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Medizin

Stuhltransplantation lindert Colitis nach Krebsimmuntherapie

Dienstag, 13. November 2018

/Sebastian Kaulitzki, stock.adobe.com

Houston – Eine Colitis, die zu den schweren Komplikationen einer Behandlung mit Immun-Checkpointinhibitoren gehört, kann offenbar mit einer fäkalen Bakterien­therapie, auch Stuhltransplantation genannt, gelindert werden. US-Onkologen berichten in Nature Medicine (2018; doi: 10.1038/s41591-018-0238-9) über 2 erfolgreiche Behandlungsversuche.

Die Colitis, zu der es unter einer Krebsimmuntherapie kommen kann, ist vermutlich Folge einer Autoimmunreaktion im Darm. Die T-Zellen, die durch die Behandlung mit Immun-Checkpointinhibitoren zum Angriff auf Krebszellen ermuntert werden, erzeugen im Darm eine schwere Entzündung, an der die Darmbakterien nicht unbeteiligt sind. Die genauen Zusammenhänge sind nicht bekannt, Gastroenterologen des MD Anderson Cancer Center in Houston konnten jedoch in früheren Studien zeigen, dass die Zusammensetzung der Darmflora einen Einfluss auf die Colitis hat.

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Es lag deshalb nahe, die fäkale Bakterientherapie, die eigentlich für eine andere Indikation, nämlich für Clostridium-difficile-Infektionen entwickelt wurde, zu testen. Gleich bei den ersten beiden Patienten machten Yinghong Wang und Mitarbeiter gute Erfahrungen.

Die erste Patientin, eine 50-jährige Frau, war wegen eines metastasiertem Urothelkarzinoms mit Nivolumab plus Ipilimumab behandelt worden. Diese doppelte Krebsimmuntherapie, die gleich 2 Bremsen des Immunsystems löst, hatte zu einer schweren Darmentzündung geführt, die der Colitis ulcerosa ähnelte. Nachdem es unter der Behandlung mit Steroiden und dem Biologikum Vedolizumab zu keiner Besserung kam, entschieden sich die US-Gastroenterologen für eine fäkale Bakterientherapie. Die Patientin erholte sich laut Wang innerhalb von 2 Wochen von der Colitis und benötige inzwischen keine Steroide mehr.

Der zweite Patient, ein 78 Jahre alter Mann mit Prostatakarzinom, war in einer Studie mit Ipilimumab behandelt worden. Es kam zu einer schweren Colitis, die einem Morbus Crohn ähnelte und sich unter einer Behandlung mit Steroiden, Infliximab und Vedolizumab nicht besserte. Auf eine erste fäkale Bakterientherapie sprach der Patient laut Wang nur teilweise an. Doch seit einer zweiten Übertragung von Darmbakterien sei er beschwerdefrei.

Wie genau die Stuhltransplantation die Autoimmunreaktion gestoppt hat, wissen die US-Gastroenterologen nicht. Sie konnten aber zeigen, dass die Darmflora sich nach der Behandlung stark veränderte. Die Bakterien der gesunden Spender breiteten sich rasch aus.

Behandlungserfolge bei 2 Patienten sind sicherlich noch kein Wirkungsbeleg für die fäkale Bakterientherapie. Aufgrund der guten Erfahrungen wollen die US-Mediziner die Behandlung jedoch weiteren Patienten anbieten. © rme/aerzteblatt.de

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