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Soja-Babynahrung könnte Risiko auf spätere Menstruations­beschwerden erhöhen

Mittwoch, 14. November 2018

/oilslo, stockadobecom

Research Triangle Park/North Carolina – Frauen, die als Säugling mit sojabasierter Ersatznahrung gefüttert wurden, leiden einer Studie in Human Reproduction (2018; doi: 10.1093/humrep/dey303) zufolge später häufiger unter Menstruations­beschwerden. Die Autoren führen dies auf die in Sojamilch enthaltenen Phyto­östrogene zurück.

Phytoöstrogene haben eine ähnliche Molekülstruktur wie das Hormon Estradiol. Sie wirken im Körper deshalb wie weibliche Geschlechtshormone. Die Sojabohne enthält vor allem die Isoflavone Genistein und Daidzein. Sie sind auch in der Sojamilch enthalten. In den USA ist Sojamilch bei Afroamerikanerinnen eine beliebte Alternative zur Kuhmilch in der Babynahrung. Von den 1.553 Teilnehmerinnen der „Study of Environment, Lifestyle, and Fibroids“ (SELF) waren 198 oder 13 % als Säuglinge wenigstens zeitweise mit sojabasierter Ersatznahrung gefüttert worden. Dies hatten die Frauen im Alter von 23 bis 35 Jahren durch Befragung ihrer Mütter oder von Verwandten recherchiert. 

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Kristen Upson vom National Institute of Environmental Health Sciences in Research Triangle Park/North Carolina setzte die Angaben zur Säuglingsnahrung mit aktuellen Menstruationsbeschwerden in Verbindung (unter denen Afroamerikanerinnen 3-mal so häufig leiden wie Amerikanerinnen europäischer Herkunft).

Ergebnis: Die als Säuglinge mit sojabasierter Babynahrung gefütterten Frauen nahmen zu 40 % häufiger Hormonpräparate (Antibabypille) ein, weil sie unter Menstruations­schmerzen litten (relatives Risiko [RR] 1,4; 95-%-Konfidenzintervall 1,1 bis 1,9). Und die Frauen, die keine hormonellen Kontrazeptiva einnahmen, klagten zu 50 % häufiger unter mittelstarken bis starken Menstruationsbeschwerden (relatives Risiko 1,5; 1,1 bis 2,0).

Die Studie kann nicht beweisen, dass die Phytoöstrogene für die späteren Menstru­ations­beschwerden verantwortlich sind. Es gibt allerdings Hinweise aus mehreren tierexperimentellen Studien, nach denen eine frühe postnatale Exposition mit Genistein die Entwicklung der weiblichen Geschlechtsorgane stören kann. In einer Längsschnittstudie, die bei Mädchen in den ersten 36 Monaten wiederholt Abstriche vom Vaginaeingang untersucht hat, wurden östrogenartige Veränderungen der Zellen gefunden (Journal of Clinical Endocrinology & Metabolism [JCEM] 2018; 103: 1899-1909).

Dass nicht nur die Kinder von Afroamerikanerinnen geschädigt werden könnten, lässt eine frühere Studie aus Iowa vermuten, an der fast nur Frauen europäischer Herkunft teilgenommen hatten. Die Fütterung mit sojabasierter Ersatznahrung war dort bei den Frauen später mit einer um 0,37 Tage (0,06-0,68) verlängerten Menstruation und um 77 % häufigeren Menstruationsbeschwerden (relatives Risiko 1,77; 1,04-3,00) verbunden (JAMA 2001; 286: 807-814). © rme/aerzteblatt.de

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