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Medizin

Echinokokkose in Europa weit verbreitet

Freitag, 2. November 2018

Hundebandwurm (Echinococcus granulosus) /dpa

Stockholm – Eine Echinokokkose, die durch Infektionen mit dem Fuchsbandwurm (alveoläre Form) oder dem Hundebandwurm (zystische Form) ausgelöst wird, ist vor allem auf dem Balkan, aber auch in Süddeutschland und Zentraleuropa verbreitet. In Europa sind im Jahr 2016 insgesamt 775 Neuerkrankungen bekannt geworden. Die tatsächliche Zahl dürfte nach Einschätzung des Europäischen Zentrums für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten (ECDC) weitaus höher sein.

Die größte Anzahl von Erkrankungen wurde aus Bulgarien gemeldet (35 % aller Fälle), gefolgt von Deutschland (17 %) und Spanien (11 %). Vor allem in den Balkanländern dürften viele Erkrankungen nicht erfasst werden. Ein Ultraschall­screening in 50 Dörfern ergab kürzlich, dass in Bulgarien 31 von 8.602 Dorfbewohnern Echinokokken-Zysten in Bauchorganen aufwiesen, was eine altersadjustierte Prävalenz von 0,41 % ergibt. In Rumänien waren 35 von 7.461 Bewohnern (Prävalenz: 0,41 %) und in der Türkei sogar 53 von 8.618 Bewohnern (Prävalenz: 0,59 %) infiziert (Lancet Infectious Diseases 2018; 18: 769-778). Aus Rumänien wurden 2016 jedoch nur 13 Fälle gemeldet. Das ECDC geht davon aus, dass nur ein Bruchteil der Erkrankungen diagnostiziert wird. Lückenhaft sind die Zahlen auch deshalb, weil Großbritannien und Italien 2016 keine Meldungen abgegeben haben.

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Neben den Balkanländern ist die Echinokokkose auch in Zentraleuropa weit verbreitet. Die höchste Melderate bezogen auf die Bevölkerung hatten nach Bulgarien (3,76 auf 100.000 Einwohner), Litauen (0,90/100.000) und Lettland (0,56/100.000). Im benachbarten Polen waren es 0,17 Meldungen auf 100.000 Einwohner. In Deutschland liegt die Prävalenz bei 0,13 auf 100.000 Einwohner, in Österreich bei 0,30 auf 100.000 Einwohner.

Die meisten Erkrankungen treten im höheren Alter auf. Bei Männern liegt das Diagnosealter bei über 64 Jahren, bei Frauen zwischen 25 und 44 Jahren. Die Experten gehen davon aus, dass es auch bei den Männern sehr viel früher zur Infektion kommt. Da sie lange unbemerkt verläuft, könnten viele Patienten sich bereits als Kind angesteckt haben. © rme/aerzteblatt.de

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