NewsÄrzteschaftFrauenärzte fordern Kostenübernahme für hormonelle Verhütungsmittel
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Ärzteschaft

Frauenärzte fordern Kostenübernahme für hormonelle Verhütungsmittel

Mittwoch, 7. November 2018

/dpa

Berlin – Die Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (DGGG) und der Berufsverband der Frauenärzte (BVF) haben ihre Forderung erneuert, hormonelle Verhütungsmittel für junge Frauen kostenlos abzugeben. Anlass ist eine öffentliche Anhörung zum Thema „Kostenübernahme für Verhütungsmittel“ heute im Ausschuss für Gesundheit des Deutschen Bundestages.

Die Verbände hatten bereits 2014 gefordert, hormonelle Verhütungsmittel für Frauen bis 25 Jahre kostenlos abzugeben, um damit die Zahl der unerwünschten Schwanger­schaften und der Schwangerschaftsabbrüche zu senken. „In den letzten Jahren ist nach einem weltweit unübertroffenen Tiefstand an Schwangerschaftsabbrüchen pro 100.000 Frauen pro Jahr die Rate an Abbrüchen wieder angestiegen, obwohl sich der Verbrauch der ‚Pille danach‘ seit dem Wegfall der Rezeptpflicht beinahe verdoppelt hat. Das zeigt, dass die Forderung aus 2014 an Bedeutung eher gewonnen hat“, schreiben die Verbände in einer Stellungnahme an die Mitglieder des Gesundheitsausschusses, die dem Deutschen Ärzteblatt vorliegt.

Anzeige

Die Verbände raten darin davon ab, die kostenlose Abgabe von Verhütungsmitteln – unter Beibehaltung der ärztlichen Verordnungspflicht – an den Empfang von Sozialleistungen zu knüpfen. Dieses Vorgehen hätte laut DGGG und BVF zwei Nachteile: Es sei für Frauen, die Transferleistungen erhalten, beschämend, beim Arzt, Apotheker oder einer anderen Institution eine Kostenübernahme mit dem Nachweis ihrer Bedürftigkeit zu beantragen. Zum anderen würden durch dieses Konzept Frauen in Ausbildung und Studium nicht erfasst, die sich vielfach ebenfalls in einer finanziell angespannten Situation befänden. Die Regelung würde Frauen in schlecht bezahlten Arbeitsverhältnissen ebenfalls diskriminieren.

Ein kostenloser Zugang zu Verhütungsmitteln für alle Frauen unter Beibehaltung der frauenärztlichen Beratung und Verordnung, der gegebenenfalls auf eine Altersgrenze von 25 Jahren begrenzt sein könnte, hätte dagegen laut den frauenärztlichen Verbänden mehrere Vorteile: Die Entscheidung für ein bestimmtes, optimal geeignetes Verhütungsmittel würde nicht mehr durch finanzielle Erwägungen beeinflusst. Ungewünschte Schwangerschaften und Schwangerschaftsabbrüche würden auf diese Weise eher verhindert. © hil/aerzteblatt.de

Themen:

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

LNS

Nachrichten zum Thema

15. Januar 2019
Atlanta – US-Bioingenieure haben ein neues Depot-Kontrazeptivum entwickelt, das ohne ärztliche Hilfe angewendet werden könnte. Das in Nature Biomedical Engineering (2019; doi:
Kurzzeitpflaster als lang wirkendes Kontrazeptivum
14. Januar 2019
Washington – Ein US-Bundesrichter hat eine Verordnung von Präsident Donald Trump blockiert, die den Zugang zu kostenfreien Verhütungsmitteln einschränken sollte. Die Verordnung sah Ausnahmen für
US-Gericht blockiert Einschränkung von Pille auf Krankenschein
20. Dezember 2018
Waldshut-Tiengen – In einer seit siebeneinhalb Jahren dauernden juristischen Auseinandersetzung um die Verhütungspille „Yasminelle“ hat Bayer einen Erfolg erzielt. Das Landgericht Waldshut-Tiengen
Klage gegen Bayer wegen Verhütungspille Yasminelle abgewiesen
20. Dezember 2018
Den Haag – Politiker in den Niederlanden wollen Hausärzten ermöglichen, die Abtreibungspille zu verschreiben. Diese müssten dazu allerdings eine eigene Fortbildung absolvieren, erläuterte die
Neue Debatte über Abtreibungspille in den Niederlanden
7. Dezember 2018
Berlin – Wegen falsch bedruckter Tablettenverpackungen werden mehrere Chargen einer Antibabypille zurückgerufen – es drohen Anwendungsfehler und ungewollte Schwangerschaften. Frauen, die zwischen 27.
Antibabypille zurückgerufen: Ungewollte Schwangerschaft droht
30. November 2018
Berlin – Das Bundesfamilienministerium prüft Möglichkeiten, Frauen mit geringem Einkommen beim Kauf von Verhütungsmitteln zu unterstützen. „Jede Frau hat ein Recht auf eine sichere und gut
Giffey will ärmere Frauen bei Kauf von Verhütungsmitteln unterstützen
16. November 2018
Bonn – Die Fachinformationen von hormonellen Kontrazeptiva müssen künftig neben Depressionen auch auf eine mögliche Suizidalität hinweisen. Die Arzneimittelbehörden ziehen damit Konsequenzen aus den
LNS
NEWSLETTER