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Medizin

Studie: Medikamente aus Abwässern erreichen bei Tieren fast therapeutische Dosierungen

Donnerstag, 8. November 2018

/dpa

Melbourne/Australien – Viele Medikamente, die im Körper nicht metabolisiert werden, gelangen über Urin und Faeces in die Abwässer und von dort in die Natur. Australische Forscher haben von 98 untersuchten Substanzen 69 in flussnahen Ökosystemen nachgewiesen. Bei einigen Tieren im oberen Bereich der Nahrungskette könnten laut einem Bericht in Nature Communications (2018; doi: 10.1038/s41467-018-06822-w) fast therapeutische Dosierungen erreicht werden. 

Die Abwässer einer Großstadt sind ein Abbild der Medikamente, die ihre Bewohner einnehmen. Wenn die Kläranlagen die Substanzen nicht entfernen, gelangen sie in die Umwelt. Erinn Richmond vom Cary Institute of Ecosystem Studies in Melbourne und Mitarbeiter konnten die Rückstände in 6 kleineren Flüssen in der Nähe von Melbourne und auch weiter entfernt nachweisen.

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Die medizinischen Wirkstoffe werden dort zunächst von den Insektenlarven aufge­nommen. Von dort gelangen sie in den Körper der Spinnen und anderer Räuber. Mit jeder Stufe der Nahrungskette kommt es bei einigen Substanzen zu einer Anreicherung. In den Larven der Köcherfliegen, die sich im Flusswasser entwickeln, waren nicht weniger als 69 Wirkstoffe nachweisbar. Darunter waren das Antimykotikum Clotrimazol, die Antidepressiva Venlafaxin und Citalopram, der Betablocker Metoprolol und der Lipidsenker Fenofibrat.

Die Larven werden von Spinnen, aber auch von Fischen gefressen. Die Spinnen sind wiederum eine wichtige Nahrungsquelle für Schnabeltiere. Richmond schätzt, dass Antidepressiva bei Schnabeltieren bis zu 60 % der beim Menschen therapeutischen Konzentration erreichen, bei Forellen könnten etwa 30 % erreicht werden. Messungen in diesen beiden Spezies hat die Süßwassser-Ökologin allerdings nicht durchgeführt. Da Forellen ein beliebter Speisefisch sind, könnten die Wirkstoffe auch die Menschen erreichen.

Die Auswirkungen auf das Ökosystem sind laut Richmond erst ansatzweise untersucht. Studien hätten jedoch gezeigt, dass Amphetamine und Antidepressiva den Lebenszyklus der Insekten stören. Psychopharmaka könnten die Fähigkeiten von Spinnen zum Nestbau herabsetzen. Antidepressiva hätten Auswirkungen auf das Verhalten von Fischen. © rme/aerzteblatt.de

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