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Medica 2018: Interaktive Brille soll Klebepflaster bei Schwachsichtigkeit ersetzen

Dienstag, 6. November 2018

Funktionsmuster der Brillenelektronik /Fraunhofer IBMT, Bernd Müller

Düsseldorf – Die funktionale Sehschwäche eines Auges (Amblyopie) ist bei Kindern eine häufige Ursache für Sehbehinderungen. Augenärzte behandeln diese häufig durch eine sogenannte Okklusionstherapie – also durch Abkleben des gesunden Auges. Das beeinträchtigte Auge wird dadurch trainiert. Je früher die Behandlung erfolgt, desto besser stehen die Heilungschancen. Nachteile des Verfahrens sind das eingeschränkte räumliche Sehen und der entstellende Charakter des Klebepflasters. Häufig lehnen Kinder ein solches Pflaster ab und tragen es nicht. Daher verfehlt die Therapie oftmals ihr Ziel. 

In einem Verbundprojekt namens „InsisT“ wollen die Projektpartner die schwierige Behandlung kleiner Kinder vorantreiben und die Therapietreue durch eine sogenannte Shutterbrille verbessern. Ein Funktionsmuster der Brillenelektronik präsentieren Wissenschaftler des Fraunhofer-Instituts für Biomedizinische Technik IBMT auf der Messe Medica Mitte November in Düsseldorf (Fraunhofer-Gemeinschaftsstand in Halle 10, Stand G05/H04 ).

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Dank der neuen Technologie lässt sich die Abdeckung des Auges situationsbedingt steuern: Bei bewegungsintensiven Aktivitäten öffnet sich die Brille, um räumliches Sehen zu ermöglichen. Danach verdunkelt sie das gesunde Auge wieder, um den Therapieeffekt zu erreichen. Die Verdunkelung der LCD-Gläser erfolgt elektronisch – der Verdunkelungseffekt entsteht durch das Ein- und Ausschalten von in das Brillenglas integrierten Flüssigkristallen. Ein Beschleunigungssensor erkennt Bewegungsmuster, wobei er verschiedene Aktivitäten wie stehen, liegen, sitzen, gehen, laufen, springen, Fahrradfahren und Treppensteigen unterscheidet.

Parallel haben die Forscher eine Smartphone-App entwickelt, mit der die Eltern des erkrankten Kindes die Therapie überwachen können. Sämtliche Informationen werden in einer digitalen Patientenakte gesammelt. Diese datenschutzkonforme Weban­wendung ist wiederum für den behandelnden Ophthalmologen zugänglich, der den Therapieverlauf kontrollieren, anpassen und optimieren kann. Er erfährt so, ob und wann die Brille getragen wurde, diese Transparenz fehlt bei der bisherigen Methode. „Die Daten werden von der Brille per Bluetooth drahtlos auf die App und anschließend in die Datenbank übertragen, die in der Cloud alle Informationen sicher archiviert. Ziel dieses Vorgehens ist es, eine individualisierte Therapie zu realisieren“, erläutert Frank Ihmig, Wissenschaftler am Fraunhofer IBMT.  

Erste Tests mit schwachsichtigen Kindern sind für das zweite Quartal 2019 geplant. Eine Validierungsstudie zum Projektende soll den erwarteten medizinischen Nutzen belegen. © hil/aerzteblatt.de

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