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Medizin

Infektionen mit antibiotika­resistenten Keimen nehmen in Europa weiter zu

Dienstag, 6. November 2018

/dpa

Stockholm – Im europäischen Wirtschaftsraum (EU und EEA) erlitten 2015 mehr als 670.000 Menschen eine Infektion mit antibiotikaresistenten Keimen, an denen etwa 30.000 Menschen starben und durch die circa 875.000 beschwerdefreie Lebensjahre (DALY) verloren gingen. Dies kam in einer Studie in Lancet Infectious Diseases (2018; doi: 10.1016/S1473-3099(18)30605-4) heraus, nach der 2 Drittel der Infektionen eine nosokomiale Ursache hatten. Die Resistenzproblematik ist vor allem im Südosten Europas verbreitet.

Die Zahlen, die Alessandro Cassini und Mitarbeiter vom Europäischen Zentrum für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten (ECDC) ermittelt haben, beruhen auf den Recherchen des europäischen Netzwerks zur Beobachtung antimikrobieller Resistenzen (EARS-Net). Das EARS-Net erfragt bei den nationalen Gesundheitsbehörden, in Deutschland ist dies das Robert-Koch-Institut, die Daten einzelner Labors der Länder ab. Sie betreffen Resistenztests zu 16 Antibiotika bei 8 Erregern, die in Blut- oder Liquorkulturen nachgewiesen wurden. Diese Ergebnisse wurden mit epidemiolo­gischen Studien zur Punktprävalenz einzelner Infektionen verrechnet. Die Ergebnisse müssen deshalb zurückhaltend interpretiert werden, was in den 95-%-Konfidenzintervallen zum Ausdruck kommt.

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Im Jahr 2015 sind demnach 671.689 Infektionen mit antibiotikaresistenten Bakterien (583.148 bis 763.966) aufgetreten. Davon ereigneten sich 63,5 % (426.277 von 671.689) im Rahmen einer medizinischen Behandlung, also nosokomial. 

Die Infektionen haben schätzungsweise 33.110 (28.480 bis 38.430) Todesfälle verursacht und zum Verlust von 874.541 (768.837 bis 989.068) beschwerdefreien Lebensjahren (disability-adjusted life years, DALY) geführt. 

Bezogen auf die Bevölkerung sind dies 170 DALY pro 100.000 Einwohner. Dies entspricht in etwa der kombinierten Krankheitslast von Influenza, Tuberkulose und HIV-Infektionen, die in einer anderen Studie mit 183 DALY auf 100.000 Einwohner angegeben wurde.

2 Drittel der Infektionen hatten eine nosokomiale Ursache, die jedoch für 3 Viertel der verlorenen DALY (127 von 183/100.000) verantwortlich war.

Der Verlust an DALY wird zunehmend durch carbapenemresistente Keime verursacht. Ihr Anteil an den DALY ist laut Cassini seit 2007 von 18 auf 28 % in 2017 angestiegen. Der Anteil der DALY, die von carbapenemresistenten K. pneumoniae verursacht wurde, hat sich von 4,3 auf 8,79 % sogar verdoppelt. Diese Entwicklung ist laut ECDC besonders besorgniserregend, da Carbapeneme häufig die letzten verfügbaren Behandlungsoptionen sind. Wenn diese Reserveantibiotika nicht mehr wirksam sind, werde es extrem schwierig oder in vielen Fällen unmöglich, Infektionen zu behandeln, heißt es in der Pressemitteilung.

Am meisten gefährdet sind Neugeborene und Kinder im ersten Lebensjahr. Die Autoren ermitteln eine DALY von fast 2.000 auf 100.000 Personen. Ältere Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene sind deutlich weniger gefährdet. Die Rate steigt dann im Alter wieder auf über 500 DALY auf 100.000 Personen.

Europaweit sind die Zahlen in Italien und Griechenland mit DALYs von annähend 500 auf 100.000 Personen am höchsten. In Deutschland sind es weniger als 80 auf 100.000 Personen. Aus Island wurden 2015 lediglich 27 Fälle und ein Todesfall gemeldet. © rme/aerzteblatt.de

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Avatar #683778
Freudi
am Dienstag, 6. November 2018, 23:50

Unsere eigene Schuld!

Seit meinem Studium in den 70er Jahren des letzten Jahrhunderts weiß ich, dass wir Ärzte zu oft, zu viel und vor allem zu unkritisch Antibiotika verordnen. Leider hat sich die Situation seitdem in keiner Weise verbessert. Und wenn dann noch die Schuld vor allem "den Patienten gegeben wird, die ultimativ ein Antibiotikum fordern und nicht zu bekehren sind", ja, dann fällt mir auch kein Argument mehr ein....
LNS

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