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Medizin

Thrombozyten­transfusionen erhöhen Sterblichkeit von Frühgeborenen

Donnerstag, 8. November 2018

/dpa

Dublin – Die Behandlung von Frühgeborenen mit Thrombozytenkonzentraten (von Erwachsenen) ist offenbar nicht ohne Risiken. In einer randomisierten Studie im New England Journal of Medicine (2018; doi: 10.1056/NEJMoa1807320) kam es häufiger zu schweren Blutungen oder Todesfällen, wenn die Behandlung bereits bei einem relativ hohen Schwellenwert, also einer vergleichsweise milden Thrombozytopenie begonnen wurde. 

Frühgeborene haben häufig einen relativen Mangel an Blutplättchen. Da die Thrombozytopenie das Risiko von Blutungen erhöht, werden häufig Thrombozyten­transfusionen durchgeführt. Die Konzentrate werden aus Blutspenden hergestellt. Dass die Verwendung derartiger biologischer Produkte nicht ohne Risiken ist, zeigte sich zuletzt in der PATCH-Studie. Dort waren Patienten, bei denen eine Behandlung mit Antikoagulanzien zu einer Hirnblutung geführt hatte, mit Thrombozyten­konzentraten behandelt worden. Dies erwies sich nicht nur als wirkungslos, sondern sogar als schädlich. Es starben doppelt so viele Patienten wie in einer Vergleichsgruppe, die keine Thrombozyten­konzentrate erhalten hatten (Lancet 2016; 387; 2605-2613).

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Die internationale PlaNet-2/MATISSE-Studie hat untersucht, ob Thrombozyten­konzentrate Frühgeborene mit einer Thrombozytopenie vor einem Tod oder vor schweren Blutungen schützen kann. An der Studie beteiligten sich 43 pädiatri­sche/neonatale Zentren in Großbritannien, Irland und den Niederlanden. 

Insgesamt 660 Neugeborene mit Thrombozytenwerten von unter 100.000/mm3 wurden auf 2 Gruppen randomisiert. Die erste erhielt Thrombozytenkonzentrate, wenn die Thrombozyten auf unter 50.000/mm3 abgefallen waren (hoher Schwellenwert). In der 2. Gruppe erfolgte eine Behandlung erst bei einem Abfall auf unter 25.000/mm3 (niedriger Schwellenwert).

Die Kinder waren nach einer mittleren Schwangerschaftsdauer von 26,6 Wochen mit einem mittleren Gewicht von 740 g geboren worden. In der Gruppe mit dem hohen Schwellenwert erhielten 296 von 328 Säuglingen (90 %) mindestens eine Thrombozyten­transfusion. In der Gruppe mit niedrigem Schwellenwert wurden nur 177 von 331 Säuglingen (53 %) behandelt.

Der primäre Endpunkt der Studie war der Tod der Kinder oder eine schwere Blutung. Er trat in der Gruppe mit hohem Schwellenwert bei 85 von 324 Kindern auf (26 %) gegenüber nur 61 von 329 Kindern (19 %) in der Gruppe mit dem niedrigen Schwellenwert. Anna Curley vom National Maternity Hospital in Dublin und Mitarbeiter ermitteln eine Odds Ratio von 1,57, die mit einem 95-%-Konfidenzintervall von 1,06 bis 2,32 signifikant war. Auch die Zahl der Todesfälle war mit 48 versus 33 tendenziell höher, wenn die Neonatologen bereits bei einen Abfall der Thrombozyten auf unter 50.000/mm3 mit Thrombozyten­transfusionen begannen. Die Odds Ratio von 1,56 war mit einem 95-%-Konfidenzintervall von 0,95 bis 2,55 jedoch statistisch nicht signifikant.

Die Gründe für die schlechteren Ergebnisse nach frühzeitiger Thrombozytengabe sind unklar. Vermehrte Probleme mit der Verträglichkeit der Thrombozyten­transfusion hat es nicht gegeben. Die Rate von Nebenwirkungen war in beiden Gruppen vergleichbar: 25 % in der Gruppe mit hohem Schwellenwert und 22 % in der Gruppe mit niedrigem Schwellenwert (Odds Ratio 1,14; 0,78-1,67).

Curley vermutet, dass die Thrombozyten immunologische und entzündliche Reaktionen auslösen. Dafür spricht, dass es in der Gruppe mit hohem Schwellenwert häufiger zu einer bronchopulmonalen Dysplasie (63 versus 54 %; Odds Ratio 1,54; 1,03-2,30) kam. Die Kapillaren der Lungen von Frühgeborenen enthalten laut Curley eine größere Zahl von Abwehrzellen, die besonders empfindlich auf die transfundierten Thrombozyten reagieren könnten. Die Tatsache, dass die Thrombozyten­konzentrate von erwachsenen Spendern stammen, könnte ebenfalls eine Rolle gespielt haben. © rme/aerzteblatt.de

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