NewsMedizinGewalterfahrungen lassen Kinder schneller altern
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Medizin

Gewalterfahrungen lassen Kinder schneller altern

Donnerstag, 8. November 2018

/Jan H. Andersen, stockadobecom

Seattle – Körperliche, seelische oder sexuelle Misshandlungen können bei Kindern eine frühzeitige Pubertät auslösen, während Entbehrungen, etwa ein Nahrungsmangel, die körperliche Entwicklung verzögern. Dies zeigen Untersuchungen in Biological Psychiatry (2018; doi: 10.1016/j.biopsych.2018.09.008).

Gewalterfahrungen können die Gesundheit von Kindern nachhaltig schädigen. Eine zunächst paradox erscheinende Folge ist die beschleunigte körperliche Entwicklung. Die Psychologin Katie McLaughlin von der Universität des US-Staates Washington in Seattle erklärt dies mit der „Life-history“-Theorie von Evolutionsbiologen. Die frühzeitige Reifung sei der Versuch, sich in einer lebensfeindlichen Umwelt möglichst rasch fortzupflanzen. Nahrungsmangel habe dagegen eine gegenteilige Wirkung. Der Körper versuche dann, Energie zu sparen und verschiebe das Projekt der Fortpflanzung auf einen späteren Zeitpunkt. 

Anzeige

Die Untersuchungen, die McLaughlin an einer Gruppe von 247 Kindern im Alter von 8 bis 17 Jahren durchgeführt hat, bestätigen diese Theorie. Etwa ein Viertel der Befragten hatte angegeben, sexuellen Missbrauch erlebt zu haben, und 42 % hatten andere körperlichen Qualen erlitten. Das andere Extrem hatten 16 % der Kinder erfahren: Bei ihnen hatte es Phasen gegeben, in denen sie nicht genug zu essen hatten.

Wie McLaughlin berichtet, hatten Gewalterlebnisse bei den Kindern die Entwicklung beschleunigt. Sie befanden sich in einem fortgeschritteneren Stadium der Pubertät als die Kinder, die unter Entbehrungen gelitten hatten. Die Untersuchung der Chromosomen zeigte ein erhöhtes Ausmaß an Methylierungen der DNA. Die epigenetische „Lebenszeituhr“ der Kinder war schneller vorangeschritten. Die Gewalterlebnisse in der Kindheit könnten ihnen damit lebenslang geschadet haben, befürchtet McLaughlin.

Studien bei Erwachsenen hätten die beschleunigte epigenetische Alterung mit einer erhöhten Anfälligkeit auf Krebs, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Adipositas und einem vorzeitigen kognitivem Abbau im Alter in Verbindung gebracht. Erste Folgen der epigenetischen Alterung könnten laut McLaughlin die bei den Kindern beobachteten depressiven Symptome sein. © rme/aerzteblatt.de

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

LNS

Nachrichten zum Thema

12. November 2018
Paris – Bis zum Ende des kommenden Jahrzehnts drohen laut einer Studie Millionen kleine Kinder an einer Lungenentzündung zu sterben. Ausgehend von gegenwärtigen Tendenzen dürften bis 2030 mehr als
Elf Millionen Kinder drohen an Lungenentzündungen zu sterben
9. November 2018
Wiesbaden – Manche extrem dicken Kinder und Jugendliche haben bereits eine Herzmuskelverdickung oder andere Symptome, wie sie sonst erst im Alter ab 50 Jahren vorkommen. Gerade für diese Altersgruppe
Gelenkverschleiß: Arzt fordert mehr Therapie für extrem dicke Kinder
9. November 2018
Augsburg – Mehr als zweieinhalb Jahre nach der Verurteilung eines Kinderarztes zu einer langen Gefängnisstrafe wegen sexuellen Missbrauchs von 21 Jungen wird der Fall neu aufgerollt. Der Prozess gegen
Kinderarzt erneut wegen sexuellen Missbrauchs von Jungen vor Gericht
8. November 2018
Wuhan/China – Kinder von Frauen, die während der Schwangerschaft rauchen, entwickeln häufiger einen Strabismus. Dies kam in einer Metaanalyse in Acta Ophthalmologica (2018; doi: 10.1111/aos.13953)
Strabismus: Kinder von Raucherinnen schielen häufiger
6. November 2018
Berlin – Der Microsoft-Gründer Bill Gates und seine Frau Melinda verstärken ihr Engagement für die medizinische Versorgung von Frauen und Kindern in Entwicklungsländern. Vor einem Gebertreffen an
Gates-Stiftung verstärkt medizinische Hilfe für Mütter und Babys
31. Oktober 2018
Paris – Frankreichs Gesundheitsbehörden untersuchen nach eigenen Angaben, warum in einigen Regionen des Landes ungewöhnlich viele Babys ohne Hände, Unterarme oder Arme geboren werden. Das Ergebnis der
Frankreich untersucht Fälle von Neugeborenen mit Fehlbildungen
30. Oktober 2018
Washington – Zwischen 2006 und 2014 wurden in den USA rund 75.000 Minderjährige wegen Schusswaffenverletzungen in Krankenhäusern behandelt. Das zeigt eine gestern veröffentlichte Studie in Jama
LNS LNS

Fachgebiet

Anzeige

Weitere...

Anzeige

Aktuelle Kommentare

Archiv

NEWSLETTER