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Politik

Studie sieht hohe Arbeitsbelastung bei Hebammen

Montag, 19. November 2018

/dpa

Magdeburg – Hebammen in Sachsen-Anhalt bewerten ihren Beruf als abwechslungs­reich und interessant, beklagen aber eine stark gestiegene Arbeitsbelastung. Jede fünfte Hebamme denkt darüber nach, den Job vorzeitig aufzugeben. Das ist das Ergebnis einer Untersuchung im Auftrag des Sozialministeriums, die erstmals die Situation der Geburtshelferinnen im Land untersucht hat. Ge­sund­heits­mi­nis­terin Petra Grimm-Benne kündigte bei der Vorstellung heute Konsequenzen an: „Wir brauchen eine bessere Personalsituation und Maßnahmen zur stärkeren Nachwuchsgewinnung“, sagte die SPD-Politikerin.

Das Berliner IGES-Institut wertete Daten von Krankenkassen und Gesundheitsämtern aus. Zudem wurden Geburtskliniken und Hebammen befragt. 120 Hebammen nahmen den Angaben zufolge an der Befragung teil. Insgesamt gibt es der Analyse zufolge rund 430 Geburtshelferinnen im Land. Sie arbeiten entweder freiberuflich oder sind bei Kliniken angestellt.

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Der Landeshebammenverband klagt schon länger über die schwierigen Arbeitsbedingungen. Teilweise müsse eine Hebamme drei, vier oder fünf Schwangere gleichzeitig betreuen, sagte Verbandschefin Petra Chluppka. „Das wichtigste Kriterium ist Zeit, weil Geburt nicht planbar ist“, kritisierte sie. Die Studie belege die Erfahrungen aus der Praxis der Hebammen nun mit Zahlen.

Vor allem in den Großstädten Magdeburg und Halle werde der Bedarf in den kommenden Jahren steigen, prognostizieren die Wissenschaftler. In Magdeburg etwa stiegen die Geburtenzahlen in den vergangenen zehn Jahren um rund ein Viertel. In vielen ländlichen Regionen werden dagegen weniger Kinder geboren. Trotzdem sei es wichtig, auch dort Angebote vorzuhalten, sagte Grimm-Benne.

Das Land hat sich vorgenommen, die natürliche Geburt zu stärken. Chluppka zufolge kommt in Sachsen-Anhalt inzwischen jedes dritte Kind per Kaiserschnitt auf die Welt. Das sei weder für die Mütter noch für die Kinder eine gute Entwicklung, sagte sie. „Wir müssen die Geburtshilfe radikal verändern.“

Grimm-Benne will deshalb in Halle zwei Pilotprojekte starten. Dort sollen hebammen­geleitete Kreißsäle eingerichtet werden. Die Verantwortung für die Schwangeren liegt dort in erster Linie bei den Hebammen. Sie entscheiden, wann ein Arzt hinzugezogen wird. Chluppka betonte, es gebe mit diesem Modell gute Erfahrungen in anderen Ländern.

Eine Herausforderung wird der Studie zufolge aber auch die Gewinnung von Nachwuchs sein. Mehr als 180 Hebammen hören in den nächsten 15 Jahren aus Altersgründen auf. Wenn weiter wie bisher ausgebildet werde, ergebe sich eine Lücke von 40 bis 45 Hebammen, sagte Monika Sander vom IGES-Istitut. Nach Vorgaben der EU soll die Ausbildung zur Hebamme künftig ein Studium sein. Grimm-Benne zufolge könnte der erste Jahrgang 2021 starten. © dpa/aerzteblatt.de

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