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Warum Malariamedikamente auch gegen Krebs helfen könnten

Dienstag, 20. November 2018

Chloroquin /molekuul.be stock.adobe.com

Philadelphia – Mit den Antimalariamedikamenten Chloroquin und dem Dimer von Mepacrin ist es in Zell- und Tierversuchen gelungen, das Wachstum von Krebszellen einzuschränken. Auch den Angriffspunkt der beobachteten Wirkung konnten Forscher der University of Pennsylvania identifizieren: das Enzym PPT1. Die Ergebnisse wurden in Cancer Discovery publiziert (2018; doi: 10.1158/2159-8290.CD-18-0706.)

Chloro­quin ist wirksam gegen al­le 4 humanpatho­genen Ma­la­riae­rreger, chloro­quin­resistente Stäm­me ausgenommen. Es wird aber auch bei rheumatoi­der Ar­thritis und bei systemischem Lupus erythemato­des ein­gesetzt.

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PPT1 ist ein Enzym, das sowohl einen Hauptregulator für das Wachstum in Krebszellen (Rapamycin, mTOR), als auch die Autophagie kontrolliert. In einer früheren Studie zeigten die Forscher, dass beiden Prozesse Hand in Hand arbeiten: Die Autophagie liefert die Nährstoffe, die es mTOR ermöglichen, das Wachstum zu lenken. Umgekehrt schaltet mTOR die Autophagie ab, wenn keine Nährstoffe mehr benötigt werden.

Einen ähnlichen Effekt wie Chloroquin erzielten die Forscher, indem sie mittels CRISPR/Cas9 PPT1 aus den Krebszellen entfernten. „Die bearbeiteten Zellen sehen aus, als wären sie mit einem Medikament behandelt worden, und sie wachsen deutlich langsamer als die unbearbeiteten Zellen“, sagte Ravi K, Mitautor der Studie Amaravadi, MD von der Perelman School of Medicine an der University of Pennsylvania. Eine Datenbankanalyse zeigte, dass PPT1 bei den meisten Krebsarten stark ausgeprägt ist und mit schlechten Ergebnissen verbunden ist.

Die Forscher untermauerten ihre Theorie mit weiteren Versuchen, indem sie ein anderes Antimalariamittel DQ661 (Dimer von Quinacrine bzw Mepacrin) auf Melanomzellen und in Maus-Xenografttumoren testeten. Die Forscher gehen davon aus, dass es sich dabei um eine potentere Form des Medikaments handelt, da das Medikament das Wachstum der Krebszellen wirksamer verlangsamte als Chloroquin.

In der Krebstherapie spielen Chloroquin und DQ661 derzeit keine Rolle. Die Ergebnisse seien interessant und sollten weiter untersucht werden, findet Dirk Jäger, geschäftsführender Direktor am Nationalen Centrum für Tumorerkrankungen (NCT) in Heidelberg. „Bevor man allerdings an klinische Studien denkt, sollten weitere Tumormodelle mit Chloroquin behandelt und die Anti-Tumor-Effekte analysiert werden.“ © gie/aerzteblatt.de

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