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Medizin

Studie: „Low Carb“-Diät verbrennt in Erhaltungsdiät mehr Kalorien

Donnerstag, 15. November 2018

/skabarcat, stockadobecom

Boston – Kann eine „Low Carb“-Diät einen Jo-Jo-Effekt nach einer erfolgreichen Gewichtsabnahme verhindern? Eine experimentelle Studie kommt im Britischen Ärzteblatt (BMJ 2018; 363: k4583) zu dem Ergebnis, dass eine Diät mit einem niedrigen Gehalt an Kohlenhydraten die Verbrennung der zugeführten Kalorien deutlich steigert. Veränderungen im Hormonstatus deuten darauf hin, dass Hungergefühle vermindert werden. Ob dies eine Gewichtszunahme verhindert, bleibt allerdings offen.

Die meisten Diäten scheitern, weil mit der Gewichtsabnahme der Hunger zunimmt und der Grundumsatz sinkt. Der Körper wehrt sich gegen die Gewichtsabnahme und in den meisten Fällen bleibt er der Sieger. Auf die Diät folgt die erneute Gewichtszunahme und am Ende wiegen viele Menschen mehr als vorher.

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Das Kohlenhydrat-Insulin-Modell führt dies auf eine falsche Diätstrategie zurück. Die meisten Menschen halten sich bei den Fetten zurück, essen dafür aber mehr Kohlen­hydrate und hier vor allem raffinierte Einfachzucker, die nach der Mahlzeit rasch vom Darm resorbiert werden. Diese hohe glykämische Last stimuliert die Freisetzung von Insulin. Das Vorratshormon Insulin fördert die rasche Verteilung der Kohlenhydrate auf die Zellen. Gleichzeitig wird die Freisetzung von Fettsäuren aus dem Fettgewebe gestoppt. Die Vorräte werden aufgestockt, die Kalorien also nicht verbraucht.

Außerdem steigt der Hunger, weil die Konzentration von Glukose und Lipiden im Blut sinkt. Auf Dauer führt dies zu Übergewicht. Das Kohlenhydrat-Insulin-Modell führt die derzeitige globale Adipositasepidemie auf den erhöhten Anteil von Kohlenhydraten in der Nahrung zurück, die die Fette zurückgedrängt haben.

Ein Team um Cara Ebbeling und David Ludwig vom Boston Children’s Hospital hat jetzt in einer experimentellen Studie systematisch untersucht, wie sich „Low Carb“ und „High Carb“ auf den Energieverbrauch von Menschen auswirken, die gerade eine Diät erfolgreich abgeschlossen haben.

An der Studie nahmen 164 übergewichtige Erwachsene im Alter von 18 bis 65 Jahren mit einem Body-Mass-Index (BMI) von 25 oder höher teil. Alle hatten gerade eine 10-wöchige Reduktionsdiät erfolgreich absolviert. Dabei hatten sie im Schnitt 9,6 kg (10,5 %) abgenommen.

In dieser Situation senkt der Körper den Grundumsatz, er verbrennt weniger Kalorien. Außerdem steigen die hormonellen Hungersignale. Beides führt schließlich zum Versagen der Diät. Die Studie hat untersucht, ob eine kohlenhydratarme Diät dies verhindern kann.

Die Probanden erhielten über 20 Wochen ihre Nahrungsmittel zugeteilt. Die Menge richtete sich nach den Ergebnissen der täglichen Gewichtskontrolle. Das Gewicht durfte nicht um mehr als 2 kg variieren.

Alle erhielten etwa 2.000 Kilokalorien täglich. Es gab 3 Gruppen. In der ersten Gruppe lag der Kohlenhydratanteil bei 60 % („High Carb“), in der zweiten bei 40 % und in der dritten bei 20 % („Low Carb“). Um die Gesamtzufuhr konstant zu halten, wurde der Fettgehalt angepasst. Er lag in der „High Carb“-Gruppe bei 30 %, in der mittleren Gruppe bei 40 % und in der „Low Carb“-Gruppe bei 60 %. Der Anteil der Proteine war in allen 3 Gruppen mit 10 % gleich.

Der Endpunkt der Studie war der Energieverbrauch, also die Verbrennung der zugeführten Kalorien. Dies wurde mit der „Doubly Labeled Water“-Methode gemessen, einem Standardverfahren in der Analyse des Energiestoffwechsels.

Die Untersuchung ergab, dass die Teilnehmer der „Low Carb“-Diät pro Tag zwischen 209 bis 278 Kilokalorien mehr verbrannten als die Teilnehmer in der „High Carb“-Diät. Pro 10 % weniger Kohlenhydraten in der Nahrung stieg der tägliche Energieverbrauch um 50 bis 70 Kilokalorien.

Am größten waren die Unterschiede bei den Teilnehmern, die zu Beginn der Studie in einem oralen Glucosetoleranztest die höchsten Insulinkonzentrationen hatten. Das oberste Drittel verbrauchte 478 Kilokalorien mehr als das unterste Drittel. Die Insulinresistenz ist häufig Folge einer längeren kohlenhydratreichen Ernährung und ein Zeichen für einen beginnenden Typ-2-Diabetes. Diesen Menschen könnte laut Ebbeling und Ludwig eine „Low Carb“-Diät am meisten nutzen (was Diabetologen schon lange ahnen).

Die Diäten wirkten sich auch auf die Hormone Ghrelin und Leptin aus. Die Konzen­tration von Ghrelin, das im Gehirn den Appetit steigert, nahm bei den Teilnehmern der „Low Carb“-Gruppe stärker ab als in der „High Carb“-Gruppe. Eine „Low Carb“-Diät könnte deshalb eine größere Sättigung hervorrufen. Ob die Probanden sich tatsächlich satter fühlten und es ihnen leichter fiel, ihre Diät einzuhalten, wurde allerdings nicht untersucht.

Bei dem Hormon Leptin, mit dem die Fettzellen signalisieren, dass die Speicher gefüllt sind, war es genau umgekehrt. Hier kam es in der „High Carb“-Gruppe zu einem stärkeren Anstieg. Dies deutet darauf hin, dass bei einer „High Carb“-Diät mehr Kalorien im Fettgewebe ankommen und dort gespeichert werden, was dem Ziel der Diät widerspricht.

Die Unterschiede im Energieverbrauch zwischen der „Low Carb“- und der „High Carb“-Diät waren beträchtlich. Die stärkere Verbrennung von Kalorien könnte nach den Berechnungen von Ebbeling und Ludwig einem 30-jährigen Mann mit einer Körpergröße von 178 cm und einem Ausgangsgewicht von 100 kg innerhalb von 3 Jahren zu einer Gewichtsabnahme von 10 kg verhelfen.

Ob diese Prognose realistisch ist, muss allerdings offen bleiben. Die Studie hat nicht untersucht, ob die „Low Carb“-Diät für die Probanden leichter einzuhalten war als die „High Carb“-Diät. In beiden Gruppen war es den Teilnehmern gelungen, ihr Gewicht zu halten. Die Studie war ein physiologisches Experiment. Ob eine  „Low Carb“-Diät letztlich die erfolgreichere Erhaltungsdiät ist, müsste erst noch in randomisierten Studie belegt werden. © rme/aerzteblatt.de

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