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Politik

Weiterentwicklung der Versorgung psychisch Kranker hin zu personenzentrierten Ansätzen

Donnerstag, 8. November 2018

/WavebreakMediaMicro, stock.adobe.com

Berlin – Das Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter­ium (BMG) will zusammen mit der Aktion Psychisch Kranke (APK) die Hilfen für psychisch kranke Menschen weiterentwickeln. Eine Auftaktveranstaltung in diesem auf zwei Jahre angelegten Prozess, der als „Verbändedialog” konzipiert ist, fand am Dienstag in Berlin statt. „Die zunehmende Akzeptanz psychischer Erkrankungen und die verbesserte Diagnostik haben zu einer Verdichtung des Behandlungsgeschehens geführt mit langen Wartezeiten und nicht optimaler Koordination in der Folge – wir brauchen eine bessere Verzahnung der Versorgung und noch mehr Bemühen in Richtung sektorenübergreifender Ansätze”, sagte Heiko Rottmann-Großner vom BMG. Ziel sei ein personenzentrierter Ansatz. „Wir wollen herausfinden, welche Maßnahmen wirken und wo es noch Handlungsbedarf gibt.”

„Am Ende dieser Legislaturperiode wird die Psychiatrie-Enquete 40 Jahre alt – wir haben viel erreicht, aber noch nicht genug”, betonte Jörg M. Fegert, stellvertretender Vorsitzender der APK. Das Konzept der personenzentrierten Hilfen, bei denen vom Patienten aus gedacht wird und nicht von der Einrichtung  oder vom Leistungs­erbringer aus, sei bereits mit der Enquete 1971 entwickelt worden. Damals ging es auch darum, die Betroffenen im Sinne von Partizipation in die Behandlung mit einzubeziehen. Die Selbsthilfe organisiere sich seit 1985 und habe vielfältige Erfolge vorzuweisen.

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Flächendeckende Etablierung sektorenübergreifender Hilfen

„Die flächendeckende Etablierung sektorenübergreifender Hilfen – auch eine Forderung der Psychiatrie-Enquete – ist aber immer noch nicht gelungen”, erklärte Fegert. Verbesserungsbedarf gebe es auch hinsichtlich der Stärkung der Patienten­rechte. Ebenso optimierungsbedürftig seien die Übergänge in der Versorgung psychisch kranker Jugendlicher bis ins junge Erwachsenenalter (Transition). Gestärkt werden müsse auch die gerontopsychiatrische Versorgung.

„Die Wartezeiten auf Therapieplätze sind mit fünf Monaten im Durchschnitt viel zu lang”, kritisierte Wolfgang Greiner, Mitglied des Sachverständigenrates zur Begutach­tung der Entwicklung im Gesundheitswesen (SVR). Die meisten Gebiete in Deutschland würden in der Bedarfsplanung als überversorgt ausgewiesen. Grund dafür sei der Anstieg von Psych-Fachärzten und Psychotherapeuten zwischen 2002 und 2017 und insbesondere der Anstieg von ärztlichen und Psychologischen Psychotherapeuten seit 2013.

Auslastung der Kassenarztsitze überprüfen

„Der Sachverständigenrat empfiehlt daher unter anderem, die Bedarfsplanung genauer anzuschauen und insbesondere die Auslastung der Kassenarztsitze zu überprüfen”, sagte Greiner. Weiter habe das jüngste Gutachten des SVR empfohlen, intensive ambulante Angebote zu schaffen, die die Lücke zwischen psychiatrisch/psycho­therapeutischer Behandlung und teilstationären Angeboten abdecken. Die Koordinationsverantwortung in der Versorgung psychisch Kranker sollte klar verortet werden. Darüber hinaus sollten die Chancen digitaler Angebote verstärkt genutzt werden, forderte der SVR-Vertreter.

Sektorenübergreifende Versorgung psychisch Kranker: Gefragt ist der Gesetzgeber

Der Sachverständigenrat kritisiert, dass sich die Sektorengrenzen bei der Versorgung psychisch Kranker besonders negativ bemerkbar machen. Es mangelt an Koordination und Kooperation. Die langen Wartezeiten im ambulanten Bereich treiben die Betroffenen in die Kliniken. Die Koordination der Versorgung psychisch kranker Menschen ist nicht einfach, zumal das System sehr komplex und fragmentiert ist.

Fokus auf die ambulante psychiatrische Versorgung

„Die Weiterentwicklung der Psychotherapie hat in den letzten Jahren viel Energie gebunden – das System der ambulanten psychiatrischen Versorgung braucht jetzt wieder mehr Aufmerksamkeit”, forderte Frank Bergmann, Vertreter der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) bei der Veranstaltung. Psychotherapeutisches Handeln sei von der psychiatrischen Tätigkeit nicht abzukoppeln. „Aber wir haben versäumt, die Strukturen anzupassen, Psychiater werden behandelt wie alle anderen Fachärzte auch, trotz anderer Bedingungen.“ Das müsse sich ändern, forderte der Psychiater und Vorstandsvorsitzende der Kassenärztlichen Vereinigung Nordrhein (KV-NO).

Den Ausbau einer koordinierten sektorenübergreifenden Behandlung für psychisch Kranke hält auch Bergmann für essenziell. „Wir üben mit dem NPPV-Modellprojekt in Nordrhein gerade, wie man mit einem Bezugsarzt oder -psychotherapeuten die Versorgung koordiniert.” Auch der Anschluss an die gemeindepsychiatrische Versorgung und an die Kliniken sei in dem Modell geregelt. Das NPPV-(Neurologisch-psychiatrische und psychotherapeutische Versorgung-)Projekt erprobt eine gestufte, koordinierte Versorgung im Gebiet der KV-NO. Das Projekt wird seit Oktober 2017 vom Innovationsfonds gefördert und läuft über vier Jahre.

„Wir brauchen keine zentrale Stelle, die alle Patienten durch das System schleust“

Die Ergebnisse des Modellprojekts ebenso wie eine Evaluation der im April 2017 initiierten Strukturreform der ambulanten Psychotherapie sollten nach Ansicht des KBV-Vertreters erst einmal abgewartet werden, bevor neue Gesetzesänderungen beschlossen werden. „Eine zentrale Stelle, die alle Patienten durch das psychiatrische/psychotherapeutische Versorgungssystem schleust, brauchen wir nicht – die psychotherapeutischen Sprechstunden und die Akutbehandlung funktionieren gut“, sagte Bergmann mit Bezug auf einen Passus im Kabinettsentwurf für ein Terminservice- und Versorgungsgesetz (TSVG).

Im TSVG wird gefordert, dass die psychotherapeutische Behandlung „im Rahmen einer gestuften und gesteuerten Versorgung“ erfolgen solle. Die Kritik an diesem Passus (Paragraf 92 Absatz 6a Sozialgesetzbuch V) von Seiten vieler Berufsverbände und der Bundes­psycho­therapeuten­kammer reißt nicht ab.

Kritik vom GKV-Spitzenverband

Der Vertreter des GKV-Spitzenverbands Thomas Uhlemann äußerte sich überwiegend kritisch insbesondere über die ambulante psychotherapeutische Versorgung. „Die Psychotherapeutensitze in Deutschland sind ungleich verteilt, die Wartezeiten für die Patienten zu lang, es gibt keine Qualitätssicherung und keine Transparenz.“ Zudem müssten Patienten mit schweren psychotischen Störungen oder Essstörungen deutlich länger auf einen Therapieplatz warten, als Patienten mit „leichten“ Beschwerden. „Die Psychotherapeuten können sich die Patienten aussuchen, sie verteilen die Plätze nach Indikation“, glaubt Uhlemann. Dagegen wandte sich explizit KBV-Vertreter Bergmann: „Diese Dichotomie aufrechtzuerhalten, bringt gar nichts.“ © PB/aerzteblatt.de

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Avatar #755912
trolligde
am Montag, 26. November 2018, 14:01

Weiterentwicklung der Versorgung psychisch Kranker hin zu personenzentrierten Ansätzen

"Die Selbsthilfe organisiere sich seit 1985 und habe vielfältige Erfolge vorzuweisen."
Die APK arbeitet mit einer Selbsthilfegruppe zusammen die mit 30 Mitgliedern ganz Deutschland repräsentieren wollen.
Von Selbsthilfe Beteiligung kann da wohl keine Rede sein! Wer sich das nur ausgedacht hat
Avatar #112539
heueka47
am Freitag, 16. November 2018, 20:09

Unwissenschaftliche Heilung der unsichtbaren Ursache

2011 haben sich bei einer Tagung hochrangige Wissenschaftler / Psychiater gegenüber den "dramatisch" steigenden psychischen Störungen / Erkrankungen für "machtlos" erklärt.
Sie irr(t)en sich!

Die Wissenschaft kennt im Grunde die wesentliche tiefere Ursache, aber sie ist sich dessen nicht bewußt. Ich meine damit die "kollektive Neurose". Die allermeisten derer, die davon wissen, können nur die "Spitze des Eisbergs" sehen - aus Gründen eigenen Befallenseins.

Kollektive Neurosen bestehen aus den individuellen Neurosen der (Mehrheit der) Mitglieder des - jeweiligen, gemeinten - Kollektivs.

Neurose verstehe ich primär als den Zustand zwischen seelischer Verletzung / Traumatisierung und grundlegender, natürlicher, Heilung.
Neurose ist in Wahrheit weitaus mehr als nur die in manchen Veröffentlichungen beschriebenen auffälligen Symptome.

Der größere Teil der Symptome "versteckt" sich in der - angeblichen, vermeintlichen - "Normalität" der zivilisierten Gesellschaft.
Die Krankheit selbst "versteckt" sich im Unbewußten der Befallenen.

Im Zustand der Neurose befindet sich die Seele - die ich als rein energetisches (nichtmaterielles, feinstoffliches) Lebewesen sehe - in einer Art "Rückzugs- / Schutzhaltung", wodurch ihr Leistungs-Potenzial für den materiellen (grobstofflichen) Aspekt des Menschen nur begrenzt verfügbar ist.

Das Leistungs-Potenzial der Seele umfaßt im Wesentlichen ZWEI Komponenten:

1.: ENERGIE (feinstoffliche Lebens-Energie, Kraft der Liebe und des Friedens, Heilkraft, usw.)
und
2.: INFORMATION (intuitive Erkenntnisse, Eingebungen, Ahnungen, Fügungen, Führung, usw.).

Bei Mangel an diesen Komponenten kann kein wahres Leben / Sein, keine gesunde Entwicklung, stattfinden - so daß befallene Menschen auch nicht wahrhaft (geistig-seelisch) erwachsen werden können.



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