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Medizin

Hoffnung auf schonendere Behandlung bei Medulloblastom

Montag, 19. November 2018

/decade3d, stockadobecom

Bonn – Ein internationales Wissenschaftlerteam hat eine Variante des Medulloblastoms identifziert, die besonders gute Heilungschancen aufweist. Rund 20 % der Betroffenen könnten nach Schätzungen der Forscher unter dieser Variante leiden. Die Arbeit ist in der Fachzeitschrift Lancet Oncology erschienen (2018; doi: 10.1016/S1470-2045(18)30532-1).

Medulloblastome sind Tumorerkrankungen des Kleinhirns, die vor allem Kinder und Jugendliche betreffen. Zwei Drittel aller Patienten lassen sich heute durch eine Kombination aus Operation, Strahlen- und Chemotherapie in Dauerremission bringen. Allerdings verursacht die Behandlung häufig erhebliche Spätfolgen. „Durch die intensive Therapie wird das sich noch in der Entwicklung befindliche Gehirn oft irreparabel geschädigt“, erklärte Torsten Pietsch vom Institut für Neuropathologie der Universität Bonn. Das betreffe zum Beispiel die kognitive Leistungsfähigkeit.

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Die unter dem Begriff „Medulloblastom“ zusammengefassten Tumorerkrankungen sind nach neueren Erkenntnissen eine Gruppe unterschiedlicher Krebsarten. Schon vor fast 20 Jahren wurde eine seltene knotenförmige Variante entdeckt, die insbesondere Kleinkinder betrifft. Diese Tumoren sprechen meist so gut auf eine medikamentöse Behandlung an, dass keine zusätzliche Strahlentherapie nötig ist.

Inzwischen hat man noch eine Gruppe älterer Kinder identifiziert, die auch eine sehr gute Prognose hat. Auch bei ihr kann die Intensität der Therapie möglicherweise verringert werden. Sie macht etwa 10 % aller Erkrankten aus. „Beim großen Rest – immerhin mehr als 80 % – war es bisher dagegen nicht möglich, das Ansprechen auf die Therapie vorherzusagen“, sagte Pietsch.

Die Wissenschaftler haben für ihre Untersuchung Tumoren von Teilnehmern einer europaweiten Medulloblastom-Behandlungsstudie untersucht. „Wir haben in einem Teil der Tumoren charakteristische Veränderungen in der Anzahl der Chromosomen gefunden“, erklärte Tobias Goschzik vom Institut für Neuropathologie.

Menschliche Zellen enthalten bekanntlich normalerweise 23 Chromosomen, jedes von ihnen doppelt. In den Tumorzellen lag eines von ihnen – das Chromosom 7 – häufig gleich 3-fach vor. Von 2 anderen – den Chromosomen 8 und 11 – gab es dagegen oft nur eine Version.

Erkrankte mit diesen chromosomalen Auffälligkeiten ließen sich mit Hilfe der Standardtherapie zu fast 100 % heilen. Bei den restlichen Betroffenen lag die Heilungschance dagegen nur bei 64 %. „Möglicherweise bedeutet das, dass man Patienten mit diesem Typus eines Medulloblastoms weniger aggressiv therapieren kann“, hofft Pietsch. Ob das stimme, müssten allerdings Behandlungsstudien noch zeigen. © hil/aerzteblatt.de

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