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Medizin

Ethnologie-Studie: Ernährung und nicht das Alter erhöht den Blutdruck

Freitag, 16. November 2018

Yanomami-Frau bei der Zubereitung von Maniok /dpa

Baltimore – Der Anstieg des Blutdrucks im Alter ist in westlichen Ländern so häufig, dass Kardiologen ihn fast schon für ein Naturgesetz halten. Eine ethnologische Studie in JAMA Cardiology (2018; doi: 10.1001/jamacardio.2018.3676) zeigt jedoch, dass dies keineswegs der Fall ist.

Die Yanomami und die Ye’kuana gehören zu den Ureinwohnern Südamerikas. Beide Volksstämme leben in Venezuela nicht weit voneinander entfernt in der Amazonas­region. Die Yanomami leben abgeschieden von Jagd und Landwirtschaft. Ihre Ernäh­rung ist zumeist vegetarisch mit einem hohen Anteil an Ballaststoffen und wenig Salz. Die Ye’kuana haben über einen nahegelegenen Flughafen Kontakt zur westlichen Zivilisation. Sie schätzen verarbeitete und salzhaltige Nahrungsmittel.

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Forscher der Bloomberg School of Public Health in Baltimore haben die beiden Völker besucht und bei 153 Bewohnern im Alter von einem bis 60 Jahren den Blutdruck gemessen. Bei den Yanomami lag der durchschnittliche Wert bei 95,4 mmHg systolisch und 63,9 mmHg diastolisch. Bei den Ye’kuana wurden 104,0 mmHg und 66,1 mmHg gemessen. In den USA liegt der durchschnittliche Blutdruck bei 122/71 mmHg.

Wie Noel Mueller und Mitarbeiter berichten, haben die Menschen der beiden Völker im Kindesalter identische Blutdruckwerte. Bei den Yanomami bleibt der Blutdruck lebenslang niedrig, bei den Ye’kuana kommt es bereits im Kindesalter zu einem langsamen aber stetigen Anstieg des systolischen Werts um 0,25 mmHg pro Jahr. Im Alter von 10 Jahren betrug der Unterschied bereits 5,8 mmHg, im Alter von 50 Jahren waren es bereits 15,9 mmHg.

Auch in den USA beginnt der Anstieg des Blutdrucks bereits im Kindesalter. Die Anstiegsgeschwindigkeit beträgt laut Mueller bei Jungen 1,5 mmHg und bei Mädchen 1,9 mmHg pro Jahr. Bei Erwachsenen steigt der Blutdruck um 0,6 mmHg pro Jahr.

Der frühzeitige und deutlichere Anstieg könnte laut Mueller bedeuten, dass es in der Kindheit ein „Zeitfenster“ gibt, in dem durch eine Lebensstilintervention ein späterer Blutdruckanstieg verhindert werden könnte. © rme/aerzteblatt.de

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Avatar #705995
Hermione
am Montag, 19. November 2018, 14:07

Beide Volksgruppen haben einen niedrigen Wert

...wenn die Ye'kuana verarbeitete und salzhaltige Lebensmittel "schätzen" - was auch immer das konkret heißt - und damit im Alter von 60 Jahren einen Blutdruck von 104/66 haben, ist das m.E. ein starker HInweis darauf, dass die Ernährung definitiv nicht der Hauptgrund für den Anstieg des Blutdrucks in westlichen Zivilisationen sein kann!
Ganz abgesehen davon unterscheiden wir Europäer uns vermutlich in vielerlei HInsicht von indigenen Naturvölkern in Südamerika....Meine persönliche Erfahrung ist jedenfalls, dass ein Blutdruck von unter 110 systolisch definitiv nicht "alltagstauglich" ist. Ich persönlich leide dann unter massiven Schwindelatacken und kann mich nur mit Mühe auf den Beinen halten...
Avatar #735550
rp__bt
am Freitag, 16. November 2018, 19:48

Und wer wird älter?

Die Yanomami oder die Ye'kuana?
LNS

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