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Medizin

Neonatale Enzephalopathie: Magnetresonanz­spektroskopie erkennt dauerhafte Hirnschäden frühzeitig

Freitag, 16. November 2018

/dpa

London – Die Magnetresonanzspektroskopie, mit der die Konzentration bestimmter Metabolite im Thalamus bestimmt werden kann, hat in einer Kohortenstudie in Lancet Neurology (2018; doi: 10.1016/S1474-4422(18)30325-9) zuverlässig vorhergesagt, ob eine neonatale Enzephalopathie bleibende Schäden hinterlässt.

Die hypoxisch-ischämische Enzephalopathie von Neugeborenen ist meist Folge eines Sauerstoffmangels unter der Geburt. Einige Kinder erholen sich, bei anderen kommt es zu bleibenden Hirnschäden. Eine Vorhersage ist derzeit nur bedingt möglich. Die meisten Zentren führen heute eine Magnetresonanztomografie (MRT) durch, wobei vor allem hypodense Regionen („Aufhellungen“) im Bereich des Thalamus ein ominöses Zeichen sind.

Die Magnetresonanzspektroskopie, die im Anschluss an die MRT mit demselben Gerät durchgeführt werden kann, erlaubt einen genaueren Blick auf einzelne Zielregionen. In einem vorbestimmten Voxel kann die Konzentration einzelner Metabolite bestimmt werden. In Nervengewebe sind vor allem N-Acetyl-aspartat (NAA), Kreatin oder Cholin nachweisbar. Ein Abfall dieser Metabolite zeigt eine Schädigung der Hirnzelle und im Extremfall ihren Tod an.

Das MARBLE-Consortium hat untersucht, ob die Methode im klinischen Alltag in der Lage ist, die Prognose von Neugeborenen mit hypoxisch-ischämischer Enzephalopathie zu bestimmen.

An 7 Kliniken in den USA und Großbritannien wurden 223 Neugeborene untersucht, bei denen wegen einer hypoxisch-ischämischen Enzephalopathie eine Hypothermie­behandlung durchgeführt wurde. Neben dem klassischen MRT wurde auch eine Diffusions-Tensor-Bildgebung, die den Verlauf der Nervenfasern darstellt, und eine Magnetresonanzspektroskopie durchgeführt. Die Befunde wurden mit den Ergebnissen einer neurologischen Untersuchung im Alter von 2 Jahren verglichen.

Wie das Team um Sudhin Thayyil vom Imperial College London berichtet, erzielte die NAA-Bestimmung im Thalamus die besten Ergebnisse. Die Sensitivität betrug 100 %, die Spezifität 97 %, was einen AUC-Wert von 0,99 ergibt. Ein besseres Ergebnis ist kaum möglich. Andere Parameter der Magnetresonanzspektroskopie wie die NAA-Kreatin-Ratio (AUC 0,79), die NAA-Cholin-Ratio (AUC 0,74) oder die Laktat-NAA (AUC 0,94) waren nicht ganz so zuverlässig, stellten die bisher übliche MRT jedoch in den Schatten, in der Hypodensitäten in den Basalganglien oder dem Thalamus nur eine AUC von 0,81 erreichten.

Zum Vergleich: Eine klinische Untersuchung in den ersten 6 Stunden nach der Geburt erreichte nur eine AUC von 0,72, die Untersuchung bei der Entlassung aus der Klinik sogar nur 0,60 (ganz in der Nähe eines Zufallergebnisses von 0,50).

Die Magnetresonanzspektroskopie kann im gleichen Durchgang wie die klassische MRT durchgeführt werden. Die Dauer der Untersuchung verlängert sich laut Thayyil nur um etwa 15 Minuten. © rme/aerzteblatt.de

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