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Medizin

FDA bezweifelt Krebsrisiko durch hochfrequente elektromagnetische Felder

Freitag, 2. November 2018

/dpa

Silver Spring/Maryland – Die US-Food and Drug Administration (FDA) hat sich vom Abschlussbericht einer von ihr in Auftrag gegebenen Untersuchung zum Krebsrisiko durch „Handystrahlung“ distanziert. Die von den Autoren des National Toxicology Program vorgelegten „eindeutigen Beweise“ (clear evidence) für eine karzinogene Wirkung der von 2G- und 3G-Netzen ausgestrahlten elektromagnetischen Wellen sind für die FDA nicht nachvollziehbar. Mögliche Einschränkungen für die Handynutzung sind damit vom Tisch. 

Das National Toxicology Program hatte die Ergebnisse ihrer ausführlichen Experimente, die die FDA 1999 in Auftrag gegeben hatte, bereits im Februar vorgestellt. Über 10 Jahre waren mit einem finanziellen Aufwand von 30 Millionen US-Dollar etwa 3.000 Ratten und Mäuse über längere Zeit den hochfrequenten elektromagnetischen Feldern von 2G- und 3G-Netzen ausgesetzt, die damals Stand der Technik waren mittlerweile aber veraltet sind. 

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Anders als die Handynutzer, die nur im Bereich des Kopfes erhöhten elektro­magnetischen Feldern ausgesetzt sind, wurde in den Experimenten der gesamte Körper der Nager „bestrahlt“ und zwar mit Frequenzen von 900 beziehungsweise 1.900 Megahertz nach den damaligen Technologien CDMA (Code Division Multiple Access) und GSM (Global System for Mobile Communications).

Die Exposition wurde bei Ratten bereits vor der Geburt im Mutterleib und bei Mäusen im Alter von 5 bis 6 Wochen begonnen. Die Exposition erfolgte intermittierend über jeweils 10 Minuten gefolgt von Unterbrechungen von jeweils 10 Minuten über insge­samt 9 Stunden pro Tag. Die übertragene Energie lag bei Ratten zwischen 1,5 und 6 Watt pro Kilogramm Körpergewicht und bei Mäusen zwischen 2,5 und 10 Watt pro Kilogramm.

Dies erklärt, warum nicht nur eine erhöhte Rate von Hirntumoren gefunden wurde. In einigen Experimenten wurden Tumore auch im Herz und in den Nebennieren entdeckt. 

Das National Toxicology Program bewertet die Beweislage für die malignen Schwannome als eindeutig (clear evidence). Für eine erhöhte Zahl von malignen Gliomen und von Phäochromozytomen gebe es gewisse Belege (some evidence). Alle Tumore waren ausschließlich bei männlichen Ratten entdeckt worden.

Die FDA wendet ein, dass die Auswirkungen auf tierisches Gewebe erst bei Exposi­tionen beobachtet wurden, die 50-mal höher seien als die aktuellen Grenzwerte der Federal Communications Commission (FCC) für Mobilfunkgeräte. 

Die Ergebnisse sind aus Sicht der FDA deshalb nicht auf den Menschen übertragbar. Die bestehenden Sicherheitsgrenzen für Mobiltelefone zum Schutz der öffentlichen Gesundheit seien akzeptabel. Dies bedeutet, dass es in den USA keine Einschrän­kungen für die Verwendung geben wird, also keine Gesundheitswarnungen für Vielnutzer und auch keine Altersgrenze für Kinder.

Auch das Team um John Bucher vom National Toxicology Program of Research in Triangle Park/North Carolina hatte in seinem Abschlussbericht betont, dass die Ergebnisse nicht auf die derzeitige Handynutzung übertragbar seien – auch weil heute andere Geräte mit einer höheren Frequenz, aber mit einer geringeren Eindringtiefe ins Gewebe benutzt würden. Prinzipiell sei aber nicht am Zusammenhang zwischen Radiofrequenzstrahlung und Tumoren bei männlichen Ratten zu zweifeln. Der Effekt sei real, versichert Bucher.

Der Abschlussbericht liefert auch eine Erklärung für ein unerwartetes Resultat der Studien: Die Exposition hatte die Lebenszeiten der männlichen Ratten verlängert. Die Forscher führen dies auf eine Abnahme chronischer Nierenprobleme zurück. „Handystrahlung“ (in ausreichender Dosis und an der richtigen Stelle des Körpers appliziert) hätte demnach eine nephroprotektive Wirkung. © rme/aerzteblatt.de

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