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Politik

Katholiken­komitee warnt vor „Abtreibungs­automatismus“

Dienstag, 6. November 2018

/Voy_ager, stockadobecom

Bonn – Das Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) fordert eine politische Debatte über einen Bluttest, der bereits im frühen Stadium einer Schwangerschaft Trisomie 21 bei ungeborenen Kindern feststellen kann. „Der Bundestag muss endlich über nichtinvasive Pränataldiagnostik debattieren. Es darf keinen Abtreibungs­automatismus bei Trisomie 21 geben“, sagte der Generalsekretär des Zdk, Stefan Vesper, heute in Bonn.

Die nichtinvasive Methode könnte demnächst als Kassenleistung zugelassen werden. Entscheiden muss der Gemeinsame Bundes­aus­schuss (G-BA) von Ärzten und Krankenkassen. Dessen Vorsitzender Josef Hecken hat sich für eine Zulassung ausgesprochen. Zugleich haben er und mehrere andere Ethikexperten und Politiker darauf hingewiesen, dass mit den vorgeburtlichen Bluttests fundamentale ethische Grundfragen der Werteordnung berührt seien. Deshalb sei die Politik dringend gefordert, eine ethische Debatte zu führen und darüber zu entscheiden, wie weit molekulargenetische Testverfahren in der Schwangerschaft zur Anwendung gelangen können.

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Vesper mahnte, diese Entscheidung dürfe nicht „auf dem Verwaltungsweg“ und „ohne eine gesellschaftliche oder politische Debatte“ fallen. Sonst könne die „harmlos anmutende Untersuchung“ allzu schnell in einem „Abtreibungsautomatismus“ enden.

Kostenübernahme für pränatale Bluttests: Pro und Contra

Respekt vor Selbstbestimmung: Risikoärmere Alternativen zur Amniozentese sollten nicht nur Selbstzahlern zugute kommen, um zu erfahren, ob ein Kind mit Down-Syndrom zur Welt kommen würde. Ein sprunghafter Anstieg von Schwangerschaftsabbrüchen ist unrealistisch. Vielfalt und Wertschätzung: Das Lebensrecht behinderter Menschen wäre bedroht, sollten Kran­ken­ver­siche­rungen die Kosten für pränatale (...)

Der Bluttest wird seit 2012 angeboten und ermöglicht es Ärzten, einer Schwangeren anhand von wenigen Tropfen ihres Bluts mit hoher Treffsicherheit zu sagen, ob ihr Kind eine Trisomie 21 haben wird. Dabei werden Erbgutfragmente des Kindes aus dem mütterlichen Blut isoliert und untersucht. Anhand der dabei gewonnenen Daten berechnet der Computer dann, ob das Chromosom 21 mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht nur doppelt, sondern dreifach angelegt ist.

Zahlreiche Parlamentarier hatten sich in der vergangenen Woche für eine Entscheidung des Bundestages zur Regelung vorgeburtlicher Bluttests ausgesprochen. Die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) erklärte, vorgeburtliche Bluttests sollten in den Leistungskatalog der gesetzlichen Kran­ken­ver­siche­rung aufgenommen werden. Zugleich sollte aber eine ethische Beratung eingeführt werden. Dagegen bleibt die katholische Kirche bei ihrem klaren Nein. © kna/aerzteblatt.de

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