NewsÄrzteschaftHunderte Kinder erhalten jährlich Diagnose „Chronisch entzündliche Darm­er­krank­ung“
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Ärzteschaft

Hunderte Kinder erhalten jährlich Diagnose „Chronisch entzündliche Darm­er­krank­ung“

Mittwoch, 14. November 2018

/unlimit3d, stockadobecom

Berlin/Bremen/Ulm – Rund ein Viertel aller Patienten mit chronisch entzündlichen Darm­er­krank­ungen (CED) wie Morbus Crohn erhalten ihre Diagnose im Kindes- und Jugendalter. „Wir verzeichnen eine Neuerkrankungsrate bei Kindern von 800 bis 1.400 Patienten pro Jahr“, berichtete jetzt die Gesellschaft für Pädiatrische Gastroenterologie und Ernährung (GPGE). In dieser Altersgruppe komme es häufig zu einem ausgedehnten Befall und einem aggressiven Verlauf. 

„Die Betroffenen werden schon früh mit Krankheit konfrontiert und müssen ein Leben mit Durchfällen, Bauchschmerzen und Medikamenten führen“, erläuterten die Vorsitzenden der Fachgesellschaft, Martin Claßen vom Klinikum Links der Weser, Bremen, und Carsten Posovszky vom Universitätsklinikum Ulm. Sie seien durch die Entzündung und Ausdehnung der Erkrankung meist schwerer als Erwachsene betroffen.

Anzeige

„CED bewirken eine erhebliche Beeinträchtigung der Lebensqualität. Gerade Teenager fühlen sich nicht attraktiv oder sportlich und haben Angst vor sozialer Isolation. Sie sind körperlich schwächer und leiden an Müdigkeit“, warnen sie. Die Erkrankung könne Nachteile in der schulischen und beruflichen Ausbildung zur Folge haben. Durch die psychischen Beeinträchtigungen könnten sich die Lebensperspektiven nachhaltig verändern.

Laut GPGE wird CED bei Kindern und Jugendlichen oft erst spät diagnostiziert. Es bestehe daher die große Gefahr, wesentliche Entwicklungsstufen bezüglich normaler Körperlänge, Gewicht, Pubertät und auch Sexualität mit erheblicher Einschränkung zu erleben. „Das kann nicht nachgeholt werden“, so Claßen und Posovszky.

Die Fachgesellschaft fordert daher eine Betreuung der Kinder und Jugendlichen durch ein multidisziplinäres Versorgungsteam von spezialisierten Ärzten, Pflegern, Psychologen und Ernährungsfachkräften.

Kurzfristiges Ziel einer medikamentösen Therapie sei die Besserung der Symptomatik, sodass die Kinder und Jugendlichen ihre Aktivitäten – zum Beispiel Sport – wieder aufnehmen können. Mittel- und langfristiges Ziel sei der Remissionserhalt, also das Abheilen entzündeter Schleimhaut im Magen-Darm-Trakt.

Die GPGE betreibt zur Verbesserung der Behandlung ein CED-Register für Kinder- und Jugendliche mit mehr als 5.000 erfassten Patienten. Dieses Register ermöglicht es laut der Fachgesellschaft Erkenntnisse zur Verbesserung der Behandlung und gewährleistet ein unmittelbares Feedback an die teilnehmenden Kindergastroenterologen. © hil/aerzteblatt.de

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

LNS

Nachrichten zum Thema

19. Februar 2019
Sacramento/Kalifornien – Die wenigsten Säuglinge, die in den ersten Lebenswochen mit hohem Fieber in einer Notfallambulanz vorgestellt werden, haben eine schwere bakterielle Infektion, es könnte aber
Fieber: Drei einfache Tests können schwere Infektionen bei Säuglingen (fast immer) ausschließen
19. Februar 2019
Gütersloh – Angst vor Mobbing, Gewalt, Ausgrenzung: Jedes dritte Kind an einer Haupt-, Gesamt- oder Sekundarschule fühlt sich dort nicht sicher. Das geht aus einer Befragung der Bertelsmann-Stiftung
Viele Kinder haben Angst vor Armut, Mobbing und Gewalt
18. Februar 2019
Bern/Genf – Bei neuroendokrinen Tumoren des Pankreas, Magens und des Darms könnten Medikamente in Kombination besser wirken als einzeln – insbesondere wenn Somatostatin-Analoga beteiligt sind. Zu
Neuroendokrine Tumoren: Medikamente wirken kombiniert meist besser als einzeln
15. Februar 2019
Melbourne – Säuglinge, die in den ersten Wochen nach der Geburt eine einstündige Vollnarkose erhalten, erzielen im Alter von 5 Jahren in einem Intelligenztest gleich gute Ergebnisse wie Kinder, bei
Studie: Einstündige Vollnarkose im Säuglingsalter bleibt ohne Folgen für die kognitive Entwicklung
14. Februar 2019
Mainz – Mehr als jedes vierte Kind in Rheinland-Pfalz ist einer DAK-Studie zufolge chronisch krank. Diese Jungen und Mädchen im Alter von null bis 17 Jahren leiden vor allem unter Asthma und
DAK-Report: Mehr als jedes vierte Kind in Rheinland-Pfalz ist chronisch krank
12. Februar 2019
Guangzhou – Sind Computer Ärzten demnächst in einer ihrer Kernkompetenzen, der Diagnose von Erkrankungen, überlegen? Chinesische Forscher stellen in Nature Medicine (2019; doi:
Künstliche Intelligenz diagnostiziert genauer als (unerfahrene) Kinderärzte
11. Februar 2019
Potsdam – Ein Potsdamer Forscherteam vom Deutschen Institut für Ernährungsforschung (DIfE) hat gezeigt, dass ein Bakterium namens Clostridium ramosum die Darmzellen von Mäusen dazu bringt, vermehrt
LNS LNS

Fachgebiet

Anzeige

Weitere...

Aktuelle Kommentare

Archiv

Anzeige
NEWSLETTER