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Medizin

„Sudden sniffing death“: Herztod durch Deodorant

Montag, 19. November 2018

/Arthur Slobodian, stockadobecom

Rotterdam – Der Versuch eines Drogensüchtigen, sich während einer Rehabehandlung mittels Inhalation eines Deodorants in einen Rausch zu versetzen, endete tödlich. Der 19-Jährige starb nach mehreren vergeblichen Reanimationen am Herzversagen, berichten Intensivmediziner in BMJ Case Reports (2018; doi: 10.1136/bcr-2018-224345).

Der junge Mann war wegen eines Cannabis- und Ketaminabusus stationär behandelt worden, als er sich in einem unbeobachteten Moment ein Handtuch über das Gesicht legte und durch den Stoff hindurch den Inhalt eines Deosprays inhalierte. Er soll dann in seinem Zimmer wild herumgesprungen sein, bevor er plötzlich kollabierte. Nach insgesamt 6 Defibrillationen und mit Rippenbrüchen und einem Hämothorax wurde er dann im Maasstad Krankenhaus in Rotterdam behandelt. Das Team um Kelvin Kramp konnte dort zwar den Kreislauf stabilisieren. Die anoxischen Hirnschäden waren jedoch irreversibel, und nach 9 Tagen in künstlichem Koma und Hypothermie-Behandlung gaben die Ärzte den Kampf auf.

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Dass die Inhalation von flüchtigen Substanzen aus dem Haushalt, der vor allem von Jugendlichen betrieben wird, lebensgefährlich sein kann, ist seit den 1960er-Jahren bekannt. Damals berichtete das amerikanische Ärzteblatt (JAMA 1970; 212: 2075-2079) über eine „Sudden sniffing death“-Epidemie. Obwohl die mediale Aufmerk­samkeit bald nachließ, ist die Serie von Todesfällen nicht abgerissen. In den USA sterben jährlich 100 bis 125 junge Menschen durch die Inhalation von volatilen Substanzen aus dem Haushalt.

Neben Deos werden eine Reihe anderer Haushaltsprodukte wie Farbverdünner und Haarsprays, Filzstifte oder Klebstoffe verwendet. Neben dem Schnüffeln, „Sniffing“, sind auch das „Huffing“ und „Bagging“ beliebt. Beim „Huffing“ wird ein Handtuch mit der Substanz getränkt und dann vor den Mund gelegt. Das „Bagging“ erfolgt mithilfe einer Plastiktüte, was besonders riskant ist, da die Jugendlichen nach einer Ohnmacht leicht ersticken können.

Die euphorisierende Wirkung, so sie denn tatsächlich eintritt, kommt meist durch Butane zustande. Die stark lipophilen Substanzen überwinden die Blut-Hirn-Schranke. Die Wirkung ist wohl mit der von Alkohol vergleichbar. Zu den Nebenwirkungen gehören verwirrte Sprache, Ataxie, Desorientierung, Halluzinationen und bei hoher Blutkonzentration eine Bewusstlosigkeit.

Was die ventrikuläre Arrhythmie und den Herzstillstand auslöst, ist nicht genau bekannt. Kramp vermutet, dass die Lösungsmittel die Wirkung des sympathischen Nervensystems verstärken, was auch die Hyperaktivität der Drogenkonsumenten erklären könnte (Beta-Blocker gelten als mögliches Gegenmittel). Die Überflutung des Herzens mit Adrenalin könnte auch einen Koronarspasmus auslösen. Die Myokard­ischämie würde den Anstieg der kardialen Enzyme im Blut erklären, der auch bei dem niederländischen Patienten aufgefallen war. © rme/aerzteblatt.de

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