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Ärzteschaft

Bessere Arbeitsbedingungen vor Gehaltssteigerungen

Montag, 12. November 2018

/dpa

Berlin – Die Delegierten der 134. Haupt­ver­samm­lung des Marburger Bundes (MB) haben engagiert über die künftige Ausrichtung der Tarifpolitik des Verbandes diskutiert. Dabei herrschte Einigkeit darüber, dass Verbesserungen der ärztlichen Arbeitsbedingungen hohe Priorität haben sollen.

Grundlage der Diskussion war ein tarifpolitisches Konzept, das die Kleine Tarif­kommission des MB unter Leitung des zweiten Vorsitzenden des Verbandes, Andreas Botzlar, erarbeitet hat. Darin geht es unter anderem darum, die Arbeitszeit­erfassung zu automatisieren, Dienstpläne verlässlicher zu gestalten und die Arbeitszeit der Ärzte besser zu regeln. Bei dem Konzept handelt es sich um ein Thesenpapier und nicht um einen Forderungskatalog des Verbands.

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Automatisierte Zeiterfassung dringend erforderlich

„Dreh- und Angelpunkt des Konzeptes ist eine automatisierte Zeiterfassung mit von uns lizenzierten Systemen“, erklärte Botzlar. „Wenn wir keine Kontrolle darüber haben, dass sich die Wirklichkeit in der Dokumentation abbildet, bleibt alles andere Makulatur. Und das muss die Zeit zwischen dem Kommen und dem Gehen sein, nichts Anderes.“  

Viele Delegierte begrüßten diesen Ansatz. „Ich halte eine automatisierte Zeiterfassung für dringend erforderlich“, sagte Wolf-Dieter Reinbold vom Landesverband Nordrhein-Westfalen/Rheinland-Pfalz. „Denn Politik und Verwaltung überfrachten uns heute mit Tätigkeiten, die uns die Zeit für die Patientenversorgung nehmen.“ Welche Arbeit die Ärzte leisteten, müsse deshalb klar und manipulationsfrei erfasst werden.

Adalbert Büttner aus demselben Landesverband berichtete von Fällen, bei denen sich Ärztinnen und Ärzte ausloggten, um dann hinterher trotzdem weiterzuarbeiten: Weil sie Druck von höherer Stelle bekämen, zum Beispiel.  

Strafzahlungen bei zu spät vorgelegten Dienstplänen

In einem weiteren Punkt sieht das Thesenpapier vor, dass die Arbeitgeber die Dienstpläne verlässlicher gestalten müssen. „Die Ärzte müssen den Dienstplan rechtzeitig kennen“, forderte Botzlar. „Meist gibt es den Dienstplan aber nicht rechtzeitig.“

Konkret soll die Personalbesetzung bis sieben Wochen vor Beginn des zu beplanenden Zeitraums bekannt sein. Bis sechs Wochen vor diesem Zeitraum muss der Dienstplan zur Genehmigung vorliegen. Liegt zum Beispiel bis fünf Wochen vor diesem Zeitraum kein Dienstplan vor, soll der Arbeitgeber Zuschläge zahlen müssen.

Zudem sieht das Papier eine klarere Arbeitszeitregelung vor. Demnach soll die maximale Vollarbeitszeit weiter begrenzt werden. Die regelmäßige Kernarbeitszeit soll werktags zwischen sieben bis 17 Uhr liegen. An einzelnen Tagen dürften darüber hinaus Arbeitszeiten von zehn und maximal zwölf Stunden im Schichtdienst gelten, so Botzlar. Entscheidend sei es, die Gesamtarbeitslast der Ärzte zu reduzieren.

In diesem Zusammenhang sieht das Konzept zwei freie Wochenenden pro Monat vor, also „ein zusammenhängendes Zeitfenster von Freitag, 18 Uhr, bis Montag, sechs Uhr“, sagte Botzlar. „Denn sonst ist das kein Wochenende.“ Wer länger arbeite, mache eine Überstunde, die auch bezahlt werden müsse. Zudem soll es Obergrenzen für den Bereitschaftsdienst geben, für die keine Opt-out-Möglichkeit eingeräumt wird. In diesem Zusammenhang bedürfe es auch einer Mindestpersonalausstattung im ärztlichen Dienst, so Botzlar.

Mehr Zeit für Patienten

Während der Diskussion machten viele Ärzte deutlich, dass sie unter den aktuellen Arbeitsbedingungen im Krankenhaus nicht mehr arbeiten könnten oder wollten. „Die Arbeit ist immer dichter geworden“, sagte Ursula von Gierke vom Landesverband Bayern. „Ich weiß von vielen Kollegen, die sagen, sie könnten die Arbeit in dieser Intensität nicht mehr leisten.“ 

„In meinem Team ist nur noch eine Ärztin, die zu 100 Prozent arbeitet“, erklärte Julia Grauer aus dem Landesverband Baden-Württemberg. „Die anderen haben gesagt: ‚Wir schaffen es nicht mehr‘ und haben ihre Arbeitszeit auf 80 Prozent reduziert.“ Denn ansonsten hätten sie keine Zeit mehr für die Weiterbildung und für ein Privatleben. Ein Problem sei dabei, dass nach wie vor viele unbezahlte Überstunden geleistet würden.

Nina Hector aus dem Landesverband Hamburg wies darauf hin, dass die aktuellen „desaströsen Arbeitsbedingungen“ nicht nur die Gesundheit der Ärzte gefährdeten, sondern auch die Gesundheit der Patienten. „Unser Problem ist das DRG-System“, sagte sie. „Und unsere Forderung ist: Wir brauchen mehr Zeit für unsere Patienten.“ Um diese zu erhalten, bedürfe es einer Mindestpersonalausstattung, mit der ein Dienstplan­modell auf den Weg gebracht werden könne, das ausreichend Zeit für eine gute Patientenversorgung vorsehe. © fos/aerzteblatt.de

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