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Ärzteschaft

Digitalisierung braucht Investoren mit langem Atem

Dienstag, 13. November 2018

/ktasimar, stockadobecom

Düsseldorf – Investitionen in Digital-Health-Start-ups benötigen häufig eine längere Zeit, um sich zu rentieren. Darauf haben Experten der Deutschen Apotheker- und Ärztebank (Apobank) beim dritten Expertenzirkel für Gesundheitsinvestments hingewiesen. 

„Langfristig durchsetzen werden sich vor allem Geschäftsmodelle mit Produkten, deren medizinischer Nutzen wissenschaftlich nachweisbar ist“, sagte Kai Brüning, Senior Portfolio Manager der Gesundheitsfonds von apoAsset, einer Tochter der Apobank. Dieser Nachweis sei langwierig und aufwendig, biete aber auch Vorteile für die Unternehmen, etwa bei der Patentierbarkeit und als Schutz gegenüber dem Wettbewerb. Die wissenschaftlichen Tests erforderten sehr viele Daten und dementsprechend höhere Investitionen. „Weitblickende Investoren sind daher gefragt und können davon sehr profitieren“, sagte Brüning.

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Mehr Mut beim Weg in die Digitalisierung forderte der Präsident der Bundesärzte­kammer (BÄK), Frank Ulrich Montgomery. „Es ist klar, dass wir den Weg der Digitalisierung gehen müssen. Wir haben als Ärzte darauf auch schon reagiert, zum Beispiel durch die Aufhebung des Fernbehandlungsverbots“, sagte er. Angst sei bei solchen Veränderungen der schlechteste Ratgeber, mahnte der BÄK-Präsident. Die Digitalisierung werde Ärzte nicht ersetzen, sondern die Qualität ihrer Leistung verbessern. „Ihre Aufgabe wird sich komplett verändern. Das größte Potenzial sehe ich dabei in der Diagnosefindung. Hier können wir mit digitaler Unterstützung Fehler minimieren“, so Montgomery.

Vor der Marktmacht großer US-amerikanischer Konzerne warnte Markus Müschenich, Vorstand des Bundesverbands Internetmedizin und Partner des Start-up-Inkubators Flying Health. „Die großen Technologieunternehmen wie Google, Amazon und Apple greifen im Gesundheitsmarkt immer mehr an. Das wird zu einer Explosion der Leistungs­ausweitung führen“, betonte er. Dahinter stünden „knallharte wirtschaftliche Interessen, mit Folgen für das gesamte System“. Im besten Fall sollte die Ärzteschaft den digitalen Wandel selbst gestalten, sonst machten es andere.

Auf die langwierigen Zulassungsprozesse für digitale Innovationen wies Thomas Ballast hin, stellvertretender Vorstandsvorsitzender der Techniker Krankenkasse. Diese seien auf neue Medikamente zugeschnitten, aber für digitale Innovationen „viel zu langsam“. „Wir müssen Wege finden, dass digitale Produkte schneller den Zugang zum ersten und zweiten Gesundheitsmarkt finden“, forderte er. © hil/aerzteblatt.de

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Avatar #88767
fjmvw
am Dienstag, 13. November 2018, 18:01

Und wer vertritt die Interessen der niedergelassenen Ärzte?

Start-ups und Investoren verfolgen ihre ureigensten, rein ökonomische Interessen. Welche Rolle den Ärzten bisher dabei zugedacht wird, ist eindeutig. Ärzte sollen die Daten interpretieren, die die Patienten aus welcher Quelle auch immer beibringen. Zudem sollen Ärzte Informationen in andere Systeme einspielen.

Das BMG hatte auf der medica 2018 konstatiert, dass es entscheidend sei, dass es einen Mehrwert gibt. Um den Mehrwert für die Unternehmen kümmern sich die Unternehmen. Wer kümmert sich um den Mehrwert für die Ärzte? Derzeit niemand.

Es wird wohl noch mehr blaue Flecken auf allen Seiten bedürfen bis man festgestellt haben wird, dass jede Digitalisierungsstrategie im Gesundheitswesen scheitert, wenn man hüben die Ärzte unbedingt dazu benötigt und drüben für die Ärzte kein Mehrwert entsteht.
LNS

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