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Digital Health kommt in Deutschland laut Industriestudie nur schleppend voran

Donnerstag, 8. November 2018

/Gorodenkoff, stockadobecom

Düsseldorf/Berlin – Die Digitalisierung der Gesundheitswirtschaft birgt nicht nur Chancen für die Versorgung, sondern hat auch großes Potenzial bei Umsätzen und Arbeitsplätzen. Das prognostizieren die Autoren der Unternehmensberatung Roland Berger in einer neuen Studie. Sie haben für ihre Analyse mehr als 200 Medizin­technikunternehmen befragt sowie Experteninterviews mit Versorgern, Start-ups, Kassenvertretern und der Politik geführt. Auftraggeber war der Industrieverband Spectaris und die Messe Düsseldorf.

Laut der Prognose werden die Medizintechnikunternehmen in Deutschland im Jahr 2028 alleine mit digitalen Produkten und Dienstleistungen einen Umsatz von 15 Milliarden Euro erzielen, aktuell sind es 3,3 Milliarden Euro. „Das entspricht einem jährlichen Umsatzplus von 16 Prozent in diesem Segment“, betonte der Spectaris-Geschäftsführer Jörg Mayer. Sollte es zu diesem Anstieg kommen, werde 2028 fast ein Drittel der Umsätze durch digitale Produkte erwirtschaftet. „Medizinprodukte und Services ohne digitale Komponenten dürften künftig eher die Ausnahme als die Regel sein“, so Mayer. Im Rahmen dieser Entwicklung könnten laut der Studie rund 10.000 neue Arbeitsplätze in Deutschland entstehen.

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Die Digitalisierung wird laut der Studie vor allem den Patienten zugutekommen, etwa durch neue Diagnose- oder Therapiemöglichkeiten. Eine Verbesserung der Versorgungsqualität in den kommenden fünf Jahren erwartet knapp jeder Dritte, in den nächsten zehn Jahre sogar fast zwei Drittel der Befragten. „Profitieren können die Patienten nicht nur durch den effizienteren Einsatz von Ärzten und medizinischem Personal, sondern auch durch einen einfacheren Zugang zu spezialisiertem Know-how, etwa indem bei komplizierten Operationen Experten von benachbarten Unikliniken oder sogar aus dem Ausland virtuell hinzugezogen werden können“, erläutert Horst Giesen, Global Portfolio Director Health & Medical Technologies der Messe Düsseldorf.

Trotz dieser Vorteile kommt Digital Health in Deutschland laut der Studie nur schleppend voran. „98 Prozent der befragten Unternehmen wünschen mehr Unterstützung durch die Politik. Sie brauchen klare politische Rahmenbedingungen“, erläutert Thilo Kaltenbach, Senior Partner von Roland Berger. Besonders die sektorale Trennung sehen die Studienteilnehmer als Problem. Die Schnittstellen zwischen stationärer, ambulanter und anderer indikationsspezifischer Versorgung sei bislang kaum oder unzureichend vernetzt, so ihr Befund. „Die Investitionen in digitale Healthcare-Projekte werden meistens nach dem Gießkannenprinzip verteilt“, bemängelt Kaltenbach weiter. Nötig sei aber ein „klarer Fokus bei der Verteilung der Investitionen, damit sie an den relevanten Stellen ankommen und eine deutliche Verbesserung der Gesundheitsversorgung für die Bürger mit sich bringen“, so der Studienautor.

Die Ökonomen geben in der Studie Handlungsempfehlungen für eine wettbewerbs­fähige digitale Gesundheitswirtschaft. Dazu gehören unter anderem eine nationale E-Health-Strategie, eine Priorisierung der Digitalisierung in den Medizintechnik­unternehmen sowie die Entwicklung eines umfangreichen Infrastrukturprogramms, das Breitbandinfrastruktur, IT-Sicherheit von medizinischen Einrichtungen und die IT-Infrastruktur in Krankenhäusern und im ambulanten Bereich unterstützt. © hil/aerzteblatt.de

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Avatar #79783
Practicus
am Freitag, 9. November 2018, 21:41

Lieber Kollege Schätzler

Die "AI" wird in absehbarer Zeit problemlos die Aufgaben des Primäraztes übernehmen können. Die ganzen Landarztprogramme werden ihre Absolventen erst dann in die Praxis entlassen, wenn sie kein Mensch mehr braucht. "VERAH" und "AGNES" brauchen dann nur noch ein Tablet und erledigen 90% der Aufgaben eines Hausarztes, möglicherweie sogar qulitativ besser...
Avatar #88767
fjmvw
am Freitag, 9. November 2018, 09:44

Und die Ärzteschaft bleibt dabei auf der Strecke?

Wer eine deutliche Verbesserung der Gesundheitsversorgung durch Investitionen in Digitalisierung erreichen will, wird investieren müssen. So weit, so gut.

Industrie, Politik, Wissenschaft und Ärztefunktionäre verbreiten auf allen Kanälen unisono, dass man mit Investitionen in die Digitalisierung die Qualität der Versorgung deutlich steigern wird. Bei der ganzen Euphorie hat man leider zwei Dinge vergessen. Erstens eine belastbare Gegenüberstellung von Kosten und Nutzen der Digitalisierung. Was Digitalisierung kostet, wird man beziffern können. Die Frage, welchen Nutzen sie stiften wird, ist unbeantwortet.
Zum Zweiten wurde der Faktor Mensch vergessen. Denn der Mensch, also der Arzt, ist die entscheidende Schlüsselressource. Seine Einstellung zur Digitalisierung entscheidet darüber, ob "das Ding fliegen wird" oder ob es zum Rohrkrepierer wird. Die Digitalisierung, insbesondere die Künstliche Intelligenz, hat ein gewaltiges Potenzial. Sinnvoll eingesetzt wird sie Ärzte unterstützen können.

Falls sich aber die Ärzte angesichts der schier unzähligen Apps und Technologien, die ihnen für die Behandlung zur Verfügung stehen könnten, dazu entscheiden, auch in Zukunft einen Hausbesuch wie vor 5 Jahren durchzuführen, ist der digitalisierte HighTech am realen Bedarf vorbei produziert worden.
Ärzte werden ganz sicher die Möglichkeiten der Digitalisierung nutzen. Immer dann, wenn sie sich davon Vorteile versprechen. Den Ärzten Digitalisierung zwangsweise überstülpen zu wollen nach dem Motto „wir bestimmen, dass du das alles nutzen musst“, wird die Digitalisierungsstrategie auf ganzer Linie scheitern lassen.

Derzeit sieht es so aus, als wollen die Player bei der Digitalisierung auf die Ärzteschaft keine Rücksicht nehmen.
Es ist natürlich eine Strategie, über die Köpfe der Betroffenen hinweg zu entscheiden, was in Sachen Digitalisierung zu passieren hat. Ob es eine kluge Strategie ist, wird sich zeigen.
LNS

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