NewsÄrzteschaftPsychothera­peuten beschließen regelhafte Fernbehandlung mit Face-to-face-Diag­nostik
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Ärzteschaft

Psychothera­peuten beschließen regelhafte Fernbehandlung mit Face-to-face-Diag­nostik

Dienstag, 20. November 2018

/agenturfotografin, stockadobecom

Berlin – Der 33. Deutsche Psychotherapeutentag (DPT) hat entschieden, dass künftig eine Fernbehandlung ergänzend im Rahmen einer Psychotherapie grundsätzlich unter Beachtung besonderer Sorgfaltspflichten eingesetzt werden kann. Eine ausschließliche Fernbehandlung von unbekannten Patienten lehnten die Delegierten aber ab.

„Diagnostik, Indikationsstellung und Aufklärung der Patienten erfordern aber weiterhin den persönlichen Kontakt“, heißt es nun im neu beschlossenen Paragrafen 5 Absatz 5 der Musterberufsordnung (MBO) für Psychologische Psychotherapeuten und Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten. Damit folgten die Delegierten einem Antrag des Vorstands der Bundes­psycho­therapeuten­kammer (BPtK).

Anzeige

Die bisherige Regelung sah vor, dass eine Behandlung über Kommunikationsmedien nur in begründeten Ausnahmefällen durchgeführt werden darf. Die Mitwirkung an Forschungsprojekten, in denen Psychotherapie ausschließlich über das Internet durchgeführt wird, bedarf auch mit der geänderten MBO der Genehmigung durch die Landespsychotherapeutenkammern.

Große Entfernungen können überbrückt werden

Zuvor erläuterte Peter Lehndorfer, Mitglied im Vorstand der BPtK, die Chancen und Risiken der Psychotherapie über Videobehandlung: „Große Entfernungen zwischen Patienten und Psychotherapeut können so überbrückt werden. Menschen mit schweren körperlichen Erkrankungen werden erreicht, die keine Praxis aufsuchen können. Bei einem Umzug des Patienten kann eine Fernbehandlung den Therapeutenwechsel verhindern helfen.“

Die Evidenz rechtfertige inzwischen den Einsatz von Fernbehandlungen – „aber längst nicht für alle“. Auf der anderen Seite könne Onlinepsychotherapie nicht die Probleme der Bedarfsplanung lösen und bedeute auch keine Zeitersparnis für Psychotherapeuten.

Antrag zur ausschließlichen Fernbehandlung abgelehnt

Zur Abstimmung stand auch ein Antrag der Ostdeutschen Psychotherapeutenkammer (OPK), der eine ausschließliche Behandlung über Kommunikationsmedien „im Einzelfall“ erlauben wollte, wenn dies psychotherapeutisch vertretbar sei. Dem ablehnenden Votum der Delegierten war eine breite Debatte vorausgegangen.

„Wir wollen Psychotherapeuten zumuten, selbst zu entscheiden, ob sie den Patienten vor einer Fernbehandlung persönlich sehen wollen/müssen oder nicht“, sagte Andrea Mrazek, Präsidentin der OPK.

„Wir sollten uns der Möglichkeit der ausschließlichen Fernbehandlung nicht verschließen“, erklärte Cornelia Beeking, Delegierte aus Nordrhein-Westfalen (NRW). „Der Schaden für die Patienten ist größer, wenn wir sie gar nicht erreichen, dadurch, dass sie in die Praxis kommen müssen“, ergänzte die Berliner Delegierte Eva-Maria Schweitzer-Köhn.

„Zur Diagnostik gehört immer auch das persönliche Gespräch. Der klinische Eindruck ist wichtig, der sich auch im Geruch und im Händedruck zeigt“, sagte hingegen Petra Adler-Corman, NRW, beispielsweise für die Vertreter der Face-to-face-Diagnostik.

„Die Krankenkassen sind sehr erpicht auf die OnlinePsychotherapie ohne uns – wir können uns auch selbst abschaffen“, erklärte Rudi Bittner, Delegierter aus Bayern. „Wir müssen unsere Macht nutzen“, warb BPtK-Vizepräsident Nikolaus Melcop für den Antrag des Vorstands für die regelhafte Fernbehandlung, der schließlich mit großer Mehrheit angenommen wurde. © PB/aerzteblatt.de

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

LNS

Nachrichten zum Thema

22. Januar 2019
Stuttgart – Der Medi-Verbund will jetzt die erste seiner angekündigten Musterklagen im Rahmen der neuen Tele­ma­tik­infra­struk­tur (TI) einreichen. Sie betrifft die Frage der vollständigen
Tele­ma­tik­infra­struk­tur: Musterklage wegen Konnektorkosten
22. Januar 2019
Berlin – Das Thema E-Health führt in Deutschland noch ein Nischendasein. Nur eine kleine Minderheit machte bereits persönlich Erfahrungen damit, wie eine Analyse des Meinungsforschungsinstituts Kantar
E-Health führt ein Nischendasein
22. Januar 2019
Brüssel – Die Digitalisierung der Gesundheitsversorgung innerhalb Europas kommt voran. Erstmals können Patienten innerhalb der Europäischen Union (EU) digitale Rezepte aus ihrem Heimatland in einem
E-Rezept kann in Europa grenzüberschreitend eingelöst werden
21. Januar 2019
Berlin – Der Bundesrechnungshof moniert ein zu schleppendes Tempo bei der digitalen Vernetzung des Gesundheitswesens. Er dringt auf ein stärkeres Eingreifen der Politik. 15 Jahre nach Beginn des
Bundesrechnungshof moniert schleppende Vernetzung des Gesundheitswesens
21. Januar 2019
Berlin – Die Bundes­ärzte­kammer (BÄK) hat sich erneut mit Nachdruck gegen den Referentenentwurf für eine Ausbildungsreform der Psychologischen Psychotherapeuten und Kinder- und
Bundesärztekammer übt Kritik an Reformplänen für Psy­cho­thera­peuten­aus­bildung
18. Januar 2019
Berlin – Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) und Bundes­psycho­therapeuten­kammer sollen Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter Jens Spahn (CDU) gemeinsam einen Vorschlag vorlegen, wie schwer psychisch kranke
Spahn bittet um Vorschläge für schnelleren Zugang zur Psychotherapie
18. Januar 2019
Berlin – Ermächtigte Ärzte, die mit ihrer Praxis oder Einrichtung bereits an die Tele­ma­tik­infra­struk­tur (TI) angeschlossen sind, bekommen die dadurch entstehenden Kosten vorerst nicht mehr erstattet.
LNS LNS

Fachgebiet

Anzeige

Weitere...

Aktuelle Kommentare

Archiv

Anzeige
NEWSLETTER