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Medizin

Global Burden of Disease Study: Gesundheit der Weltbevölkerung wird fragiler

Freitag, 9. November 2018

/dpa

Seattle – Trotz einer weiter gestiegenen Lebenserwartung nehmen die Gesundheits­risiken in vielen Ländern der Erde zu. Zu den Bedrohungen gehören laut der Global Burden of Disease Study 2017 auch kriegerische Konflikte und Terrorismus sowie eine Opioidkrise. Laut einer Artikelserie im Lancet (2018; 392: 1684-2138) sterben immer mehr Menschen an nichtübertragbaren Erkrankungen, in vielen Ländern fehlt es an medizinischem Personal und die Geburtenrate steigt ausgerechnet in den Ländern, in denen die Überlebenschancen der Kinder noch immer am schlechtesten sind.

Auf den ersten Blick konnten sich die Menschen niemals in ihrer Geschichte so guter Gesundheit erfreuen wie heute. Die Lebenserwartung von Männern ist seit 1950 von 48,1 auf 70,5 Jahre gestiegen. Frauen leben im Durchschnitt sogar 75,6 Jahre gegen­über 52,9 Jahren im Jahr 1950. Diese Zahlen, die ein internationales Forscherteam um Christopher Murray vom Institute for Health Metrics and Evaluation in Seattle ermittelt hat, überdecken allerdings enorme regionale Unterschiede. Die Lebenserwartung schwankte 2017 zwischen 49,5 Jahren für Männer in der Zentralafrikanischen Republik bis zu 87,6 Jahren für Frauen in Singapur.

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Die größten Fortschritte hat es bei Kindern unter fünf Jahren gegeben. In Jahr 1950 kamen hier noch 216,0 Todesfälle auf 1.000 Lebendgeburten. Im Jahr 2017 waren es nur noch 38,9 Todesfälle auf 1.000 Lebendgeburten.

Global gesehen ist die Lebenserwartung in allen Altersgruppen seit 1950 mehr oder weniger kontinuierlich gestiegen. Es hat zwar durch Kriege, Naturkatastrophen und die HIV-Pandemie hier und dort Rückschläge gegeben. Den größten Einbruch hat übrigens eine politische Fehlentscheidung ausgelöst: Der „Große Sprung nach vorn“, der um 1960 in China zu einer Hungerkatastrophe führte, ist auch bei den globalen Zahlen als deutliche Negativzacke in der Entwicklung der Lebenserwartung erkennbar. Eine Delle hat der Transformationsprozess in Zentral- und Osteuropa nach 1989 ausgelöst, der sich vor allem bei Männern bemerkbar machte. Doch insgesamt ging der Trend nach oben.

Dennoch sind im Jahr 2017 mit 5,4 Millionen noch mehr Kinder in den ersten fünf Lebensjahren gestorben als 1950, als die Welt­gesund­heits­organi­sation 5,0 Millionen Todesfälle registrierte. Der Anstieg hängt zum einem mit dem Wachstum der Weltbevölkerung zusammen, die von 2,57 auf 7,64 Milliarden zugenommen hat. Zum anderen bestätigt sich die Gesetzmäßigkeit, dass in einem Land umso mehr Kinder geboren werden, je ärmer die Bevölkerung ist.

Die Fertilitätsrate, also die Zahl der Kinder, die eine Frau im Verlauf ihres Lebens gebärt, liegt in Niger derzeit bei 7,1 und im Tschad bei 6,7. In 9 weiteren Ländern Afrikas südlich der Sahara und in Afghanistan liegt die Fertilitätsrate bei über 5. Insgesamt 102 Länder verzeichnen derzeit einen „Baby-Boom“, der trotz vieler Kriege und Konflikte meist zu einer Zunahme der Bevölkerung führt.

In insgesamt 91 Ländern ist die Fertilitätsrate dagegen auf unter 2 gesunken. Am niedrigsten ist sie auf Zypern, wo jede Frau im Durchschnitt nur ein Kind bekommt. Es folgen Singapur, Spanien, Portugal, Norwegen und Südkorea. In diesen Ländern führt ein „Baby-Bust“ zu einem Rückgang der Bevölkerung, und die Alterspyramide verschiebt sich in ein höheres Alter, in dem chronische Erkrankungen im Vordergrund stehen.

Dies hat Auswirkungen auf die Todesursachen. 3 Viertel aller Todesfälle (73,4 %) weltweit sind auf nichtübertragbare Erkrankungen zurückzuführen. Die Hälfte aller Todesfälle lässt sich auf 4 zivilisatorische Risikofaktoren zurückführen: Bluthochdruck (10,4 Millionen), Rauchen (7,1 Millionen), hoher Blutzucker (6,5 Millionen) und hoher Body-Mass-Index (4,7 Millionen). 

Auch die 3 Hauptursachen für Behinderungen gehören nicht nur in den reicheren Ländern zu den Volkskrankheiten: Rückenschmerzen, Kopfschmerzen und Depressionen.

Aber auch die Zahl der Todesfälle durch Konflikte und Terrorismus ist gestiegen – zwischen 2007 und 2017 um schätzungsweise 118 Prozent. Eine anhaltende Epidemie der Opioidabhängigkeit mit mehr als 4 Millionen neuen Abhängigen hat 2017 zu immerhin rund 110.000 Todesfällen geführt.

In vielen Ländern fehlt es an Ärzten. Nur in 41 von 195 Ländern kommen auf 10.000 Einwohner mehr als 30 Ärzte (die meisten übrigens auf Kuba). In 92 Ländern gibt es weniger als 10 Ärzte pro 10.000 Einwohner. 

Noch ausgeprägter ist in vielen Ländern der Mangel an Pflegepersonal. Nur in 28 Ländern kommen mehr als 100 Krankenschwestern oder Hebammen auf 10.000 Einwohner. In 90 Ländern waren es weniger als 30 Krankenschwestern oder Hebammen pro 10.000 Einwohner. © rme/aerzteblatt.de

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