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Medizin

Parasitologie: Genomvergleich bei 81 Faden- oder Plattwürmern soll Therapieansätze liefern

Dienstag, 6. November 2018

Fadenwurm (Nematode) /dpa

Hinxton/England – Obwohl ein Viertel der Menschheit von Faden- oder Plattwürmer befallen ist, gibt es nur wenige Wirkstoffe, die die Infektionen stoppen können. Ein Genomvergleich der wichtigsten 81 Helminthen soll dies ändern. Erste Ergebnisse wurden in Nature Genetics (2018; doi: 10.1038/s41588-018-0262-1) veröffentlicht.

Die meisten Nematoden (Fadenwürmer, Rundwürmer) oder Plathelminthes (Platt­würmer) setzen auf eine friedliche Koexistenz mit ihrem Wirt. Infektionen sind selten tödlich. Gleichwohl ist ein Wurmbefall gefährlich. Es kann zu Unterernährung und körperlichen Behinderungen kommen, die Entwicklung von Kindern wird häufig verzögert. Die Betroffenen sind nicht selten sozialen Diskriminierungen ausgesetzt und auch die Familienmitglieder, die sich um die Betroffenen kümmern, werden belastet.

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Parasitäre Würmer verursachen einige der am meisten vernachlässigten Tropen­krankheiten, einschließlich Flussblindheit, Schistosomiasis und Hakenwurm­erkrankung. Sie beeinträchtigen das Leben von über einer Milliarde Menschen weltweit.

Die Behandlungsmöglichkeiten sind begrenzt. Es gibt nur wenige Medikamente gegen Wurminfektionen. Ihr Masseneinsatz führt häufig zu Resistenzen. Neue Mittel gegen Helminthen werden deshalb dringend benötigt.

Ein Ansatz besteht darin, das Erbgut der Würmer zu analysieren. Die Gensequenz zeigt an, welche Proteine und Enzyme die Würmer bilden. Daraus lassen sich Stoffwechselwege rekonstruieren, in der Hoffnung, neue Angriffspunkte für eine Behandlung der Infektion zu finden.

Das International Helminth Genomes Consortium um Matthew Berriman vom Wellcome Trust Sanger Institute in Hinxton bei Cambridge in England hat jetzt die Genome von 81 Arten von Rund-/Fadenwürmern und Plattwürmern analysiert. Darunter waren 45 Arten, die zuvor noch niemals sequenziert worden waren. Die Forscher beschreiben etwa 800.000 neue Gene. Zusammen mit den bekannten Genen enthalten sie die Information für 1,6 Millionen Proteine, die sich etwa 100.000 Gruppen zuordnen ließen.

Die Ergebnisse dürften eine wichtige Quelle für Helminthologen sein, die sich mit der Erforschung der Würmer beschäftigen. Sie könnten aber auch die Suche nach neuen Wirkstoffen fördern. Die Forscher haben bereits einen Katalog von 5.046 Chemikalien aufgestellt, die in der einen oder anderen Form gegen Nematoden oder Plathelminthes wirken könnten. Ob sie sich als Medikamente eignen, kann jetzt zunächst in Labor­experimenten und später in präklinischen und klinischen Studien untersucht werden. © rme/aerzteblatt.de

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