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Wie Neurologen die neue Migräneprophylaxe mit CGRP-Antikörpern bewerten

Donnerstag, 15. November 2018

/goodluz, stockadobecom

Berlin – Zur Prophylaxe der Migräne steht eine neue Substanzklasse zur Verfügung. CGRP-Antikörper sind Wirkstoffe, die Migräneanfällen spezifisch vorbeugen. „Die Erwartungen sind hoch, doch einige Patienten werden nicht von der neuen Generation der Migräneprophylaktika profitieren“, sagte der Kopfschmerzexperte Hans-Christoph Diener von der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN) auf der Neurowoche Anfang November in Berlin. 

Etwa 25 bis 30 Prozent aller Patienten, die unter Migräne leiden, haben so häufige und schwere Migräneattacken, dass sie eine Migräneprophylaxe benötigen. Laut DGN sind die bisher dafür verfügbaren Substanzen Zufallsentdeckungen, die ursprünglich für eine andere Indikation entwickelt wurden.

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„Amitriptylin, die Antiepileptika Topiramat, Valproinsäure und Flunarizin sowie Betablocker sind zweifelsfrei wirksam in der Migräneprophylaxe. Sie haben aber auch erhebliche unerwünschte Arzneimittel­wirkungen“, so Diener. Die Compliance der Medikamenteneinnahme betrage in der Prophylaxe nach zwölf Monaten nur noch etwa 30 Prozent. Bei einem Teil der Patienten sei dies durch eine nicht zufriedenstellende Wirksamkeit der Medikamente erklärt, beim überwiegenden Anteil allerdings durch Nebenwirkungen, so der Neurologe.

Bereits vor mehr als 20 Jahren wurde entdeckt, dass das Calcitonin-Gene-Related-Peptide (CGRP) eine wichtige Rolle in der Pathophysiologie der Migräne spielt. Daraufhin wurden humanisierte Antikörper gegen CGRP oder den CGRP-Rezeptor entwickelt und in klinischen Studien untersucht. „Heute liegen placebokontrollierte Phase-2- und Phase-3-Studien zur Prophylaxe der episodischen und chronischen Migräne für vier dieser Antikörper vor. Eptinezumab, Erenumab, Fremanezumab und Galcanezumab sind eindeutig besser wirksam als Placebo“, berichtete Diener.

Der wichtigste Vorteil sei ihre sehr gute Verträglichkeit. „In den großen Studien haben nur zwischen zwei und vier Prozent aller Patienten die Behandlung wegen unerwünschter Arzneimittelwirkung abgebrochen“, so Diener.

Eine ungelöste Frage sei die Langzeitsicherheit von Antikörpern gegen CGRP oder CGRP-Rezeptor. „CGRP ist ein potenter Vasodilatator und spielt eine wichtige Rolle im respiratorischen Epithel und in der Darmmukosa“, erklärte Diener. Aus diesem Grund wurden alle Patienten mit Gefäßerkrankungen, schwerwiegenden Erkrankungen des respiratorischen Systems und des Darms aus den Zulassungsstudien ausgeschlossen. Ebenfalls ausgeschlossen waren Schwangere und Frauen im gebärfähigen Alter ohne zuverlässige Kontrazeption.

Welche Konsequenzen ein im Körper vorhandener monoklonaler Antikörper gegen CGRP oder CGRP-Rezeptor bei medizinischen Komplikationen oder Akutsituationen hat – etwa einem akuten Koronarsyndrom, einem ischämischen Insult, einer Subarachnoidal­blutung oder einer Störung der Bluthirnschranke bei einem Schädelhirntrauma oder einer Meningoenzephalitis –, sei derzeit nicht bekannt, so Diener.

„Bei aller Euphorie über die neuen Migräneprophylaktika sollte nicht vergessen werden, dass nichtmedikamentöse Ansätze der Verhaltenstherapie und eine Modifikation des Lebensstils genauso wirksam sind wie eine medikamentöse Prophylaxe“, betonte der Kopfschmerzexperte. © hil/aerzteblatt.de

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