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Medizin

Empfängerin von Spenderlunge einer Raucherin stirbt an Lungenkrebs

Montag, 5. November 2018

/dpa

Paris – Rund anderthalb Jahre, nachdem sie die Lunge einer langjährigen Raucherin erhalten hatte, ist eine Französin an Lungenkrebs gestorben. Eine jetzt in der Fachzeitschrift Lung Cancer veröffentlichte Studie (2018; doi: 10.1016/j.lungcan.2018.07.024) warnt daher vor Risiken bei der Transplantation von Raucherorganen.

Dem Bericht zufolge erhielt die seit ihrer Kindheit an Mukoviszidose leidende Patientin im November 2015 die Lunge einer 57-Jährigen, die laut vorliegenden Daten 30 Jahre lang eine Schachtel Zigaretten täglich rauchte. Im Juni 2017 wurde die Empfängerin der Lunge auf die Krebsstation der Uniklinik Montpellier eingeliefert, wo sie zwei Monate später an Lungenkrebs starb, ohne dass eine Therapie möglich war. Der Studie zufolge zeigte die Patientin Symptome, die typisch für durch Rauchen ausgelösten Lungenkrebs sind.

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Der kurze zeitliche Abstand zwischen der Organtransplantation und dem Auftauchen erster Unregelmäßigkeiten bei Röntgenaufnahmen der Lunge deuteten darauf hin, dass der Krebs bereits während des Lebens der Spenderin ausgelöst worden sei, erklärten die Autoren der Studie. Medikamente zu Unterdrückung der Immunabwehr, die die Organempfängerin zur Verhinderung einer Abstoßung des Spenderorgans nehmen musste, hätten die Entwicklung der Krebserkrankung befördert.

Angesichts der langen Latenzzeit bei Lungenkrebs sei zu empfehlen, die Transplan­tation der Lungen von Rauchern oder solchen Spendern, die erst vor Kurzem mit dem Rauchen aufgehört hätten, zu überdenken, schlossen die Autoren. © afp/aerzteblatt.de

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DrSchnitzler
am Mittwoch, 7. November 2018, 10:45

Transplantationspraxis

Leider sind derartige Einzelfälle immer wieder einmal beobachtbar. In unserer Praxis kam es nach einer Nierentransplantation zu einer "explosionsartigen" Metastasierung eines 25 Jahre zuvor erfolgreich behandelten Mamma-Karzinoms, an der die Patientin binnen 6 Monaten verstarb.

Vorliegend ist bekannt, dass ca. 40% aller transplantierten Lungen von Rauchern stammen, und das Überleben dennoch generell höher ist als auf der Warteliste (Bonser RS et al.: Effect of donor smoking on survival after lung transplantation: a cohort study of a prospective registry, Zeitschrift: THE LANCET, Ausgabe 380 (2012), Seiten: 747-755).

Selbstverständlich ist ein solcher Fall (erneut) Anlass, die Transplantationspraxis (erneut) zu diskutieren. Aktuell wird insbesondere die "Widerspruchslösung" diskutiert, dass also jeder, der zu Lebzeiten nicht widersprochen hat, als Spender infrage kommen soll. Fraglos sind die Transplantationszahlen in Ländern, die diese Lösung zT schon vor Langem umgesetzt haben (zB Österreich, Spanien), traditionell deutlich höher. Hingegen wurde jüngst (zB im "neuen ärztlichen Gelöbnis") das Selbstbestimmungsrecht der Patienten deutlich gestärkt, so sich die Frage erhebt, ob dieser Weg allen Seiten gerecht wird.

Ich kann mich noch gut an die Diskussionen im Vorfeld des 1997 in Kraft getretenen Transplantationsgesetzes erinnern. Aus der Erinnerung wurde damals folgender Umstand diskutiert: jährlich tritt der "Hirntod" bei etwa 6.000 Menschen in D ein. Würde jetzt dem Selbstbestimmungsrecht Rechnung getragen (üblicherweise etwa 1/3 Ablehnung), und darüber hinaus medizinisch ungeeignete Fälle (nochmals ca. 1/3, zB bekannte Krebsfälle) ausgeschlossen, hätten wir etwa 2-3.000 Spender (gegenüber heute ca. 800-1.000). Das Problem lag bzw. liegt also offensichtlich nicht in der Spendebereitschaft, sondern in der unzureichenden "Meldung" potentieller Spender.

Beunruhigend empfinde ich, dass (angesichts der Notlage vieler Menschen auf der Warteliste) inzwischen sogar "non heart-beating donors" (Herzstillstand über 10 Minuten; NHBD) in Betracht gezogen werden, da durchaus vereinzelt erfogreiche Reanimationen berichtet werden, oder gar – gegenüber der Öffentlichkeit – der Gedanke an eine Unterlassung entstehen könnte. Auch die Lebendspende sollte mMn kritisch überdacht werden, so lange es – eigentlich – genügend spendewillige und geeignete Verstorbene (Hirntod) geben müsste.

Die Bemühungen müssen also mMn vor allem dahin gehen, die Meldezahlen zu erhöhen, also Strukturen zu schaffen, dass auch (möglichst) jeder Hirntod rechtzeitig an entsprechenden Stellen zur Kenntnis gelangt. Nach damaliger Diskussion benötigen hierfür insbesondere "kleinere" Kliniken mehr Unterstützung, bspw. durch die DSO (Deutsche Stiftung Organtransplantation).

Dann sollten sich tragische Verläufe wie vorliegend durchaus vermeiden lassen können.

LNS

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