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Medizin

Gene könnten geringere Auswirkungen auf Lebenserwartung haben

Donnerstag, 8. November 2018

/ktsdesign, stockadobecom

San Francisco – Der Einfluss, den genetische Veranlagungen auf die Lebenserwartung haben, ist vermutlich geringer als bisher angenommen. Dies zeigt eine Analyse von mehreren Millionen Stammbäumen, die jetzt in Genetics (2018; doi: 10.1534/genetics.118.301613) veröffentlicht wurde.

Humangenetiker geben den Anteil der Gene an der Lebenserwartung häufig mit 15 bis 30 % an. Die Schätzungen beruhen meist auf Zwillingsstudien. Diese können allerdings die genetische Veranlagungen, nur schwer von den „Umwelteinflüssen“ trennen, die aus dem gemeinsamen Lebensumfeld resultieren: Zwillinge wachsen in der gleichen Familie auf, sie ernähren sich gleich und neigen auch sonst zu einem ähnlichen Lebensstil.

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Dieser Einfluss ist möglicherweise größer als vielfach angenommen. Dies zeigt die Analyse von mehr als 400 Millionen Stammbäumen, die ein Team um Graham Ruby von Calico Life Sciences zusammen mit dem Genealogieunternehmen Ancestry durchgeführt hat. Calico Life Sciences mit Sitz in San Francisco ist ein Ableger von Google, der sich der Erforschung von Alterungsvorgängen widmet. Ancestry ist ein privates Onlineunternehmen mit Sitz in Lehi, Utah, das gegen Gebühren genealogische Untersuchung durchführt.

Für die Studie wurden die Daten von 54 Millionen Stammbäumen aus den beiden letzten Jahrhunderten verwendet. Dem Team um Ruby standen neben den Verwandtschaftsverhältnissen auch das Datum von Geburt und Tod zur Verfügung. Für die Analyse verwendeten sie die Daten von über 400 Millionen Amerikanern überwiegend europäischer Herkunft.

Die Heritabilität ermittelten sie mit mathematischen Methoden durch den Vergleich der Lebensdauer mit den Verwandtschaftsverhältnissen. Dabei stellte sich heraus, dass nicht nur die biologischen Verwandten sich ähnelten. Auch zwischen den Ehepartnern, die (normalerweise) nicht genetisch verwandt sind, gab es Übereinstimmungen: Der Abstand in der Lebenserwartung von Ehefrau und Ehemann war oft geringer als der zwischen Töchtern und Söhnen. 

Ein Einfluss war selbst im weiteren Umfeld der Familie noch vorhanden, etwa bei den Geschwistern von Schwager oder Schwägerin oder den Ehepartnern von Cousin oder Cousine, zu denen weder eine genetische Verwandtschaft noch ein gemeinsames Lebensumfeld besteht. Eine mögliche Erklärung ist die assortative Paarung: So bezeichnen Biologen die Neigung von Personen, sich Lebenspartner zu suchen, die über ähnliche Eigenschaften wie sie selbst verfügen. Ein Beispiel ist das Rauchen. Die meisten Nichtraucher suchen sich Lebenspartner, die ebenfalls nicht rauchen. Aber auch der sozioökonomische Hintergrund, der die Lebenserwartung beeinflusst, ist bei Lebenspartnern häufig ähnlich.

Diese assortative Paarung vermindert natürlich den Einfluss der Gene auf die Lebens­erwartung. Die Forscher schätzen ihn aufgrund ihrer Analyse auf weniger als 10 %. © rme/aerzteblatt.de

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