NewsPolitikNur fünf von 18 Krebsregistern am Jahresende voll einsatzbereit
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Politik

Nur fünf von 18 Krebsregistern am Jahresende voll einsatzbereit

Mittwoch, 7. November 2018

/Myroslava, stockadobecom

Berlin – Der flächendeckende Aufbau der klinischen Krebsregister in den Bundes­ländern verzögert sich. „Obwohl im Vergleich zu 2016 deutliche Fortschritte zu erkennen sind, werden bis Ende dieses Jahres voraussichtlich nur fünf der insgesamt 18 Register voll arbeitsfähig sein“, sagte die Vorstandsvorsitzende des Spitzenverbands der gesetzlichen Krankenkassen (GKV), Doris Pfeiffer, heute in Berlin. Diese fünf Register sind jene für Baden-Württemberg, Berlin/Brandenburg, Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern und Rheinland-Pfalz.

Technische Schwierigkeiten und fehlendes Personal

Ursache für die Verzögerungen bei den übrigen Registern sind zum Teil technische Schwierigkeiten, wie aus einem aktuellen Gutachten des Beratungsunternehmens Prognos für den Kassenverband hervorgeht. Es fehlt demnach teilweise aber auch an Personal, um Daten zu Neuerkrankungen zu erfassen. Pfeiffer wies darauf hin, dass in einigen Ländern die gesetzlichen Voraussetzungen für die Krebsregister erst spät geschaffen worden seien.

Anzeige

Der GKV-Spitzenverband äußerte sich trotzdem positiv zur Krebserfassung und -berichterstattung in Deutschland. „Auch wenn das eigentliche Ziel – arbeitsfähige Register in allen Bundesländern – leider noch fern ist, stimmt jetzt die Richtung“, sagte Pfeiffer. Die Register müssten die Lücken für den Routinebetrieb nun „engagiert, schnell und konsequent“ schließen.

Nachbesserungsfrist wichtig

Mit Blick auf den im Gutachten aufgezeigten Sachstand stellte Pfeiffer klar: „Die vom Kabinett geplante Ausweitung der Nachbesserungsfrist bis Ende 2019 ist angesichts der Fakten notwendig und richtig, darf aber nicht dazu führen, dass die Register ihre Aktivitäten zurückfahren. Es gibt nach wie vor viel zu tun, bis arbeitsfähige klinische Krebsregister die Versorgung von Krebskranken tatsächlich spürbar qualitativ verbessern können“, so Pfeiffer.

Bereits Ende 2017 ist eine vom Gesetzgeber vorgesehene vierjährige Aufbauphase für die klinischen Krebsregister abgelaufen. Damit dürfen die gesetzlichen Krankenkassen klinische Krebsregister eigentlich nur noch finanzieren, wenn sie 43 Prüfkriterien erfüllen und damit sicherstellen können, dass sie voll arbeitsfähig sind.

Der Gesetzgeber hatte den Registern aber eine Nachbesserungsfrist bis 31. Dezember 2018 eingeräumt, weil keines der Register den Stichtag 31. Dezember 2017 einhalten konnte. Aktuell wird diskutiert, diese Nachbesserungsfrist um weitere zwölf Monate zu verlängern. 

Klinische Krebsregister erfassen die Krankheitsverläufe der Patienten. Registriert werden Daten von der Diagnose über einzelne Behandlungsschritte bis hin zu Rezidiven und zum Überleben der Patienten. Mit der regelmäßigen Rückmeldung der Auswertungsergebnisse an die behandelnden Ärzte und Kliniken soll die Krebsbehandlung insgesamt verbessert werden.  

Die klinischen Krebsregister sind nicht zu verwechseln mit den sogenannten epidemiologischen Krebsregistern, die es bereits seit Längerem in allen Bundesländern gibt. Sie analysieren unter anderem die Verteilung von Krebserkrankungen nach Alter, Geschlecht und Wohnort der Patienten. © hil/afp/aerzteblatt.de

Themen:

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

LNS

Nachrichten zum Thema

15. Oktober 2018
Mainz – Nach drei Jahren Aufbauphase für das Krebsregister Rheinland-Pfalz hat das Landesgesundheitsministerium eine erste positive Bilanz gezogen. „Wir können mit Stolz feststellen, dass wir als
Krebsregister Rheinland-Pfalz liefert wichtige Daten für Therapie
14. August 2018
Bochum – Bei mehr als 108.000 Menschen wurden 2015 in Nordrhein-Westfalen (NRW) bösartige Neuerkrankungen diagnostiziert. Das gab das Landeskrebsregister NRW heute in Bochum im neuen Jahresbericht
Mehr als 108.000 Menschen in Nordrhein-Westfalen an Krebs erkrankt
27. Juni 2018
Hannover – Nach einem Probebetrieb seit Ende Februar wird das Klinische Krebsregister Niedersachsen (KKN) jetzt Anfang Juli seinen Routinebetrieb aufnehmen. Jeder Arzt in Niedersachsen, der eine
Klinisches Krebsregister Niedersachsen startet Regelbetrieb
22. Januar 2018
Magdeburg – Diagnose, Behandlung und Nachsorge von Menschen mit einer Krebserkrankung sollen in Sachsen-Anhalt weiter verbessert werden. Dafür hat das Klinische Krebsregister seine Arbeit aufgenommen,
Zentrales Krebsregister in Sachsen-Anhalt hat Arbeit aufgenommen
27. Dezember 2017
Magdeburg – Um das zentrale Klinische Krebsregister Sachsen-Anhalt ist lange gerungen worden – zum 1. Januar 2018 wird es nun starten. „Qualitativ neu ist, dass wir den Behandlungsverlauf abbilden
Sachsen-Anhalt startet zentrales Krebsregister
22. Dezember 2017
Berlin – Der Aufbau der klinischen Krebsregister in den Bundesländern kommt nach wie vor nur schleppend voran. Das hat der GKV-Spitzenverband heute bemängelt. Bisher könne kein Krebsregister „alle
GKV-Spitzenverband kritisiert Verzögerungen beim Aufbau klinischer Krebsregister
1. Dezember 2017
Hannover – Krebserkrankungen in Niedersachsen werden künftig in einem neuen Register erfasst. Ziel ist es, die Qualität der Versorgung krebskranker Menschen zu verbessern. In der Datenbank werden alle
LNS
NEWSLETTER