NewsMedizinLymphatische Filariose: Drei Wirkstoffe erleichtern Eradikation von tropischen Fadenwürmern
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Medizin

Lymphatische Filariose: Drei Wirkstoffe erleichtern Eradikation von tropischen Fadenwürmern

Montag, 12. November 2018

Wuchereria bancrofti /dpa

Cleveland/Ohio – Filariosen, an der in über 50 tropischen und subtropischen Ländern etwa 120 Millionen Menschen leiden, können durch die Einmalgabe einer Dreifachkombination effektiver als bisher behandelt werden. Dies zeigen die Ergebnisse einer Studie im New England Journal of Medicine (2018; 379: 1801-1810), die die Welt­gesund­heits­organi­sation (WHO) bereits zur Erneuerung ihrer Leitlinien bewogen hat.

Filariosen werden durch Wuchereria bancrofti und verwandte Fadenwürmer verursacht, die in den Lymphgefäßen des Menschen leben. Die bis zu 4 Zentimeter langen Männchen und die bis zu 10 Zentimeter langen Weibchen bilden dort Nester, die die Lymphgefäße verlegen. Die Stauung der Lymphe hat Ödeme der Beine und Arme oder auch des Hodensacks zur Folge, die groteske Ausmaße annehmen können und dann als Elephantiasis tropica bezeichnet werden. Die überwiegende Mehrheit der Infizierten bleibt jedoch asymptomatisch, wenn auch bis zu 40 % Nierenschäden mit Proteinurie und Hämaturie entwickeln.

Die Erkrankung ist auf tropische und subtropische Regionen in China, Amerika, Asien, Afrika und im Pazifik beschränkt, wo die Würmer vor allem durch Stechmücken der Gattungen Culex, Anopheles und Aedes übertragen werden.

Die WHO hat im Jahr 2000 ein globales Programm zur Eradikation der Filariose begonnen. Die Eliminierung ist möglich, da Wuchereria bancrofti nur den Menschen infiziert (die verwandten Fadenwürmer Brugia nur selten auch Tiere). Die von der WHO ausgegebene Strategie, die als präventive Chemotherapie bezeichnet wird, besteht darin, in den endemischen Regionen die gesamte Bevölkerung (ausgenommen Kinder unter 2 Jahren, Schwangere und Schwerkranke) einmal im Jahr mit Antihelminthika zu behandeln.

Dies kann die Krankheit nicht kurieren, es beseitigt aber die Mikrofilarien, die von den Lymphen in den Blutkreislauf und von dort bei einem Mückenstich in die Stechmücken gelangen. Dort entwickelt sich dann eine neue Generation von Larven. Nach Schätzungen der WHO kann der Vermehrungszyklus in einer Region innerhalb von wenigen Jahren gestoppt werden, wenn mindestens 65 % der Bevölkerung sich an der Kampagne beteiligen und in dieser Zeit einmal im Jahr die Medikamente einnehmen. In 20 Ländern konnte die Filariose auf diese Weise bereits eliminiert werden.

Bislang wurden 2 Wirkstoffe kombiniert. In den meisten Regionen waren dies Diethylcarbamazin und Albendazol. In den Ländern, in denen auch die Onchozerkose, eine weitere Filariose, endemisch ist (größtenteils in Afrika und Jemen), wurde eine Kombination aus Ivermectin und Albendazol eingesetzt.

Die neue Strategie besteht in der Gabe aller 3 Wirkstoffe, also Ivermectin plus Diethylcarbamazin plus Albendazol. In einer Studie, die zwischen Juni und Dezember 2014 in 12 Dörfern in Papua Neu-Guinea stattfand, wurden 182 Bewohner, die mehr als 50 Mikrofilarien pro Milliliter in einer Fingerblutprobe hatten, auf 3 Gruppen randomisiert: Die erste Gruppe von 60 Teilnehmern erhielt eine Einzeldosis der Dreifachkombination, die zweite Gruppe (61 Teilnehmer) wurde einmal mit der bisherigen Zweifachkombination behandelt und die dritte Gruppe (61 Teilnehmer) erhielt die Zweifachkombination einmal pro Jahr über 3 Jahre.

Wie das Forscherteam um James Kazura von der Case Western Reserve University School of Medicine in Cleveland/Ohio berichtet, beseitigte die einmalige Gabe der Dreifachkombination die Mikrofilarien bei 55 von 57 Teilnehmern (96 %) nach 12 Monaten, bei 52 von 54 Teilnehmern (96 %) nach 24 Monaten und bei 55 von 57 Teilnehmern (96 %) nach 36 Monaten.

Dieses optimale Ergebnis unterschied sich nicht von der dreimaligen Gabe der Zweierkombination, während die einmalige Gabe der Zweierkombination die Mikrofilarien nicht zuverlässig eliminierte.

Die Ergebnisse haben die WHO überzeugt, die seit dem letzten Jahr die IDA-Kombination (Ivermectin, Diethylcarbamazin und Albendazol) als Alternative zu der bisherigen Zweierkombination zugelassen hat. Bisher haben 4 Länder beschlossen, die IDA-Kombination zu verwenden. Weitere 10 Länder wollen sie im nächsten Jahr einführen. Die WHO hofft auf eine beschleunigte Eliminierung der Filariose.

Seit 2000 wurden 7,1 Milliarden Behandlungen bei mehr als 890 Millionen Menschen durchgeführt. Insgesamt 554 Millionen benötigen laut der WHO keine weiteren Behandlungen mehr. © rme/aerzteblatt.de

Liebe Leserinnen und Leser,

diesen Artikel können Sie mit dem kostenfreien „Mein-DÄ-Zugang“ lesen.

Sind Sie schon registriert, geben Sie einfach Ihre Zugangsdaten ein.

Oder registrieren Sie sich kostenfrei, um exklusiv diesen Beitrag aufzurufen.

Loggen Sie sich auf Mein DÄ ein

E-Mail

Passwort


Mit der Registrierung in „Mein-DÄ“ profitieren Sie von folgenden Vorteilen:

Newsletter
Kostenfreie Newsletter mit täglichen Nachrichten aus Medizin und Politik oder aus bestimmten Fachgebieten
cme
Nehmen Sie an der zertifizierten Fortbildung teil
Merkfunktion
Erstellen Sie Merklisten mit Nachrichten, Artikeln und Videos
Kommentarfunktion und Foren
Kommentieren Sie Nachrichten, Artikel und Videos, nehmen Sie an Diskussionen in den Foren teil
Job-Mail
Erhalten Sie zu Ihrer Ärztestellen-Suche passende Jobs per E-Mail.

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Avatar #102041
LymphVerein
am Dienstag, 13. November 2018, 10:07

554 Millionen benötigen keine Behandlungen mehr

Dass, was die Infektion betrifft, 554 Millionen keine weiteren Behandlungen mehr benötigen, ist korrekt. Doch die rund 40 Mio. Menschen, die an massiven Lymphödemen mit sekundären Gewebsumbauten (Elephantiasis) bzw. Hydrocelen leiden, sind völlig unversorgt. Dabei lassen sich selbst diese ausgeprägten Krankheitsbilder mit der Komplexen Physikalischen Entstauungstherapie (KPE) gut behandeln. Wir, der "Verein zur Förderung der Lymphoedemtherapie e.V." (gegr. 1999), planen in Kooperation mit dem indischen "Institute of Applied Dermatology" (https://iad.org.in/) in Uganda eine stationäre Einrichtung zur Versorgung dieser Patienten und zur Ausbildung von KPE-Therapeuten speziell für die genannten Krankheitsbilder. Interessierten Personen senden wir gern nähere Informationen über das Projekt zu.

rainer h. kraus
LNS

Nachrichten zum Thema

30. Juni 2020
Berlin – In der Pandemie verschiebt sich die Behandlung und Bekämpfung vieler Erkrankungen, gerade in den ärmsten Ländern der Welt. Dort wurde den „vernachlässigten Tropenkrankheiten“ (Neglected
Tropenkrankheiten werden wieder vernachlässigt
18. Juni 2020
Berlin – Das Robert-Koch-Institut (RKI) rechnet mit einer weiteren Ausbreitung des durch Mücken übertragenen West-Nil-Virus in Deutschland. Das Virus sei offenbar in der Lage, in Deutschland zu
RKI rechnet mit weiterer Ausbreitung des West-Nil-Virus in Deutschland
10. Juni 2020
Nijmegen − 2 neue Malaria-Impfstoffe, die aus lebenden, aber genetisch abgeschwächten Parasiten bestehen, haben sich in 2 Phase-1-Studien in Science Translational Medicine (2020; 12: eaaz5629
Impfstoffe aus genetisch abgeschwächten Parasiten sollen vor der Malaria schützen
4. Juni 2020
Berlin/Luxemburg/Brüssel – Die erste Finanzierungsrunde für den EU-Malaria-Fonds ist abgeschlossen. Er soll realisierbare und preiswerte, innovative Lösungen zur Prävention und Behandlung von Malaria
Malariafonds der EU kann starten
20. Mai 2020
Hamburg – Die Joachim-Herz-Stiftung fördert ein neues Graduiertenkolleg am Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin (BNITM). Die Wissenschaftler wollen sich dabei auf der Interaktion tropischer
Neues Graduiertenkolleg zur Erreger-Wirt-Kommunikation bei Tropenerkrankungen
23. April 2020
Genf − In Afrika könnten in diesem Jahr doppelt so viele Menschen an Malaria sterben wie in anderen Jahren, wenn der Kampf gegen die Infektionskrankheit durch die Coronapandemie behindert wird.
Zahl der Malariatoten in Afrika könnte steigen
15. April 2020
Goma − Im Kongo ist ein weiterer Ebolafall aufgetreten. Das siebenjährige Mädchen aus der Stadt Beni ist innerhalb kurzer Zeit der dritte infizierte Mensch, der von den Behörden des
LNS

Fachgebiet

Stellenangebote

    Anzeige

    Weitere...

    Aktuelle Kommentare

    Archiv

    NEWSLETTER