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Medizin

Antibiotika­resistente Bakterien auf Salat und Frische­produkten nachgewiesen

Montag, 12. November 2018

/dpa

Braunschweig/Berlin – Gewaschene und fertig geschnittene Salate, wie sie in Supermärkten für den Verzehr angeboten werden, können mit hygienerelevanten Keimen kontaminiert sein. Eine Arbeitsgruppe unter Federführung von Kornelia Smalla vom Julius-Kühn-Institut (JKI) hat jetzt nachwiesen, dass darunter auch Keime sind, die Resistenzen gegen Antibiotika tragen. Die Arbeit ist in der Fachzeitschrift mBio erschienen (2018; doi: 10.1128/mBio.01300-18).

Für die Untersuchungen erwarb die Arbeitsgruppe in deutschen Supermärkten Mix-Salate, Rucola und die Gewürzpflanze Koriander. Die Proben wurden untersucht, um die Gesamtheit der übertragbaren Antibiotika-Resistenzgene in Escherichia coli auf diesen Lebensmitteln zu ermitteln. Die Wissenschaftler konzentrierten sich bei den Untersuchungen auf den Teil der Escherichia-coli-Bakterien, die gegen den Wirkstoff Tetrazyklin resistent sind.

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Tetrazyklinantibiotika werden in der Tierhaltung eingesetzt, wo sie etwa im Darm der Nutztiere die Entwicklung und Vermehrung resistenter Keime fördern können. Diese Keime, aber auch ein Teil der Antibiotika, werden ausgeschieden und kommen über organische Dünger wie Gülle auf die Felder.

„Die Ergebnisse aus den umfangreichen Untersuchungen zeigen eindeutig, dass eine beachtliche Vielfalt von übertragbaren Plasmiden, das sind außerhalb der Chromo­somen vorkommende Erbträger in Bakterien, mit Resistenzgenen in den Escherichia-coli-Bakterien aus Frischeprodukten gefunden wurde. Diese tragen Resistenzen gegen jeweils mehrere Antibiotikaklassen. Bakterien mit diesen Eigenschaften waren auf allen drei geprüften Lebensmitteln zu finden“, berichtet Smalla.

Wie häufig es angesichts der geringen Belastung mit den Bakterien auf Salat mög­licher­weise zu einer Übertragung von Resistenzen im menschlichen Darm kommt, ist bisher nicht bekannt. Ebenso, ob und in welchem Umfang es zu Erkrankungen durch so entstandene resistente Bakterien kommt. „Was dies für das gesundheitliche Risiko von Verbrauchern bedeutet, wird jetzt vordringlich bewertet“, sagte Andreas Hensel, Präsident des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR).

Generell sollten Verbraucher Rohkost, Blattsalate und frische Kräuter vor dem Verzehr gründlich mit Trinkwasser waschen, um das Risiko der Aufnahme von Krankheitserregern oder antibiotikaresistenten Bakterien zu minimieren, empfiehlt das BfR.

Schwangere und Personen, deren Abwehrkräfte durch hohes Alter, Vorerkrankungen oder Medikamenteneinnahme geschwächt sind, sollten darüber hinaus zum Schutz vor lebensmittelbedingten Infektionen auf den Verzehr von vorgeschnittenen und verpackten Salaten verzichten und stattdessen Salate aus frischen und gründlich gewaschenen Zutaten kurz vor dem Verzehr selbst zubereiten. 

Durch das Waschen lassen sich die auf den pflanzlichen Lebensmitteln möglicherweise vorhandenen Krankheitserreger oder antibiotikaresistenten Bakterien jedoch nicht sicher entfernen. Deshalb ist es laut BfR in seltenen Einzelfällen notwendig, dass besonders immungeschwächte Personen gemäß Anweisung ihrer behandelnden Ärzte, Gemüse und frische Kräuter vor dem Verzehr ausreichend erhitzen – und zwar auf 70 °C im Inneren des Lebensmittels für mindestens zwei Minuten. © hil/aerzteblatt.de

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