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Zahnärzte warnen vor MVZ-Übernahmen durch Kapitalinvestoren

Freitag, 9. November 2018

/dpa

Berlin – Die Standesorganisationen der Zahnärzte in Deutschland haben davor gewarnt, dass immer mehr Zahnmedizinische Versorgungszentren (Z-MVZ) in die Hand von versorgungsfremden Kapitalinvestoren gelangen. „Grundpfeiler unserer freien Berufsausübung sind Weisungsunabhängigkeit, ethische Verpflichtung und Gemeinwohlauftrag. Das sind für diese Investoren Fremdwörter – was für sie zählt, ist die Gewinnmaximierung und die höchstmögliche Verzinsung des Kapitals. Davor müssen unsere Patienten geschützt werden“, sagte der Präsident der Bundes­zahnärztekammer, Peter Engel, zum Deutschen Zahnärztetag 2018.

„Reine Zahnarzt-MVZ und deren Ketten unter Kontrolle von versorgungsfremden Investoren befeuern das Praxissterben und damit Unterversorgung in ländlichen und strukturschwachen Gebieten, während sie Über- und Fehlversorgung in Großstädten und einkommensstarken Regionen forcieren“, warnte Wolfgang Eßer, Vorsitzender des Vorstandes der Kassenzahnärztlichen Bundesvereinigung (KZBV).

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Versorgungsfremde Investoren gefährden die Sicherstellung

Das gefährde die Sicherstellung der flächendeckenden und wohnortnahen Versorgung und das Recht auf freie Arztwahl der Patienten. „Wir fordern die Politik auf, diesen Systemumbau zulasten der Versicherten endlich zu unterbinden! Dazu muss die Gründungsberechtigung von Krankenhäusern für reine Zahnarzt-MVZ auf räumlich-regionale sowie medizinisch-fachliche Bezüge gesetzlich beschränkt werden. Solche Kliniken dienen versorgungsfremden Investoren als Einfallstor in die ambulante zahnärztliche Versorgung“, so Eßer.

Laut der KZBV gab es Ende Juni dieses Jahres in Deutschland 60 Z-MVZ in der Hand von Finanzinvestoren. Für das dritte Quartal 2018 rechnet die KZBV mit einem Anstieg auf 70 mit Finanzinvestoren mittelbar oder unmittelbar verbundenen Z-MVZ.

Gegen die Behauptung, die zahnmedizinische Versorgung werde durch die Beteiligung von Kapitalgebern akut gefährdet, wehrt sich der Bundesverband für nachhaltige Zahnheilkunde (BNZK). „Insbesondere in ländlichen Gebieten, in denen niedergelassene Zahnärzte häufig keine Nachfolger mehr finden, stellen Medizinische Versorgungszentren mit erheblichen Investitionen in moderne Behandlungstechnik und Personal die Versorgung der Patienten sicher“, teilte der Verband mit.

Auch im ärztlichen Bereich übernehmen Finanzinvestoren MVZ. Die Größenordnung ist jedoch unklar. Das geht aus einer Antwort der Bundesregierung auf eine kleine Anfrage der Fraktion „Die Linke“ im Deutschen Bundestag hervor. Laut einer Analyse von von Rainer Bobsin im Auftrag der Gewerkschaft Verdi steigt die Zahl der Übernahmen von Gesundheitseinrichtungen durch Private-Equity-Gesellschaften, die privates Kapital einsammeln und investieren, seit Jahren und erreichte 2017 mit 70 Übernahmen einen Höhepunkt. MVZ bildeten dabei laut Bobsin einen Schwerpunkt der Investments.

Die Zahl der MVZ in Händen von Finanzinvestoren liegt laut Bobsin zurzeit schätzungsweise bei 420. Diese Zahl ist aber nicht bestätigt: „Für den ärztlichen Bereich kann nach Mitteilung der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) eine verlässliche Zuordnung der Träger zu Private-Equity Gesellschaften nicht vorgenommen werden“, heißt es in der Antwort der Bundesregierung auf die Kleine Anfrage. © hil/aerzteblatt.de

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