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Medizin

Weltweiter Rückgang der Malaria stockt, mehr Erkrankungen in Afrika

Dienstag, 20. November 2018

Es fehlen vor allem Moskitonetze zum Schutz. /dpa

Genf – Nachdem die Zahl der Malariaerkrankungen seit Anfang des Jahrzehnts stetig zurückgegangen war, ist es laut dem neuesten Malaria-Report der Weltgesund­heitsorganisation (WHO) im letzten Jahr zu einem leichten Anstieg gekommen. Betroffen sind vor allem die Länder Afrikas. Die WHO sieht den Grund in einem Mangel an imprägnierten Malarianetzen und Insektiziden. Außerdem fehle es an präventiven Therapien für Schwangere und Kinder. Im New England Journal of Medicine (2018; 379: 1962-1964) berichten Mediziner aus Indien über erste Artemisinin-Resistenzen im Osten des Landes.

Im Jahr 2017 sind weltweit schätzungsweise 219 Millionen Menschen an Malaria erkrankt. Das sind zwar 20 Millionen weniger als im Jahr 2010, aber 2 Millionen mehr als im Jahr 2016. Die WHO spricht zwar noch nicht von einer Trendwende. Dem ehrgeizigen Ziel, die Zahl der Erkrankungen bis zum Jahr 2030 um 90 % zu senken, ist die WHO jedoch nicht näher gekommen.

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Die Krisenregion ist die Subsahara. Hier befinden sich 10 der 11 Länder mit den höchsten Erkrankungszahlen. Dies sind Burkina Faso, Ghana, Kamerun, die Demo­kratische Republik Kongo, Mali, Mosambik, Niger, Nigeria, Uganda and Tansania. Das elfte Land ist Indien, wo die Erkrankungszahlen gegenüber 2016 um 24 % gesunken sind. Nicht so in Afrika. In allen 10 Ländern ist es 2017 zu einem Anstieg gekommen, am deutlichsten in Nigeria, Madagaskar und der Demokratischen Republik Kongo. In diesen Ländern stiegen die Erkrankungszahlen jeweils um mehr als eine halbe Million.

Immerhin: Die Todesfälle sind weiter rückläufig. Im Jahr 2017 starben schätzungsweise 435.000 Menschen an der Malaria. Im Jahr zuvor waren es noch 451.000 Todesfälle und im Jahr 2010 sogar 607.000. Auf Afrika entfallen derzeit 93 % aller Todesfälle.

Die Gründe für die Stagnation sind vielfältig. Die WHO beklagt einen Mangel an mit Insektiziden imprägnierten Bettnetzen. Trotz einer gewissen Zunahme sei die Versor­gung vor allem in Afrika südlich der Sahara unzureichend. Dort könnte nur die Hälfte der gefährdeten Menschen unter einem imprägnierten Netz schlafen. Außerdem werden laut dem Bericht weniger Wohnungen als bisher durch Versprühen von Insektiziden geschützt. Und schließlich hätten noch immer zu wenige schwangere Frauen und Kinder Zugang zu Medikamenten, die sie vor einer Infektion schützen könnten.

Die WHO kündigt eine neuen Plan an, der unter dem Motto „High burden to high impact“ gezielt die Situation in den Krisenregionen verbessern soll. Da der WHO selbst keine finanziellen Mittel zur Verfügung stehen, bleibt es bei einem Appell. Die nationale und globale Aufmerksamkeit soll „galvanisiert“, sprich wachgerüttelt werden. Wie Wirkung durch die „strategische Nutzung von Informationen“ verstärkt, die „besten globalen Leitlinien etabliert“ werden und so weiter.

Es fehlt weiterhin am Geld. Im letzten Jahr sind zwar 3,1 Milliarden US-Dollar in die Bekämpfung der Malaria geflossen, etwas mehr als im Jahr zuvor. Das meiste Geld stammt von Regierungen und privaten Stiftungen, vor allem aus dem Global Fund to Fight Aids, Tuberculosis and Malaria. Der wichtigste Gönner ist weiterhin die US-Regierung mit 1,2 Milliarden US-Dollar, gefolgt von der britischen Regierung mit 300 Millionen US-Dollar und der Gates-Stiftung mit 2 Millionen US-Dollar. Die Regierungen der betroffenen Länder brachten zusammen 900 Millionen US-Dollar zusammen. Das ist ein Anteil von 28 %. Um das Global Target 2030 zu erreichen, müssten laut WHO jährlich 6,6 Milliarden US-Dollar zusammenkommen.

Außerhalb von Afrika ist die Situation besser. Die Zahl der Länder, die die Malaria fast eliminiert haben, ist von 37 im Jahr 2010 auf 46 im Jahr 2017 gestiegen. In China und El Salvador hat es laut der WHO im letzten Jahr keine Übertragungen der Malaria mehr gegeben. Für die WHO ist dies ein Beweis dafür, dass Kontrollbemühungen erfolgreich sein können.

Paraguay wurde in diesem Jahr – als erstes Land der Region seit 45 Jahren – von der WHO für malariafrei erklärt. 3 weitere Länder – Algerien, Argentinien und Usbekistan – haben die Zertifizierung bei der WHO beantragt.

Indien verzeichnete im Jahr 2017 einen Rückgang der Fälle um 24 % im Vergleich zum Vorjahr. Auch in Ruanda wurden 436.000 Fälle weniger registriert. Äthiopien und Pakistan verzeichneten einen deutlichen Rückgang von mehr als 240.000 Erkrankungen.

Auch dies sei ein Beleg dafür, dass die Malaria zurückgedrängt werden könne, wenn die Staaten die richtigen Prioritäten setzen. Die WHO vermeidet eine Kritik an den Mitgliedsländern. Der Report lässt jedoch durchblicken, dass das Engagement einiger Länder Afrikas als zu gering eingeschätzt wird.

Eine effektive Behandlung der Malaria ist in Afrika – noch – möglich. Die Artemisinin-Resistenzen, die sich in den letzten Jahren im Mekong-Delta in Südostasien ausge­breitet haben, sind in Afrika bisher nicht aufgetreten. Die Bedrohung nähert sich jedoch langsam. Sabyasachi Das von der Universität in Vidyasagar in Westbengalen und Mitarbeiter berichteten dieser Tage, dass die artemisininbasierte Kombinations­therapie in dem westlich von Bangladesh gelegenen Bundesstaat langsam ihre Wirkung verliere.

In einer Serie von 136 Patienten war bei 16 % der Patienten die Eliminierung der Parasiten aus dem Blut verzögert. Die genetische Untersuchung der Parasiten ergab Mutationen im Kelch-13-Gen, die in Südostasien für die Artemisinin-Resistenz verantwortlich sind. Sollten sich die Ergebnisse bestätigen, könnte die Behandlung der Malaria in Indien in Zukunft erschwert werden. © rme/aerzteblatt.de

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