NewsMedizinStudie: Medikamente aus Abwässern erreichen bei Tieren fast therapeutische Dosierungen
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Medizin

Studie: Medikamente aus Abwässern erreichen bei Tieren fast therapeutische Dosierungen

Donnerstag, 8. November 2018

/dpa

Melbourne/Australien – Viele Medikamente, die im Körper nicht metabolisiert werden, gelangen über Urin und Faeces in die Abwässer und von dort in die Natur. Australische Forscher haben von 98 untersuchten Substanzen 69 in flussnahen Ökosystemen nachgewiesen. Bei einigen Tieren im oberen Bereich der Nahrungskette könnten laut einem Bericht in Nature Communications (2018; doi: 10.1038/s41467-018-06822-w) fast therapeutische Dosierungen erreicht werden. 

Die Abwässer einer Großstadt sind ein Abbild der Medikamente, die ihre Bewohner einnehmen. Wenn die Kläranlagen die Substanzen nicht entfernen, gelangen sie in die Umwelt. Erinn Richmond vom Cary Institute of Ecosystem Studies in Melbourne und Mitarbeiter konnten die Rückstände in 6 kleineren Flüssen in der Nähe von Melbourne und auch weiter entfernt nachweisen.

Anzeige

Die medizinischen Wirkstoffe werden dort zunächst von den Insektenlarven aufge­nommen. Von dort gelangen sie in den Körper der Spinnen und anderer Räuber. Mit jeder Stufe der Nahrungskette kommt es bei einigen Substanzen zu einer Anreicherung. In den Larven der Köcherfliegen, die sich im Flusswasser entwickeln, waren nicht weniger als 69 Wirkstoffe nachweisbar. Darunter waren das Antimykotikum Clotrimazol, die Antidepressiva Venlafaxin und Citalopram, der Betablocker Metoprolol und der Lipidsenker Fenofibrat.

Die Larven werden von Spinnen, aber auch von Fischen gefressen. Die Spinnen sind wiederum eine wichtige Nahrungsquelle für Schnabeltiere. Richmond schätzt, dass Antidepressiva bei Schnabeltieren bis zu 60 % der beim Menschen therapeutischen Konzentration erreichen, bei Forellen könnten etwa 30 % erreicht werden. Messungen in diesen beiden Spezies hat die Süßwassser-Ökologin allerdings nicht durchgeführt. Da Forellen ein beliebter Speisefisch sind, könnten die Wirkstoffe auch die Menschen erreichen.

Die Auswirkungen auf das Ökosystem sind laut Richmond erst ansatzweise untersucht. Studien hätten jedoch gezeigt, dass Amphetamine und Antidepressiva den Lebenszyklus der Insekten stören. Psychopharmaka könnten die Fähigkeiten von Spinnen zum Nestbau herabsetzen. Antidepressiva hätten Auswirkungen auf das Verhalten von Fischen. © rme/aerzteblatt.de

Liebe Leserinnen und Leser,

diesen Artikel können Sie mit dem kostenfreien „Mein-DÄ-Zugang“ lesen.

Sind Sie schon registriert, geben Sie einfach Ihre Zugangsdaten ein.

Oder registrieren Sie sich kostenfrei, um exklusiv diesen Beitrag aufzurufen.

Loggen Sie sich auf Mein DÄ ein

E-Mail

Passwort


Mit der Registrierung in „Mein-DÄ“ profitieren Sie von folgenden Vorteilen:

Newsletter
Kostenfreie Newsletter mit täglichen Nachrichten aus Medizin und Politik oder aus bestimmten Fachgebieten
cme
Nehmen Sie an der zertifizierten Fortbildung teil
Merkfunktion
Erstellen Sie Merklisten mit Nachrichten, Artikeln und Videos
Kommentarfunktion und Foren
Kommentieren Sie Nachrichten, Artikel und Videos, nehmen Sie an Diskussionen in den Foren teil
Job-Mail
Erhalten Sie zu Ihrer Ärztestellen-Suche passende Jobs per E-Mail.

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Avatar #747495
JohnR
am Dienstag, 27. November 2018, 23:16

Mit Antibiotika im Abwasser die Umwelt heilen ???

Ach, deshalb sah der Fisch, den ich gestern gegessen habe, so pausbäckig-gesund aus !!! Des Rätsels
Lösung !
LNS

Nachrichten zum Thema

17. April 2019
Stuttgart – In der Debatte um Luftverschmutzung in Städten will Baden-Württemberg Rechtsunsicherheiten bei der Verhältnismäßigkeit von Dieselfahrverboten höchstrichterlich klären lassen. Man wolle
Baden-Württemberg will höchstrichterliche Klärung zu NO2-Grenzwert
11. April 2019
Berlin – Deutschland sollte sich weiter bemühen, die Schadstoffbelastung in der Außenluft weiter zu senken. Zu diesem Schluss kam gestern eine Arbeitsgruppe der Leopoldina Nationale Akademie der
Lungenärzte begrüßen Leopoldinaempfehlung zu Luftschadstoffen
9. April 2019
Berlin – Wissenschaftler halten begrenzte Diesel-Fahrverbote auf einzelnen Straßen für wenig hilfreich, um die Luft in den Städten zu verbessern. Sie sprechen von „kurzfristigem Aktionismus“. Die
Wissenschaftler fordern breite Strategie für bessere Luft
28. März 2019
Straßburg – Der Kohlendioxid-Ausstoß von Neuwagen in der EU soll bis 2030 um 37,5 Prozent im Vergleich zu 2021 sinken. Das hat das EU-Parlament gestern beschlossen. Für leichte Nutzfahrzeuge ist eine
EU-Parlament beschließt zum Klimaschutz strengere Regeln für Autos
27. März 2019
Mainz – Jedes Jahr würden weltweit 5,5 Millionen Menschen weniger durch Luftverschmutzung vorzeitig sterben, wenn keine fossilen Brennstoffe mehr genutzt würden und auch die sonstigen Emissionen durch
Fossile Brennstoffe könnten in Deutschland 65 Prozent der vorzeitigen Todesfälle verantworten
26. März 2019
Berlin – Die Regierungskommission für den Verkehrsbereich hat sich in rund 17-stündigen Beratungen nicht auf einen Weg einigen können, das Klimaschutzziel für 2030 vollständig zu erreichen. Die
Kommission findet keine gemeinsame Linie zum Klimaschutz im Verkehr
15. März 2019
Berlin – Ausnahmen für neue Dieselautos, Kontrollen nur als Stichproben: Die Große Koalition will die Folgen von Fahrverboten in Städten möglichst gering halten. Eine der wichtigsten Regelungen, die
LNS LNS
NEWSLETTER