NewsPolitikRheinland-Pfalz: Fachkräftemangel an Krankenhäusern nimmt zu
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Politik

Rheinland-Pfalz: Fachkräftemangel an Krankenhäusern nimmt zu

Freitag, 16. November 2018

/upixa, stockadobecom

Trier/Mainz – Der Mangel an Fachärzten und Pflegekräften wird auch in rheinland-pfälzischen Krankenhäusern immer mehr zum Problem. Das bestätigt auch die Lan­des­ärz­te­kam­mer Rheinland-Pfalz: „Er ist nicht nur im ambulanten Bereich zu spüren, sondern auch im stationären Bereich“, sagte der Präsident der Kammer, Günther Matheis, in Mainz. Es komme häufig vor, dass planbare Operationen, die nicht unverzüglich anstünden, verschoben werden müssten, „weil Ärzte und Pflegepersonal nicht zur Verfügung stehen“. „Das ist inzwischen fast Alltag.“

Dass Stationen in Krankenhäusern wegen Facharztmangels geschlossen wurden, sei der Kammer nicht bekannt. „Man versucht sicherlich immer, das Angebot aufrecht zu halten“, sagte Matheis. Nicht geklappt hat es in Daun im Vulkaneifelkreis: Dort hat das Krankenhaus Maria Hilf angekündigt, zum 1. Januar 2019 die Geburtshilfe zu schließen. Der Grund für die Entscheidung sei „die aussichtslose Suche nach Belegärzten für die Fachabteilung Geburtshilfe“ gewesen.

Anzeige

Landesweit sind bei der Kammer 22.000 Ärzte gemeldet. Wie viele offene Stellen es derzeit insgesamt gebe, sei nicht bekannt. Für einen Arzt, der heute ausscheide, brauche man fast zwei Ärzte, um diese Position wieder zu besetzen, sagte Matheis. Grund sei bei vielen der Wunsch, in Teilzeit zu arbeiten. Um mehr Ärzte zu bekommen, gebe es „keinen Königsweg“. Eine guter Schritt sei sicherlich die Erhöhung der Studienplätze. „Wir brauchen mehr Ärzte im System.“

Pflegekammer rechnet mit Klinikschließungen

Schon jetzt kommt es zur Schließung von stationären Angeboten: In Trier beispielsweise werden im Klinikum Mutterhaus seit Jahresanfang keine krebskranken Kinder mehr neu stationär behandelt – weil es Personalprobleme gibt. „Das ist erst die Spitze des Eisbergs", sagte Andrea Bergsträßer als Vorstandsmitglied der Pflegekammer Rheinland-Pfalz in Mainz.

Sie gehe davon aus, dass es künftig zu weiteren Schließungen von Stationen in Kliniken kommen werde, weil qualifiziertes Personal fehle. „Wir werden damit noch mehr konfrontiert werden", sagte die Pflegedirektorin des Westpfalz-Klinikums in Kaiserslautern. Das liege auch daran, dass die meisten Stationen heute ohnehin nur mit einer Mindestbesetzung arbeiteten. Wenn dann Pflegekräfte zum Beispiel wegen Krankheit ausfielen, sei das schwer kompensierbar. „Wir kommen dann in diese Abwärtsspirale hinein. Das passiert ganz schnell."

Einfach zu wenig Pflegekräfte

Auch zuvor seien an anderen Häusern im Land zeitweise Stationen aufgrund von Personalmangel geschlossen worden, sagte Bergsträßer. Das werde nur nicht publik, weil es keine Schwerpunktstationen seien.  Die Patienten würden am Universitäts­klinikum im saarländischen Homburg behandelt. Das Mutterhaus arbeite „mit Hochdruck daran“, die stationäre Versorgung in Zukunft wieder gewährleisten zu können. Die ambulante Behandlung dagegen sei nach wie vor sichergestellt.

Bergsträßer sagte, trotz aller Maßnahmen gebe es „einfach zu wenig Pflegekräfte“ im Land: „Der Pflegeberuf muss attraktiver gemacht werden.“ Es sei ein „sehr schöner Beruf“, aber die Arbeitsbedingungen und die Bezahlung müssten verbessert werden, forderte sie. Die Pflegekammer zählt rund 40.000 Mitglieder. In der Region Trier allein seien rund 1.000 Pflegestellen nicht besetzt. © dpa/aerzteblatt.de

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

LNS

Nachrichten zum Thema

25. September 2020
Stuttgart – Nach langen Diskussionen bringt die grün-schwarze Landesregierung in Baden-Württemberg die Landarztquote auf den Weg. Am Dienstag soll nach jetzigem Stand eine entsprechende
Landarztquote in Baden-Württemberg wird konkret
24. September 2020
Hannover – In vielen Regionen in Deutschland wird es immer schwieriger für Praxisinhaber, einen Nachfolger zu finden. Das geht aus einer neuen Arztzahlprognose für Niedersachsen und einer Antwort der
Arztzahlprognosen: Immer mehr Praxen ohne Nachfolger
16. September 2020
Frankfurt – Die Lan­des­ärz­te­kam­mer Hessen hat auf den bestehenden und weiter zunehmenden Ärztemangel im Land hingewiesen. „Wir alle wissen, dass der Ärztemangel bereits sektorübergreifend spürbar ist.
Ärztekammer Hessen lehnt Landarztquote weiter ab
10. September 2020
Berlin – Eine bessere Bezahlung der Pflegefachkräfte sowie eine bessere Unterstützung der pflegenden Angehörigen forderten Fachleute gestern im Rahmen einer Anhörung des Gesundheitsausschusses des
Fachleute drängen auf bessere Bedingungen für die Pflege
10. September 2020
München – Der Corona-Pflegeschutzschirm des Bundes muss nach Ansicht von Bayerns Ge­sund­heits­mi­nis­terin Melanie Huml (CSU) bis zum 31. März 2021 verlängert werden. Eine Verlängerung dieses
Huml für Verlängerung des Corona-Pflegeschutzschirms bis März
8. September 2020
Jena – Die Lan­des­ärz­te­kam­mer Thüringen (LÄK) hat zu einer verstärkten Initiative gegen den Ärztemangel aufgerufen. „Nach wie vor ist die Lage in Thüringer Krankenhäusern, Praxen, aber auch Behörden
Mehr Medizinstudienplätze und eine Bleibestrategie in Thüringen notwendig
3. September 2020
Berlin – Bei der Vorstandsklausur der CDU/CSU Bundestagsfraktion in Berlin haben sich die Abgeordneten für eine höhere Landarztquote ausgesprochen. Das geht aus dem Beschluss der Fraktion hervor, der
LNS LNS

Fachgebiet

Stellenangebote

    Anzeige

    Weitere...

    Aktuelle Kommentare

    Archiv

    NEWSLETTER