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Medizin

Typ-1-Diabetes: Cannabis könnte Ketoazidose fördern

Dienstag, 6. November 2018

/dpa

Denver – Menschen mit Typ-1-Diabetes, die regelmäßig Cannabis konsumieren, gaben in einer Umfrage von US-Dermatologen in JAMA Internal Medicine (2018; doi: 10.1001/jamainternmed.2018.5142) doppelt so häufig an, schon einmal eine diabetische Ketoazidose erlitten zu haben. 

Im US-Staat Colorado, wo der Konsum von Cannabis seit 2014 zu medizinischen Zwecken aber auch zum privaten Verbrauch erlaubt ist, gehören auch Typ-1-Diabetiker zu den Cannabiskonsumenten. Von den 450 Patienten, die am Barbara Davis Center for Diabetes in Denver, dem größten Behandlungszentrum des Staates, befragt wurden, sagten 124 (29,8 %), dass sie regelmäßig zur Droge greifen, die Hälfte mindestens zweimal die Woche.

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Welche Auswirkungen das Tetrahydrocannabinol (THC) auf den Blutzucker hat, ist nicht bekannt. In früheren Untersuchungen wurde eine Verbesserung von Insulin­empfind­lichkeit und Betazellfunktion gefunden, wovon eher Menschen mit Typ-2-Diabetes profitieren würden. Am Barbara Davis Center hat man jedoch bei Patienten mit Typ-1-Diabetes eher ungünstige Erfahrungen gemacht. 

Vor 2 Jahren berichteten die Mediziner im American Journal of  Medicine (2016; 129: e139-e140) über 2 junge Cannabiskonsumenten – einen 33 Jahre alten Mann und eine 23 Jahre alte Frau –, die wiederholt eine Ketoazidose erlitten hatten. Beide litten unter einem Cannabis-Hyperemesis-Syndrom, zu dem es nach einem längeren hochdosierten Konsum der Hanfdroge kommen kann. Das häufige Erbrechen und die damit verbun­denen Flüssigkeitsverluste könnten der Auslöser für die Ketoazidose gewesen sein, vermuteten Viral Shah und Mitarbeiter damals. Zumal beide Patienten sich vom Cannabis-Hyperemesis-Syndrom erholten. Nachdem sie auf die Droge verzichteten, hatten sie keine Ketoazidosen mehr erlitten.

Die beiden Fälle veranlassten die Forscher zu ihrer Umfrage. Sie ergab, dass 20,9 % der Cannabisuser bereits einmal wegen einer diabetischen Ketoazidose hospitalisiert worden waren. Unter den Typ-1-Diabetikern, die keinen Cannabiskonsum angaben, betrug die Rate nur 8,2 %. Das Team ermittelte eine Odds Ratio von 1,98, die signifikant war, wenn auch mit einem weiten 95-%-Konfidenzintervall von 1,01 bis 3,91. Eine weitere Analyse, die nur Patienten mit den gleichen Eigenschaften gegenüberstellte, ermittelte sogar eine Odds Ratio von 3,06, allerdings mit einem noch weiteren 95-%-Konfidenzintervall von 1,03 bis 9,19.

Da es sich um eine Umfrage an einem einzelnen Zentrum handelt und der Cannabiskonsum nicht überprüft wurde, ist nicht klar, ob die Ergebnisse für Typ-1-Diabetiker repräsentativ sind und ob es nicht andere Erklärungen gibt. Shah hält es allerdings für möglich, dass das Cannabis-Hyperemesis-Syndrom oder eine Verlangsamung der Darmbewegungen (Gastroparese) für die erhöhte Anfälligkeit verantwortlich sind. © rme/aerzteblatt.de

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Rudolf901
am Mittwoch, 7. November 2018, 17:42

Das Problem sitzt hinter dem Joint ;)

Ohje, dieser Artikel ist herrlich :D
Ich brauche keine Studie oder Medizinstudium um die Ursache des Problems zu wissen:

Wer raucht, der frisst. Und in der Regel Süßes.
Kekse, Sprühsahne, Schokolade. Alles in Massen wird innerhalb kürzester Zeit konsumiert.

Da kann man das Kraut noch so sehr untersuchen. Es ist wie bei Fehlern mit einer Software: Das Problem sitzt meistens hinter dem Computer.
Und in diesem Fall: Das Problem sitzt meistens hinter dem Joint ;)
LNS

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