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Medizin

HPV-Test: Zervixscreening könnte mit 55 Jahren beendet werden

Montag, 5. November 2018

/RFBSIP, stockadobecom

Montreal – Die Früherkennung des Zervixkarzinoms, die Frauen heute bis ins höhere Alter empfohlen wird, könnte mit dem HPV-Test, der eine aktive Infektion mit den krebsverursachenden Viren nachweist, im Alter von 55 Jahren beendet werden, wenn im Abschlusstest keine Virusgene mehr vorhanden sind. Zu diesem Ergebnis kommt eine Computersimulation im Lancet (2018; doi: 10.1016/S1470-2045(18)30536-9).

Das zytologische Screening nach Papanicolaou, das im Abstrich nach Vorstufen des Zervixkarzinoms sucht, hat in den letzten Jahrzehnten unzählige Zervixkarzinome verhindert. Die Untersuchung ist jedoch nicht perfekt. Sie erkennt vermutlich nur etwa 55 % der CIN2-Läsionen, die ein häufiger Anlass für eine Operation sind. Der HPV-Test, der die Gene der verursachenden Viren im Abstrich nachweist, kann dagegen etwa 96 % der CIN2-Läsionen nachweisen. Dies bedeutet, dass Frauen mit einem negativen Testergebnis eher auf der sicheren Seite sind. Die Intervalle des HPV-Test sind deshalb länger als beim Pap-Test.

Talia Malagon und Mitarbeiter von der McGill Universität in Montreal haben jetzt in einer Computersimulation ausgerechnet, wie sich das Screening auf das Erkrankungs­risiko einer Frau auswirkt. Grundlage waren die Daten der kanadischen Statistik­behörde zur Zahl der Erkrankungen und eine Umfrage in British Columbia zur Häufigkeit von HPV-Infektionen. Die Berechnungen gelten für Frauen, die nicht gegen HPV geimpft sind, was auf die meisten älteren Frauen heute zutrifft.

Frauen, die niemals an einem Screening teilnehmen, haben in Kanada ein Risiko von 1 zu 45, im Verlauf ihres Lebens an einem Zervixkarzinom zu erkranken. Wenn sie, wie in Kanada empfohlen, im Alter zwischen 25 und 69 Jahren alle 3 Jahre am Pap-Screening teilnehmen, sinkt das Lebenszeitrisiko auf 1 zu 532. 

Da die meisten Frauen in Kanada nicht regelmäßig am Screening teilnehmen, hat eine 70-jährige Frau im Durchschnitt ein Risiko von 1 zu 588, doch noch an einem Zervixkarzinom zu erkranken. Wenn die letzte Zytologie im Alter von 69 Jahren negativ ausfällt, sinkt das Risiko auf 1 zu 1.206.

Für eine Frau, die im Alter von 55 Jahren das Screening beendet, beträgt das Risiko, später an einem Zervixkarzinom zu erkranken, 1 zu 226. Bei einer negativen Zytologie sind es noch 1 zu 440. Wenn allerdings der HPV-Test negativ ist, sinkt das Risiko auf 1 zu 1.940. Es ist damit niedriger als das Risiko einer Frau, bei der mit 70 Jahren die Zytologie negativ ausfällt.

Malagon schließt daraus, dass eine Frau mit einem negativen HPV-Test im Alter von 55 Jahren auf eine weitere Teilnahme am Screening verzichten kann. © rme/aerzteblatt.de

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