NewsÄrzteschaftDiabetes und Adipositas: Schulterschluss der Fachgesellschaften
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Ärzteschaft

Diabetes und Adipositas: Schulterschluss der Fachgesellschaften

Dienstag, 6. November 2018

/dpa

Berlin – Die Deutsche Diabetes-Gesellschaft (DDG) und die Deutsche Adipositas-Gesellschaft (DAG) fordern gemeinsam verhältnispräventive Maßnahmen gegen Übergewicht. So sollten gesunde Lebensmittel wie Obst und Gemüse von der Mehrwertsteuer befreit und im Gegenzug ungesunde mit dem vollen Mehrwert­steuersatz von 19 Prozent belegt werden. „Wirkungsvolle Vorbeugung muss Verhältnisse schaffen, die eine gesunde Ernährung leicht machen“, betonte Jens Aberle, Ärztlicher Leiter des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf und Tagungspräsident der 12. Diabetes-Herbsttagung der Deutschen Diabetes-Gesellschaft, heute in Berlin.

Unter dem Motto „Fächerübergreifende Versorgung – der Patient im Mittelpunkt“ findet die 12. Diabetes-Herbsttagung der Deutschen Diabetes-Gesellschaft in diesem Jahr gemeinsam mit der 34. Jahrestagung der Deutschen Adipositas-Gesellschaft am 9. und 10. November im RheinMain-CongressCenter Wiesbaden statt.  Ein Großteil der rund sieben Millionen Menschen mit Diabetes mellitus in Deutschland habe zusätzlich auch Übergewicht beziehungsweise Adipositas, begründete Aberle die Kooperation. Durch eine Änderung des Lebensstils könnten Diabetespatienten die Stoffwechsel­erkrankung nach Ansicht der Experten oft auch ohne Medikamente in den Griff bekommen.

Anzeige

 „Menschen mit Typ-2-Diabetes leiden an einer Insulinresistenz, das heißt, ihre Bauchspeicheldrüsen produzieren zwar Insulin, jedoch wird es in zu geringen Mengen ausgeschüttet oder wirkt nicht mehr ausreichend an den Zielzellen“, erklärte Andreas Pfeiffer von der Klinik für Endokrinologie, Diabetes und Ernährungsmedizin der Charité – Universitätsmedizin Berlin und Leiter der klinischen Arbeitsgruppe des Deutschen Zentrums für Diabetesforschung DZD am Deutschen Institut für Ernährungsforschung (DIfE) Potsdam-Rehbrücke, heute vorab vor der Presse in Berlin.

Neben einer genetischen Veranlagung fördere vor allem Übergewicht eine Insulin­resistenz. Deshalb könnten mit einer kalorienverminderten, gesunden Ernährung und ausreichend Bewegung Patienten mit Diabetes Typ 2 die Insulinresistenz oft wieder verbessern und ihren Diabetes langfristig ohne Medikamente behandeln. Erst wenn diese Maßnahmen erfolglos blieben, sollte mit einer medikamentösen Therapie begonnen werden.

Pfeifer verwies dabei auf die im Fachjournal The Lancet publizierte DiRECT-Studie (Diabetes Remission Clinical Trial). Diese habe die Wirksamkeit einer solchen Lebensstilintervention bestätigt. Der Hälfte der Studienteilnehmer gelang es durch eine deutliche Gewichtsabnahme, ihren Zuckerstoffwechsel wieder zu normalisieren und eine Remission des Diabetes zu erreichen. Bei Patienten, die ihr Gewicht um mehr als 15 Kilogramm reduzieren konnten, kam es sogar bei etwa 85 Prozent zu einer Diabetes-Remission.

„Die Aussicht, den Diabetes Typ 2 ohne Medikamente oder Insulinspritzen in den Griff zu bekommen, ist für Betroffene eine hohe Motivation“, sagte Pfeiffer. Doch vielen Patienten fiele es schwer, ihre Lebensgewohnheiten langfristig umzustellen. Um das Gewicht zu halten, sei ein intensives Nachsorgeprogramm mit Ernährungsumstellung notwendig.“ © ER/aerzteblatt.de

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

LNS

Nachrichten zum Thema

15. November 2018
Stockholm – Die Verordnung von SGLT2-Inhibitoren, einer neuen und allgemein als nützlich eingestuften Gruppe von Diabetesmedikamenten, war in einer Kohortenstudie im britischen Ärzteblatt (BMJ 2018;
Diabetes: Mehr Amputationen und Ketoazidosen nach Behandlung mit SGLT2-Inhibitoren
13. November 2018
Dublin/Irland und Davis/Kalifornien – Eine Adipositas hat einen paradoxen Einfluss auf Krebserkrankungen. Zum einen steigt mit dem Body-Mass-Index das Risiko auf mindestens 18 verschiedene Malignome,
Warum Übergewicht Krebs fördert, aber dennoch manchmal die Behandlungschancen verbessert
12. November 2018
Berlin – In Deutschland sind immer mehr Menschen zuckerkrank. Im vergangenen Jahr gab es hierzulande 7,6 Millionen Diabetiker und damit 600.000 mehr als noch vor fünf Jahren. Das teilte die Barmer
Zahl der Diabetiker in Deutschland geht auf die acht Millionen zu
9. November 2018
Wiesbaden – Manche extrem dicken Kinder und Jugendliche haben bereits eine Herzmuskelverdickung oder andere Symptome, wie sie sonst erst im Alter ab 50 Jahren vorkommen. Gerade für diese Altersgruppe
Gelenkverschleiß: Arzt fordert mehr Therapie für extrem dicke Kinder
6. November 2018
Denver – Menschen mit Typ-1-Diabetes, die regelmäßig Cannabis konsumieren, gaben in einer Umfrage von US-Dermatologen in JAMA Internal Medicine (2018; doi: 10.1001/jamainternmed.2018.5142) doppelt so
Typ-1-Diabetes: Cannabis könnte Ketoazidose fördern
30. Oktober 2018
Hamburg – Die DAK-Gesundheit hat ein neues Präventionskonzept vorgeschlagen. Es soll die zunehmenden Diabeteserkrankungen eindämmen – und zwar durch eine besondere Früherkennung von Prädiabetes. Damit
DAK-Gesundheit schlägt neues Präventionskonzept für Diabetes vor
29. Oktober 2018
Washington – US-Krebsforscher könnten zufällig auf ein äußerst wirksames Diätmittel gestoßen sein. Das Protein FGF-BP3 (Fibroblast Growth Factor Binding Protein 3) hemmt laut ihrem Bericht in
LNS LNS

Fachgebiet

Anzeige

Weitere...

Anzeige

Aktuelle Kommentare

Archiv

NEWSLETTER