering. Die Kinder von über 45 Jahre alten Vätern wurden im Durchschnitt 0,12 Wochen früher geboren als die Kinder jüngerer Väter. Das Risiko auf eine Frühgeburt war um 14 % erhöht. Die Kinder der älteren Väter waren im Durchschnitt um 20,2 Gramm leichter und das Risiko auf ein zu niedriges Geburtsgewicht war um 14 % erhöht. Die Kinder hatten zu 4 % häufiger einen niedrigen Apgar-Score, sie wurden zu 14 % häufiger auf eine neonatale Intensivstation überwiesen und es wurden zu 18 % häufiger Krampf­anfälle nach der Geburt festgestellt. Die Mütter litten während der Schwangerschaft zu 28 % häufiger unter einem Gestationsdiabetes.

Ob der Assoziation eine Kausalität zugrunde liegt, darf nach Ansicht der Editorialistin Hilary Brown von der Universität Toronto bezweifelt werden. Dass die Spermienqualität über den Embryo den Blutzucker der Mutter erhöht, erscheint weit hergeholt. Für Brown ist es aber nachvollziehbar, dass ein hohes Alter des Vaters zu einem Problem für die Schwangerschaft werden kann.

Frühere Studien hätten gezeigt, dass ältere Väter häufiger einen ungesunden Lebensstil mit Rauchen und häufigem Alkoholkonsum pflegen. Sie sind häufiger fettleibig und aufgrund ihres Alters öfter chronisch krank. Auch psychische Erkrankungen des Vaters könnten sich ungünstig auf die Schwangerschaft auswirken. 

Trotz der geringen relativen Risiken könnte das höhere Alter der Väter beträchtliche Auswirkungen auf die öffentliche Gesundheit haben. Nach den Berechnungen von Eisenberg gäbe es in den USA 13,2 % weniger Frühgeborene, 14,5 % weniger Kinder mit niedrigem Geburtsgewicht, 15,1 % weniger Aufnahmen auf Intensivstationen für Neugeborene und 18,2 % weniger Fälle von Gestationsdiabetes, wenn alle Väter bei der Geburt ihrer Kinder jünger als 45 Jahre alt wären. © rme/aerzteblatt.de

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Avatar #106067
dr.med.thomas.g.schaetzler
am Samstag, 3. November 2018, 21:04

"Schwangerschafts- und Geburtsrisiken bei älteren Vätern erhöht?"

Und ich dachte immer Schwangerschafts- und Geburtsrisiken würden mehrheitlich eher von Frauen und deren Kindern getragen.
Richtig müsste es heißen:
"Schwangerschafts- und Geburtsrisiken der Frauen und Kinder bei älteren Vätern erhöht?"

Mf + kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund
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